«Sie wollen mich doch hier nur verarschen. Ich bin kein schlechter Mensch», sagte der 31-jährige Angeklagte sichtlich genervt. «Seien sie jetzt still. Der Experte hat nicht gesagt, dass sie ein schlechter Mensch sind», versuchte der Verteidiger seinen Mandanten zurückzuhalten.

Eigentlich hatte es ganz locker begonnen: Der Mann hatte zugegeben, im Juni 2013 zu fest aufs Gaspedal gedrückt zu haben, und ihm war auch klar, dass er dafür eine Strafe erhalten würde. An jenem Sonntagmorgen um 6.39 Uhr war er mit seinem Audi auf der A 2 in Tenniken in Richtung Basel mit 219 Stundenkilometern geblitzt worden. Nach Abzug der Sicherheitsmarge von 7 Stundenkilometern ergab das netto Tempo 212, beim dort geltenden Limit von 120 waren das 92 Kilometer zu viel auf dem Tacho. Ab 80 Kilometern kommt die seit zwei Jahren geltende Raserstrafnorm zur Anwendung, die eine Mindestfreiheitsstrafe von 12 Monaten vorsieht. Der Verteidiger beschwor gestern folgerichtig, sein Mandant habe diese qualifizierte Verkehrsregelverletzung «bloss» um 12 Stundenkilometer überschritten. «Es gibt auch Autos, die 250 fahren, auch wenn ich das niemandem empfehlen würde», sagte der Verteidiger.

Wirre Geschichten und Koks

Doch nachdem die Polizei dem Mann damals den Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen hatte, fuhr er mit einem neugekauften Jaguar zum Therapeuten. Aufgeflogen ist das bloss deshalb, weil er sich derart heftig mit seiner Freundin stritt, dass jemand die Polizei rief. Ungefragt gab er umgehend zu, damals ein wenig Kokain konsumiert zu haben.

Der grosse Hammer folgte aber mit dem forensischen Gutachten: Der Vater von zwei Kindern leidet an einer Schizophrenie und braucht unbedingt eine medikamentöse Therapie. Dem Gutachter sagte er offenbar, er habe in seinem Kopf einen Chip implantiert. «Ach was, damals habe ich Drogen genommen», verteidigte er sich gestern vor Gericht und lachte. Die Begutachtung hat allerdings in diesem Jahr stattgefunden, wobei er zuvor erklärt hatte, seit 2013 keine Drogen mehr zu nehmen. Auf diesen Widerspruch vom Gericht angesprochen, reagierte er verärgert und meinte bloss, ihm glaube man ja sowieso nicht, und ihm höre auch niemand zu.

Der Gutachter empfahl eine ambulante Therapie, zu Beginn sei aber ein stationärer Aufenthalt von ungefähr acht Wochen notwendig. Dieser Punkt bereitete dem Mann sichtlich Mühe. Angeblich sass der aus Ungarn stammende Mann in seinem Heimatland bereits im Gefängnis, und dort habe er ganz schlechte Erfahrungen mit Medikamenten gemacht. Eine Anfrage an die ungarischen Behörden blieb allerdings unbeantwortet, der Mann gilt deshalb als nicht vorbestraft. Inzwischen hat er allerdings ein neues Verfahren am Hals, weil er trotz entzogenem Ausweis offenbar neulich wieder mit einem Auto unterwegs gewesen ist. Das Verfahren dazu läuft separat.

Medikamente oder Knast

Zumindest vorläufig hat er die vorgesehene Mindeststrafe von 12 Monaten geritzt: Das Dreiergericht wollte eigentlich eine Strafe von 13 Monaten verhängen, gewährte ihm aber wegen der leicht verminderten Schuldfähigkeit einen Rabatt von 25 Prozent und kam damit aufgerundet auf 10 Monate unbedingt. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hatte 16 Monate Gefängnis, reduziert auf 13 Monate verlangt. Diese Freiheitsstrafe wird aber sowieso zugunsten der ambulanten Massnahme aufgeschoben. Nimmt der Mann seine Medikamente nicht, muss er die Strafe in der Strafanstalt absitzen.

Dazu kommen Verfahrenskosten von über 12 000 Franken, 9000 Franken kostete alleine das Gutachten. Weil der Mann inzwischen seine Stelle verloren hat, ordnete das Gericht zusätzlich eine Bewährungshilfe an. Das Urteil aus der ersten Instanz kann noch an das Baselbieter Kantonsgericht weitergezogen werden.