Eine geschlossene Altstadt, in der sich Geschäft an Geschäft reiht, gibt es im Baselbiet sonst nur noch im Hauptort Liestal. Trotzdem sind im Laufner Stedtli an einem gewöhnlichen Wochentag oftmals erstaunlich wenige Menschen unterwegs. Das stört neben den ansässigen Gewerbetreibenden auch die Stadtverantwortlichen, weshalb sie sich etwas haben einfallen lassen.

In den vergangenen Monaten entwickelte eine Arbeitsgruppe 21 Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung der Altstadt von Laufen. Hinter dem grossen Ideenkatalog stehen der Verein Interessensgemeinschaft Laufen, dem fast alle Firmen im Stedtli angehören, sowie die Stadt Laufen. Ziel des Stadtentwicklungsprogramms namens «Stedtli Laufen 2020» ist es, möglichst viele der Massnahmen umzusetzen.

Lieferservice schon an Weihnachten

Was man unternehmen will, um mehr Besucher ins Stedtli zu locken, ist vielfältig und teilweise aufsehenerregend. «Die wichtigste Massnahme ist klar die Anstellung eines City-Managers», erklärte Thomas Bretscher, der mit seiner Firma Retail Impulse als Projektleiter das Entwicklungsprogramm verantwortet. Am Mittwochabend stellte er mit den Mitgliedern der Arbeitsgruppe den Gewerblern im Alten Schlachthuus in Laufen das 28 Seiten dicke Dokument vor. Der gesuchte Stadtentwickler müsse Leidenschaft für die Region mitbringen sowie über Kenntnisse in den Bereichen Gewerbe und Gastronomie verfügen. Derzeit ist Alex Beck, Präsident der Interessensgemeinschaft Laufen, daran, einen Leistungsauftrag und ein Pflichtenheft auszuarbeiten.

Für mehr Frequenz im Stedtli soll die Entwicklung einer neuen Verkehrs- und Parkingstrategie für die Kernzone und damit verbunden ein besucherfreundliches Zahlsystem sorgen. Die fehlenden Parkplätze sind eines der grossen Probleme von Laufen und werden jeweils an der Fasnacht ausgespielt. Eine Massnahme sieht vor, eine Stunde kostenloses Parken für Kundinnen und Kunden zu prüfen. Eine weitere die Errichtung von Parkfeldern für Elektrofahrzeuge mit der Möglichkeit, Strom zu beziehen.

Um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, will man multifunktionale Sitzgelegenheiten in der Altstadt anbieten. «Die Sicherbarkeit der Geschäfte möchten wir durch Schilder optimieren», sagte Bretscher. Damit die Eltern in Ruhe in den Läden einkaufen oder sich in einem der drei Cafés ein Stück Patisserie gönnen können, steht zur Diskussion, im Stedtli einen Kinderhort zu errichten. An verschiedenen Orten im Stedtli soll es zudem künftig kostenloses Internet und Handystationen geben. Schon in naher Zukunft wird ein Heimlieferservice zur Verfügung stehen, der den Kunden die Einkäufe aus den Geschäften nach Hause bringt. «Es ist geplant, dass dieses Angebot schon an Weihnachten genutzt werden kann.»

Geräte sollen die Besucher zählen

Auch wenn viele der Massnahmen bereits konkrete Züge haben, ist noch nichts umgesetzt. Jede Massnahme hat einen Verantwortlichen, der prüft, ob und wie man sie verwirklichen kann. Im kommenden November und im April 2019 informieren die Zuständigen die Arbeitsgruppe über den aktuellen Stand. Im September des nächsten Jahres liegt der Abschlussbericht vor. «Dann wissen wir, was wir umsetzen können und was nicht», sagte der Laufner Stadtpräsident Alex Imhof (CVP), der selbst bei vier Massnahmen den Lead hat.

Um dereinst überprüfen zu können, ob es tatsächlich gelungen ist, mehr Leute ins Stedtli zu bringen, hat man vor, an neuralgischen Punkten im Stedtli Frequenzmesser aufzustellen. Die Geräte zählen die Besucher und werden schonungslos aufzeigen, ob das ressourcenintensive Stadtentwicklungsprogramm erfolgreich war.

 

Das gesamte Dokument kann man sich auf www.laufen-bl.ch runterladen.