Ein Mann läuft mit einer Axt durch Liestal und verletzt eine Frau. Ein Polizist in Zivil kann ihn entwaffnen und so Schlimmeres verhüten. Das war der bisher einzige Amoklauf in der Region. Letztes Jahr haben Amokläufe in Lörrach und Biel aufgerüttelt. Und sofort fragt man sich: Kann das hier auch passieren?

Ja, meint Myrtha Stohler, Präsidentin des Verbandes der Baselbieter Gemeinden. Es stellten sich noch tausend weitere Fragen, sagt sie. Einige Antworten erhofft sie sich von der Veranstaltung «Amokläufe. Können wir sie verhindern?», zu der ihr Verband und die Sicherheitsdirektion (SID) nach Liestal eingeladen haben.

Ringhöriges, helles Gebäude

«Es braucht Sicherheitskonzepte», betont SID-Vorsteherin Sabine Pegoraro. Ein solches besitzt die Gemeinde Reinach. Es beruht laut Thomas Sauter, Geschäftsleiter der Gemeindeverwaltung, zum einen auf Prävention. Hierzu gehört, dass das Gemeindehaus hell und transparent konzipiert worden ist. «Die offene Atmosphäre hat eine positive Wirkung auf die Bevölkerung», sagt Gemeinderat Hans-Ulrich Zumbühl. Sauter verweist zudem auf die Ringhörigkeit, die sich im Notfall als positiv erweist.

Organisatorisch ist eine gute interne Kommunikation wichtig, Mitarbeitende müssen sensibilisiert werden. Es gibt klare Verantwortlichkeiten und Anlaufstellen. Auch die Notfallorganisation gehört dazu, inklusive eines speziellen Alarmsystems, wie Sauter ausführt. Laut Zumbühl muss die Sicherheit auch geübt, weiterentwickelt und verbessert werden.

Drinnen bleiben

Sicherheitsdispositive wie in Reinach sind für den Diplompsychologen Dieter Bongers ein Muss, um das Risiko von Amokläufen klein zu halten. So gelte zum Beispiel, bei einem Amoklauf drin zu bleiben, sich in Zimmer einzuschliessen, sagt er. Eine weitere wichtige Massnahme sei eine gute Vernetzung. Wenn der einen Stelle oder Behörde jemand aufgefallen ist, sollte dies anderen mitgeteilt werden.

In Sachen Prävention plädiert Bongers dafür, eine Kultur der Gewaltlosigkeit zu fördern. Es brauche zum Beispiel offene Diskussionen, Gewalt müsse thematisiert werden. Der Psychologe weiss, dass Gewalt faszinieren kann, Beispiele seien Hooligans und Waffennarren. Er sagt, es gebe Fanclubs der beiden Amokläufer von Littleton. Er hält gewalttätige Computerspiele oder Paint Ball für bedenklich und meint, es müsste etwas gegen die gewaltvolle Sprache getan werden.

«Seid achtsam», empfiehlt Bongers. Es gebe Vorzeichen – Amokläufe würden oft von langer Hand geplant. Amokläufer fühlten sich oft von Behörden geplagt. Sie seien psychisch angeschlagen und sozial meist isoliert. Sie fühlten sich aber im Recht. Wenn jemand Drohungen ausstösst, rät Bongers dazu, die Person abklären zu lassen und allenfalls die Vormundschaftsbehörde zu informieren. Er ist auch für ein Casemanagement, das heisst, dass sich jemand des Falles annimmt.

Ein Vorschlag aus dem Publikum, solche Akten an den Kanton zu schicken, wo sie verwaltet und bei Bedarf weitergegeben würden, findet Anklang bei den SID-Vertretern. Das könnte auch das Datenschutzproblem lösen, das in der abschliessenden Fragerunde diskutiert wird.

Ob die Polizei gerufen und Strafanzeige erstattet werden soll, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Anzeigen machen Behörden darauf aufmerksam, dass da etwas war, sagt Bongers, und: «Manchmal muss man es eskalieren lassen.» Es könne Personen einen hilfreichen Dämpfer versetzen, wenn sie von der Polizei abgeholt würden, meint Markus Wittwer, Leiter Hauptabteilung Sicherheit und Ordnung. Auch Pegoraro ermutigt zu Strafanzeigen: «Sie wirken präventiv und sind ein Zeichen für Mitarbeitende, dass sich die Vorgesetzten um ihre Sicherheit kümmern.»

Bei der SID kann eine Broschüre zum Thema Amok bezogen werden. Ein Handbuch für Schulen geht im April in die Vernehmlassung.