Ein Aufschrei ging durchs Land, als bekannt wurde, wie tief die Stimmbeteiligung der unter 30-Jährigen am 9. Februar bei der Masseneinwanderungsinitiative war. Diesen Trend wollen sechs junge Baselbieter aus dem Birstal stoppen.

Sie fordern in ihren Gemeinden einfachere Abstimmungserklärungen für unter 25-Jährige durch den Verein «Easyvote». Dafür stellen sie Anträge an den kommenden Gemeindeversammlungen in Aesch, Münchenstein und Arlesheim. Im Reinacher Einwohnerrat wird eine Interpellation eingereicht.

Von Jugendlichen erklärt

«Es ist unglaublich, wie sich die Jungen bei Abstimmungen übergehen lassen. Das muss sich ändern. Es ist unsere zukünftige Welt, die wir gestalten», wählt der erst 17-jährige Arlesheimer Michael Honegger deutliche Worte.

Für seinen Antrag am 26. Juni braucht er noch eine volljährige Person, die diesen für ihn einreicht. Er weiss, dass mit der Abstimmungs- und Wahlhilfe «Easyvote» nicht gleich alle stimmfaulen Jungen an die Urnen gehen.

«Aber die einfacheren und logischeren Erklärungen werden das Interesse der Jungwähler wecken.» Zwar kennt Arlesheim mit «Vimentis» eine ähnliche Form der Erleichterung, doch mit dieser ist Michael Honegger nicht ganz zufrieden.

Easyvote ist ein Projekt der Schweizer Jugendparlamente. Darin wird von engagierten Jugendlichen verständlich und neutral über nationale und kantonale Abstimmungen informiert.

Wie in der normalen Abstimmungsbroschüre gibt es allgemeine Erklärungen, Pro- und Contra-Argumente. Dazu werden wichtige Begriffe kurz definiert, was gerade bei politisch unerfahrenen Wählerinnen und Wählern sehr wichtig sein kann. «Neben der verständlicheren Art der Erklärungen hat Easyvote auch eine freundlichere Aufmachung als das normale Abstimmungsbüchlein, das bieder daherkommt und abschreckend wirkt», betont der 19-jährige Münchensteiner Yannick Frommherz, der am Donnerstag seinen Antrag an der Gemeindeversammlung einreichen wird. Es gehe bei der Stimmbeteiligung der Jungen auch darum, die Grundlage des direktdemokratischen Systems zu sichern.

Verantwortung wahrnehmen

Bereits bieten 13 Gemeinden Easyvote im Kanton Baselland an. Darunter Binningen, Liestal und Allschwil. «Sie machen damit gute Erfahrungen und erhalten auch positive Rückmeldungen», weiss der Münchensteiner Adil Koller (Juso/SP).

In Aesch wird morgen die 25-jährige Sibylle Probst den Antrag 69 einreichen. «Die Möglichkeit zur Verantwortung ab dem 18. Lebensjahr werden heute zu wenig genutzt. Es ist tragisch: Jene Generation, die von Beschlüssen am längsten betroffen sein wird, befasst sich am wenigsten damit.»

Im Reinacher Einwohnerrat wird am 30. Juni Soraya Streib (SP) einen Vorstoss einreichen. Sie fordert auch eine Abklärung der Gründe, weshalb die Stimmbeteiligung bei den Jungen sinkt. Bereits haben die Jungpolitiker die Kosten für Aesch und Münchenstein mit den Angaben der Gemeinden berechnet. Pro Jahr kostet der Versand von Easyvote-Broschüren in Aesch 3600, in Münchenstein 4500 Franken.

Die Sechsergruppe aus dem Birstal möchte sich auch künftig für mehr Interesse der Jugend an der Politik einsetzen. «Wir haben noch weitere Ideen im Kopf. Diese gehen neben dem Birstal auch in Richtung Kanton», bestätigt der Baselbieter Juso-Co-Präsident Jan Kirchmayr. «Uns geht es darum, dass alle Jungen, egal welcher politischen Einstellung, vermehrt wählen gehen», sagen sie alle zusammen.