Anfangs wirkt es wie ein Show-Effekt. Aus einem unscheinbaren Gerät entströmt weisser Rauch. Dazu gibt es Blitzeffekte, die man sonst aus der Disco kennt. Nur die Musik fehlt. Wir befinden uns nicht auf einer Tanzfläche, sondern in der Prattler Bijouterie Zufferey.

Der Inhaber, Claude Zufferey, hat Medienvertreter und Polizei zu sich geladen und führt seine neueste Errungenschaft vor. Die Vernebelungsmaschine soll künftig Einbrecher einnebeln und Diebstähle verhindert. Und in der Tat ist der Raum binnen 30 Sekunden so stark mit Rauch gefüllt, dass man kaum die Hand vor Augen sieht. «Was man nicht sieht, kann man nicht stehlen», folgert der Sicherheitsberater Adrian Späni.

Seine Firma «si Electronic» installiert bereits seit über zehn Jahren solche Anlagen in Geschäften und teilweise auch in Treppenhäusern. Zufferey hat sich gleich für beide Filialen, in Birsfelden und Pratteln eingedeckt. Im Baselbiet sind es die ersten Anlagen dieser Art.

Im April wurde in der Bijouterie Zufferey in Birsfelden mit der Rammbockmethode eingebrochen. Die Täter fuhren mit einem Fahrzeug gegen das Schaufenster und rammten die Eingangstür. Nun sah sich Zufferey veranlasst, etwas zu tun. Er ist sich sicher, dass der Einbruch vom April mit der Nebelanlage verhindert worden wäre.

Ein Juwelier aus dem Baselbiet hat eine Nebelmaschine als Einbrecherabschreckung entwickelt.

Ein Juwelier aus Pratteln hat eine Nebelmaschine als Einbrecherabschreckung entwickelt.

Schutz und Abschreckung

In der Tat verspricht die Nebelmaschine umfassenden Schutz gegen Diebe. Der Nebel nimmt jedem Einbrecher die Sicht und lässt ihn in vollkommener Orientierungslosigkeit. Zudem soll der Nebel abschreckende Wirkung zeigen. «Damit Verbrecher wissen, es lohnt sich nicht», betont Zufferey. Diese Botschaft würde sich unter Einbrechern verbreiten, ist er überzeugt.

Nebelmaschinen als Show-Effekte gibt es seit langem. Der Nebel entsteht aus einer harmlosen Zucker-Lösung und verzückt manches Konzert-Publikum. Dies ist nicht zu verwechseln mit Trockeneis, welches eine ähnliche Wirkung zeigt. Als Sicherheitssystem wurde in den USA erstmals in den 1970er-Jahren mit Nebel experimentiert. In der Schweiz sind seit 2000 mittlerweile 15 bis 20 solcher Geräte im Einsatz.

Die Firma «si Electronic» wirbt mit der Nebelmaschine als «die zurzeit effektivste Methode zur Verhinderung von Einbrüchen». Trotzdem ist die Anlage noch sehr wenig verbreitet. Laut Späni ist dies der Unwissenheit der Kunden geschuldet. Er ist sich sicher, es gebe kein effektiveres Mittel gegen Einbrüche.

Die Nebelanlage liess Zufferey auf Empfehlung der Versicherung hin installieren. Die Prämie habe sich dadurch allerdings nicht verändert, sagt er hinter vorgehaltener Hand. Es sei für ihn auch keine Frage des Geldes. Vielmehr ist er mit dem ideellen Wert seiner Steine verbunden. «Geld kann man ersetzen, solche Dinge nicht», sagt Zufferey pathetisch. Die wertvollen Einzelstücke importiert er persönlich aus Sri Lanka.

Gibt es Restzweifel?

Im Gegensatz zu einer Überwachungskamera kann die Nebelanlage hingegen effektiv Diebstähle verhindern. Die Kamera dient nachträglich nur zur Fahndung der Täter.

Es bleibt die Frage, weshalb nicht bereits flächendeckend in allen Juweliergeschäften auf diese Wunderwaffe zurückgegriffen wird. Und was wäre, wenn denn alle Geschäfte ihre Einbrecher einnebeln würden? Die Einbrüche würden sich vermutlich verlagern. Oder es könnte am Ende doch kreative Langfinger geben, die ein Mittel gegen den Nebel finden.

Fest steht, die Bijouterie Zufferey macht sich für Einbrecher erst einmal uninteressant. Und Herr Zufferey wird dank dem Nebel wieder beruhigt schlafen.