Ein stattlicher Waldbaum speichert so viel Kohlendioxid (CO2), wie zwei Personen mit einem europäischen Flug produzieren. Der Wald ist also ein grosser CO2-Speicher, und das wollen die Waldeigentümer jetzt zu Geld machen. Der Forstbetrieb Bucheggberg südwestlich von Solothurn ist dabei das Vorbild.

Dort können Firmen, die CO2 produzieren, als Ausgleich Zertifikate von den Waldeigentümern kaufen. Diese verpflichten sich dazu, ihre Bäume länger stehen zu lassen, zum Beispiel 30 Jahre. Das bindet CO2, was das Klima schützen helfen soll. Bereits machen Unternehmen in der Chemie-, Stahl- und Zementindustrie mit. Das Geschäftsmodell aus dem Kanton Solothurn sorgt landesweit für Interesse.

Ein Verein, bestehend aus kantonalen Waldeigentümerverbänden, klärt jetzt ab, ob und wie das Solothurner Projekt als Vorbild dienen könnte. Denn angesichts der anhaltend tiefen Holzpreise machen die Schweizer Waldbesitzer kaum Geld, und das schon seit Jahren.

Nur eine Zwischenlösung

Die Fühler ausstrecken will auch Wald beider Basel, der regionale Verband der Waldeigentümer. «Wir sind sehr daran interessiert, die Leistung des Waldes in Wert umzusetzen», sagt der Präsident, der ehemalige Grüne Landrat Philipp Schoch. Er ist sich aber auch bewusst, dass es «noch viele Fragezeichen» gibt.

Unklar ist vor allem der tatsächliche Nutzen fürs Klima. Lässt man die Bäume nach Ablauf der Zertifikate verfaulen oder verbrennt man sie, gelangt das gespeicherte Kohlendioxid wieder in die Umwelt. Damit ist die Freisetzung nur verzögert – wobei vielleicht genau das der entscheidende Punkt ist, wie Raphael Häner, Geschäftsführer von Wald beider Basel, erklärt. «Das Ökosystem Wald ist träge», sagt er. Man könne im Wald die Freisetzung von CO2 um vielleicht hundert Jahre verschieben.

Auch Wald Schweiz, der landesweite Verband der Waldeigentümer, sieht die zusätzliche Speicherung des Klimagases nur als Zwischenlösung, bis man Möglichkeiten gefunden habe, den CO2-Ausstoss zu reduzieren. «Der Ansatz, den CO2-Speicher zu erhöhen, ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung», lautet Häners Schluss.

Doch die Umweltorganisation Greenpeace überzeugt das nicht. Im Schweizer Fernsehen hat sie das Solothurner Modell neulich als «kein Klimaschutzprojekt» bezeichnet. Stattdessen müssten die politischen Rahmenbedingungen so sein, dass alle Waldbesitzer so wirtschaften müssten, dass effektiv CO2 gebunden werde. Geht es den Waldeigentümern also nur darum, eine neue Einnahmequelle zu schaffen? «Die Versuchung ist sehr gross», sagt Schoch. Man wolle aber nicht einfach nur den Wald verkaufen.

Seine anfängliche Euphorie für das Projekt ist inzwischen einem kritischen Interesse gewichen. Man wolle sich nicht einfach ein grünes Mäntelchen umhängen. «Wir wollen eine saubere Lösung, hinter der wir stehen können.»

Start schon nächstes Jahr?

Deshalb wollen die Baselbieter Waldbesitzer erst abwarten, was der schweizweite Verein herausfindet. Ergibt sich daraus eine überzeugende Lösung, könnte es aber ganz schnell gehen. Häner kann sich vorstellen, dass die Baselbieter Waldbesitzer bereits nächstes Jahr Zertifikate verkaufen. «Das Produkt hat Potenzial, wenn es glaubwürdig ist», ist Häner überzeugt. Damit könnte es bald Waldstücke für CO2-Zertifikate geben, ähnlich wie es Waldabschnitte für Trinkwassergewinnung oder Erholung gibt.