Die Idee hatte der Schweizer Florian Mura schon vor zwei Jahren. Er möchte die
Waldenburgerbahn (WB), die für 200 Millionen Franken bis in das Jahr 2023 erneuert und modernisiert werden soll, im Elsass zum Einsatz bringen: zuerst zwischen Saint-Louis und dem Euro-Airport (EAP) und später als Sundgaubahn bis nach Waldighoffen.

Mura wohnt selber im Elsass und gehört dem Rettungsverein der Waldenburgerbahn an. «Es gibt zwei Vorteile: Das Projekt könnte Schweizer Touristen in den Sundgau bringen und die Elsässer Grenzgänger mit dem öV nach Basel», argumentiert er.

Tatsächlich hat es früher schon eine Bahnstrecke von Waldighoffen bis Saint-Louis gegeben. Sie war 22,6 Kilometer lang und führte über Muespach, Michelbach und Blotzheim, um nur einige Orte zu nennen. Erste Züge verkehrten laut Wikipedia schon 1914. Während des Ersten Weltkriegs musste der Verkehr eingestellt werden. Der Personenverkehr konnte am 1. März 1920 wieder aufgenommen werden, der letzte Personenzug verkehrte 1955. Der Güterverkehr zwischen Waldighoffen und Blotzheim endete 1957, zwischen Blotzheim und Saint-Louis fuhren bis 1992 Güterzüge.

Bebauung zu eng für weite Spur

Mura hat sich im Sundgau umgesehen und festgestellt, dass eine normale Spurbreite aufgrund der dichten Bebauung in manchen Dörfern gar nicht möglich sei. Das würde also für die engere Spur der Waldenburgerbahn sprechen.

Verantwortlich für den öV ist im Südelsass der Zweckverband «Communauté d'agglomération des Trois frontières» (CA3F). Er koordiniert auf französischer Seite auch die Arbeiten zur 3er-Tramverlängerung von Basel auf die Westseite des Bahnhofs von Saint-Louis. Die Elsässer möchten das Tram am liebsten noch bis zum Flughäfen verlängern – in dieser Hinsicht hat sich Jean-Marie Zoellé, Maire von Saint-Louis, schon vor zwei Jahren in einem Interview mit der bz geäussert.

Vor kurzem wurde das Ansinnen konkreter. So hat die CA3F auf ihrer Plenarversammlung ein Trassee für 2,6 Kilometer lange Strecke zwischen Bahnhof und EAP beschlossen, ausgestattet mit vier Tramhaltestellen. Schon vorher haben die Politiker einen Vorvertrag mit einem Investor abgeschlossen, der zwischen Flughafen und Bahnhof ein neues Einkaufs-, Freizeit- und Geschäftszentrum von 40 000 Quadratmetern mit Läden, Hotels und Golf bauen will.

Wie das Projekt des Investors Unibail, das schon bald zehn Jahre im Gespräch ist, genau ausgestaltet werden soll, ist allerdings noch nicht bekannt. Bei den Überlegungen zur weiteren Tramverlängerung soll diese in einem ersten Abschnitt für 7,5 Millionen Euro bis 2021 zum Geschäftszentrum führen und später dann bis zum EAP – mit 21,9 Millionen Euro ungleich teurer.

Schweizer Kunden anlocken

Florian Mura ist überzeugt, dass es Unibail mit dem Waldenburgerli leichter fallen wird, Schweizer Kundschaft anzulocken. Tatsächlich bedauert Unibail-Projektmanager Christophe Noel in seiner Antwortmail an die bz zwar, keine konkreten Informationen von der Waldenburgerli-Idee zu haben, aber schreibt auch: «Jeglich lokale Initiative, die unser Vorhaben stärkt», würde ihn interessieren.

Mura sieht die Übernahme des Waldenburgerli und seiner Infrastruktur als einen Plan B für die Elsässer, zumal sie die gesamte Infrastruktur mit Gleisen, Holzschwellen, Pfosten und Kabel übernehmen könnten.

Allerdings hält sich die Begeisterung im Elsass in Grenzen, Jean-Marie Zoellé, Maire von Saint-Louis und bei der CA3F für den öV verantwortlich, spricht der Idee zwar einen gewissen Charme nicht ab und findet sie pittoresk, aber eine Umsetzung sei nicht denkbar. «Ich setze mich mit Nachdruck für die Verlängerung des Trams zum Flughafen ein und dort laufen auch die
Genehmigungsverfahren für den Bahn- -sowie den Tramanschluss. Das ist schon alles sehr schwierig und aufwendig. Da kann ich nicht noch mit einem dritten
Projekt kommen.»

Auch der Idee einer Sundgaubahn erteilt er eine Absage. «In der Zwischenzeit haben einige Kommunen Teile des alten Trassees verkauft. Dort sind Häuser gebaut worden. Man kann die Bahnstrecke nicht wieder erneuern. Das ist übrigens vor einigen Jahren schon einmal diskutiert worden.»