Die intensivierte und rationalisierte Landwirtschaft und der Siedlungsdruck beeinflussen das Gesicht der Baselbieter Kulturlandschaft tiefgreifend. Einst prägende Elemente wie Hochstammbäume, Zäune oder Trockenmauern verschwinden. Die Landschaft wird grossflächiger und monotoner.

Einsam im Tal gelegen - Eichbüchel ob den Weiden bei Bennwil

Einsam im Tal gelegen - Eichbüchel ob den Weiden bei Bennwil

Seit den 60er-Jahren weichen auch zunehmend die Feldscheunen aus der Landschaft. Einst dienten sie den Bauern zum Lagern von Heu. Manchmal stellten sie auch ihr Vieh unter. Heute sind viele dieser Relikte einer vergangenen Landwirtschaftsform in schlechtem Zustand, teils gar vom Einsturz bedroht.

Heimat, Folklore und Identität

Die 75 Mitglieder des Vereins Baselbieter Feldscheunen setzen sich meist ehrenamtlich für Erhalt und Unterhalt dieser Kulturdenkmäler ein. Seit der Gründung 2010 hat der Verein vier Scheunen notfallmässig gesichert. Die Feldscheune Kastelen bei Titterten sanierte er für nicht ganz 40 000 Franken komplett. In diesem Jahr will sich der Verein den Scheunen Aleten in Tecknau und Ebnet in Eptingen widmen.

Eine besondere Perle ist das Wildenstein Bächli bei Bubendorf

Eine besondere Perle ist das Wildenstein Bächli bei Bubendorf

«Ich verbinde Feldscheunen stark mit Heimat, Folklore und Identität», erzählt Markus Zentner, Präsident des Vereins. «Feldscheunen und Dorfetter repräsentieren das ursprüngliche Gesicht des Baselbiets.» Dadurch hätten sie auch historische Relevanz. Die Feldscheune sieht er weniger als isolierte, historisch wertvolle Baute, sondern betrachtet sie im Zusammenspiel mit der Landschaft. Trotzdem ist Zentner als Zimmermann auch von der fachkundigen, einfachen wie beständigen Bauweise der Feldscheunen angetan. «Feldscheunen sind zudem oftmals Biodiversitäts-Hotspots», erklärt der Gelterkinder. Eulen und Fledermäuse nisten sich ein, Greifvögel nutzen sie als Ausguck.

Geschützt, aber nicht gerettet

Rund 270 Feldscheunen gibt es heute im Baselbiet noch. «Davon sind rund 80 bis 100 historisch wertvoll», sagt Zentner. Sie entstanden ungefähr ab dem 17. Jahrhundert. Bis ins 19. Jahrhundert durfte im Baselbiet nicht ausserhalb des Dorfetters gebaut werden. Feldscheunen waren die einzige Möglichkeit, lange Transportwege zu umgehen. «Sie sind eindeutig Dokumente aus der Zeit, als man nicht motorisiert war», erklärt Klaus Ewald, Co-Autor des Buches «Die ausgewechselte Landschaft». Die Feldscheunen seien vor allem der Mechanisierung der Landwirtschaft zum Opfer gefallen.
Die Feldscheune Hornet oberhalb von Bennwil

Die Feldscheune Hornet oberhalb von Bennwil

Feldscheunen sind fast in allen Gemeinden des Baselbiets per Zonenplan Landschaft geschützt. Das Problem ist aber, dass den Besitzern oft die finanziellen Möglichkeiten und Anreize fehlen, die Scheunen zu sanieren. Neue Formen der Nutzung sind schwierig, weil die Zonenpläne nur erlauben, die Scheuen landwirtschaftlich zu nutzen. Zwei Scheunen dienen heute bereits als Mobilfunkverteilstationen. Zentner steht vor der Feldscheune «Rosenmatt» oberhalb von Titterten und lässt den Blick über die einmalige Landschaft schweifen: «Hier oben wären im Sommer Schlafen im Stroh, Seminare oder Biologie-Unterricht mit Schulklassen denkbar.» Im Winter soll allerdings weiterhin die Landwirtschaft walten.