«Liebe Basler, in Breitenbach sind auch Reiche herzlich willkommen!» – so lautet die Überschrift eines Inserats, das am Freitag in der «Basler Zeitung» zu finden war. «Tiefere Steuern für Gutverdienende und Vermögende, günstige Bauland- und Immobilienpreise, Natur pur am Jura-Nordfuss, in 29 Minuten mit dem öV am Bahnhof Basel», lobt sich die Gemeinde im Schwarzbubenland.

Auch wird im Inserat gleich vorgerechnet: Eine Familie mit zwei Kindern, 300'000 Franken steuerbarem Einkommen und 2 Millionen steuerbarem Vermögen könne pro Jahr 18'600 Franken Steuern sparen, würde sie von Basel nach Breitenbach ziehen.

«Reiche würden nicht schaden»

Hintergrund des Inserats ist die Topverdiener-Initiative, die vergangenen Sonntag in Basel-Stadt angenommen wurde. «Die Idee kam uns an der Gemeinderatssitzung vom Montag», erklärt Gemeindepräsident Dieter Künzli (FDP). «Wir sprachen über die Abstimmung und fanden es problematisch, was Basel-Stadt da macht.» Diese Meinung habe man als Gemeinderat nach aussen tragen wollen. «Gleichzeitig wollten wir Breitenbach ins Gespräch bringen», sagt Künzli. Auf Auftrag des Gemeinderats hat der Gemeindeschreiber ein Inserat gestaltet.

Der Gemeinde sei klar, dass nun nicht alle reichen Basler ihre Kisten packen und nach Breitenbach ziehen. «Wir hoffen aber, dass man sich immerhin damit auseinandersetzt und sich die Gemeinde vielleicht anschaut», sagt Künzli. Denn: «Ein paar Reiche mehr würden definitiv nicht schaden», so der Gemeindepräsident lachend. Die Gemeinde würde Interessenten die Steuerersparnisse sogar ausrechnen, so Künzli. Die Steuerkraft in Breitenbach sei relativ schwach, da es zu wenig Topverdiener in der Gemeinde gebe.

Ein weiterer Grund für das Inserat sind die Leerwohnungen. Alleine in der Überbauung Lüsselpark sind 32 Wohnungen noch nicht vermietet. Rund 30 weitere Inserate sind auf Online-Suchportalen zu finden. In der 4000-Einwohner-Gemeinde gibt es rund ein Dutzend Eigenheime zu kaufen. Platz gebe es zur Genüge, sollten sich Basels Topverdiener tatsächlich entscheiden, ins Schwarzbubenland zu ziehen.

Kein Steuerparadies

Ein Blick auf den Steuervergleich zeigt jedoch: Breitenbach ist selber auch kein Steuerparadies. Im Gemeindevergleich der Raiffeisen werden die Steuern als «hoch» eingestuft. Im Bezirk Thierstein hat die Gemeinde zwar die tiefsten Steuern, im Kanton Solothurn landet Breitenbach aber auf dem 28. Rang. Dornach etwa liegt auf dem 5. Rang – und ist mit dem öV 15 Minuten von Basel entfernt.

Trotzdem könne Breitenbach mithalten, meint Künzli. Besonders für Gutverdienende seien die Steuern in Breitenbach tief. «Unsere Gemeinde ist auch ländlicher und grüner, ausserdem ist das Bauland sehr günstig», sagt er. «Wenn ein Topverdiener aus Basel wegwill, Kinder hat und die Natur und Sport mag, ist Breitenbach eine gute Alternative», sagt Künzli. «Mit den gesparten Zinsen könne er gleich die Hypothekarzinsen zahlen.»

Mit dem Inserat will Breitenbach hauptsächlich auf sich aufmerksam machen und die Betroffenen der Basler Topverdienersteuer ansprechen. Nur: Die Beispielfamilie im Inserat ist von der Initiative gar nicht betroffen. Für verheiratete Paare bleibt bei einem Einkommen bis 400'000 Franken alles gleich. Nur für Alleinstehende gilt die neue Grenze von 200'100 Franken. «Da ist in der Eile wohl ein Fehler passiert», gibt Dieter Künzli zu. Er räumt ein: «Es musste halt alles etwas schnell gehen.»