Den Söldner Heinrich verschlägt es während des Dreissigjährigen Krieges ins Städtchen Laufen. Auch im Laufental mussten aufgrund des Krieges viele ihre Heimat verlassen und flüchteten in die Wälder oder ins Solothurnische. Ihre Habseligkeiten vergruben sie nicht selten in Erdlöchern, den sogenannten Schwedenlöchern.

Heinrich ist eine von zehn fiktiven historischen Figuren, die in Laufen ihre Geschichte erzählen. Seit gestern können sich alle Interessierten auf einen audiovisuellen Rundgang begeben. An unterschiedlichen Orten in der Altstadt hängen runde Tondos, auf denen eine Person abgebildet ist. Scannt man mit dem Handy den aufgedruckten QR-Code, beginnen die Akteure über ihr Leben zu berichten. Wer nicht von Standort zu Standort laufen möchte, kann sich direkt auf seinem Smartphone alle Aufnahmen anhören. Die jeweils rund fünf Minuten dauernden Stories strotzen vor Ideenreichtum und Witz.

Nachtwächter und Zuckerbäckerin

Die beiden Schauspieler Lukas Kubik und Kathrin Veith schlüpften für den Rundgang in jeweils fünf Rollen. Die Figuren, welche sie darstellen, stammen aus den verschiedensten historischen Epochen. Die in der Jungsteinzeit lebende Tara erzählt genauso über ihre Erlebnisse wie Peter, der im Spätmittelalter in Laufen als Nachtwächter tätig ist oder die Zuckerbäckerin Hanna, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ihre süssen Kreationen unter das Volk bringt.

Am wenigsten lange her ist die erfundene Geschichte des Journalisten Jan, für den die Berichterstattung über die zweite Laufental-Abstimmung im November 1989 zuerst ein Strafauftrag ist. Denn der Redaktionskollege darf nach Deutschland reisen und über den gleichzeitig stattfindenden Fall der Berliner Mauer schreiben. Als sich der Lokalreporter jedoch ein wenig mit dem politischen Krimi beschäftigt, der sich damals im Laufental abspielt, wird ihm klar: «Also das ist schon Stoff für eine Story. Nicht ganz Berlin, das Laufental, aber da lässt sich was draus machen.»

Die Basler Autorin Barbara Piatti, aus deren Feder die Texte stammen, recherchierte in den vergangenen Monaten intensiv über die Vergangenheit von Laufen. «Das Städtchen ist ein facettenreicher historischer Schauplatz mit archäologisch bedeutsamen Fundstätten», erklärt die Historikerin. Lange sei der Alltag der Menschen in Laufen von Seuchen, Kriegen und grosser Armut geprägt gewesen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts folgte eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Entstehung von Firmen, denen der Sprung auf das internationale Parkett gelang. Mit der Keramik Laufen AG und der Ricola sind im Hauptort des Laufentals gleich zwei weltbekannte Unternehmen beheimatet.

Kantonsarchäologe arbeitete mit

Die nach den Gründern des Kräuterbonbon-Produzenten benannte Emil und Rosa-Richterich-Beck-Stiftung sponsert im Laufental seit Jahrzehnten kulturelle Projekte. Von den Verantwortlichen der Stiftung stammt auch die Idee für den audiovisuellen Rundgang im Stedtli. «Geschichte hat nichts mit Nostalgie zu tun. Wenn man eine gute Zukunft haben möchte, sollte man die Vergangenheit kennen», sagt Stiftungspräsident Lukas Richterich. Seine Stiftung finanziert das Projekt, Trägerin ist die Stadt Laufen. Involviert war auch der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti als wissenschaftlicher Beistand.

Informationen zur Verfügung stellen

Ob der audiovisuelle Rundgang bei den Besucherinnen und Besuchern der Altstadt auf Anklang stossen wird, kann Initiator Lukas Richterich nicht einschätzen. «Ich würde es mir sehr wünschen. Denn in Laufen ist in den vergangenen Jahrhunderten viel Interessantes passiert. Mit dem Rundgang möchten wir den Menschen diese Informationen zur Verfügung stellen.»
Als die Tondos am letzten Mittwochnachmittag in Laufen montiert wurden, war das Interesse der Leute im Stedtli auf jeden Fall bereits gross.