Plötzlich drückt Remo Stebler auf die Bremse des Renaults und reduziert auf Schneckentempo. Der Präsident des Vereins Depo-Nie im Quellgebiet erklärt: «So langsam werden dann die Lastwagen mit dem Aushub hier rauffahren.» Und das geschehe in den nächsten 80 Jahren rund 300-mal pro Tag, wenn es nach dem Kanton gehe. Dabei handle es sich um eine inakzeptable Zunahme der Verkehrsbelastung.

Neben Stebler im Auto sitzt der Baselbieter Kantonsplaner Martin Kolb und hört seinem Gegenüber genau zu. Kolb ist der führende Kopf hinter dem angepassten Baselbieter Richtplan, über den das Stimmvolk am 27. November entscheidet. Das Papier sieht die Errichtung von Deponien für unverschmutztes Aushubmaterial im Laufental vor. Die beiden Gebiete Stutz in Blauen und Sunnerai in Zwingen sollen mit regionalem Bauschutt aufgeschüttet werden. Wurde das bei Bauarbeiten anfallende Material bisher zu grossen Teilen ins Ausland gebracht, will man es nun in der Region entsorgen. Langjährige Evaluationen ergaben, dass die zwei Standorte am besten dafür geeignet sind.

Wald muss gerodet werden

Wir befinden uns auf der kurvigen Hauptstrasse, die von unten im Tal durch ein Waldstück ins Dörfchen Blauen führt. In der Laufentaler Gemeinde angekommen, empfängt uns ein selbst gemaltes Plakat gegen die Deponien. Es zeigt sich: In der 700-Seelen-Ortschaft ist das Vorhaben des Kantons nicht beliebt. Nach der Fahrt durch ein kleines Wohngebiet erreichen wir das Gebiet Stutz, das nahe an der Siedlungsgrenze im Wald liegt. Auf einem Weglein stehend, zeigt Deponie-Gegner Remo Stebler nach unten in ein grossflächiges Tal: «Hier sehen Sie die Grube, die mit sauberem Aushubmaterial aufgefüllt werden soll. Es ist ein beträchtliches Waldstück, in dem 22 Millionen Kubikmeter Bauschutt gelagert werden könnten.» Im angrenzenden Gebiet Sunnerai auf Zwingner Boden habe es zudem Platz für weitere 14 Millionen Kubikmeter Aushub. Um die Deponien zu errichten, müsste viel Wald gerodet werden, was natürlich schwerwiegende Auswirkungen auf Flora und Fauna habe.

Selbstverständlich müsste Wald abgeholzt werden, erklärt Kantonsplaner Martin Kolb. «Die Bäume werden aber anschliessend auf der Deponie wieder gepflanzt.» Er könne zwar den Widerstand der Blauner und der Zwingner verstehen, Sankt-Florian-Politik sei aber der falsche Weg. Der Kanton habe viel Zeit in die Suche von Deponie-Standorten investiert, und «wir sind dabei sehr sorgfältig vorgegangen». Mit gutem Schuhwerk, in warmer Jacke und einem schwarzen Hut auf dem Kopf steht er auf dem nassen Waldboden und verteidigt die Arbeit von ihm und seinen Kollegen.

Informatiker Remo Stebler, der sich in den letzten Monaten intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat, ist anderer Meinung: «Ich glaube nicht, dass der Kanton bei der Planung alle Möglichkeiten in Betracht gezogen hat.» Es wäre viel fairer und sinnvoller, mehrere kleinere Aushub-Deponien im Baselbiet anzulegen.

Gemeinden sollen entscheiden

Komme noch hinzu – und damit spricht Stebler den Hauptkritikpunkt der Gegner an –, dass durch eine Aushub-Deponie die Grundwasserschutzzone beim Standort Sunnerai verletzt würde. Laut Gesetz darf aus einem Deponiegebiet kein Trinkwasser gefördert werden. «Die beiden Quellen Bernhardsmätteli und Pfandel, die unter den Waldgebieten Stutz und Sunnerai ins Tal fliessen, wären somit nicht mehr als Trinkwasserquellen nutzbar.» Das Quellwasser-Pumpwerk Bernhardsmätteli, vor dem wir nun sind, wäre auf einen Schlag nutzlos.

Vor dem unscheinbaren Pumpwerk an der Hauptstrasse in Zwingen diskutieren Gegner Stebler und Befürworter Kolb über einen möglichen Ausgang der Abstimmung. Während sich der Kantonsplaner nicht zu einer Prognose hinreissen lässt, sieht der Vereinspräsident dem letzten Sonntag im November nicht positiv entgegen.

Auch wenn sich das Volk für den Richtplan ausspreche, sei das noch kein abschliessender Entscheid für die Deponien, so Kolb. Anschliessend müssten noch die Gemeindeversammlungen von Zwingen und Blauen den entsprechenden Zonenänderungen zustimmen. Mit Blick auf die vielen Nein-Plakate, die uns heute begegnet sind, ist davon auszugehen, dass sie das nicht tun werden.