Vor vier Jahren hatte Angela Weirich ihr damaliges Wiederwahlergebnis – 49 von 84 Stimmen – noch als Vertrauensbeweis angesehen, dass trotz einer bösartigen medialen Schlammschlacht zwei Drittel aller Landräte ihr das Vertrauen aussprechen wollten. Vier Jahre später ist das Resultat noch schlechter ausgefallen. Diesmal waren es nur 47 von 86 Stimmen, welche die Erste Staatsanwältin auf dem Weg in ihre dritte Amtszeit erhielt. 36 Landrätinnen und -räte legten leer ein (2013 waren es 32), mit 3 gleich geblieben ist die Zahl jener Respektlosen, welche einen anderen Namen oder sonst etwas auf ihren Wahlzettel geschrieben haben. Auf Antrag der SVP wurde über Weirich als einzige im gestrigen Wahlreigen in geheimer Wahl befunden.

Dieses schlechte Ergebnis ist leicht nachzuvollziehen, da nicht nur die Argumente über die Jahre gleich geblieben sind, sondern auch die Mechanismen. Der Kollektivrücktritt der beaufsichtigenden Fachkommission sorgte für den Empörungsschub im Vorfeld der diesjährigen Wiederwahl. Die vier Sitzgewinne der SVP an den Landratswahlen 2015 decken sich mit der Verschiebung zuungunsten von Weirich. Ebenso über die Jahre gleich geblieben ist, dass im Landrat vor allem über die Erste Staatsanwältin und beispielsweise das angeblich schlechte Zusammenspiel mit der Polizei geredet wird, aber nur höchst ausnahmsweise mit ihr oder mit der Polizei selbst. Für Weirich war es deshalb nach der Wiederwahl am Donnerstagvormittag ihr zentrales Anliegen, ein Gesprächsangebot an alle Kritiker im Landrat zu richten, «um im Dialog alle von der guten Arbeit der Staatsanwaltschaft zu überzeugen».

Statistiken sagen etwas anderes

Einer, der den schon oft wiederholten Vorwürfen an Weirichs Adresse nachgegangen ist, ist Grünen-Fraktionschef Klaus Kirchmayr (Aesch). Zahlen würden die Behauptung widerlegen, dass die Stawa über die Jahre Personal aufgebaut hat; ganz im Gegensatz zu anderen Kantonen, führte Kirchmayr in seinem Votum aus. Eine Nachfrage bei der Polizei würde widerlegen, dass die Stawa auf deren Kosten Ressourcen umleite; im Gegenteil sei die Zusammenarbeit mit der Polizei so gut wie schon seit Jahren nicht mehr. Die Zahl der liegen gebliebenen Fälle habe über die Jahre laufend abgebaut werden können; auch dies sei statistisch belegt. Schliesslich vertrete Angela Weirich vor Gericht wichtige Anklagen, wie die Gerichtsakten beweisen würden; sofern man sich die Mühe mache, diese anzufordern und zu lesen. Angesichts dieser Erkenntnisse forderte Kirchmayr die ewigen Weirich-Kritiker im Rat dazu auf, «endlich Fakten zu liefern», wieso die 52-jährige Juristin als Chefin der Behörde nicht mehr tragbar sein sollte.

FDP-Fraktionschef Rolf Richterich (Laufen) sah ebenso wenig einen stichhaltigen Grund, dem von der SVP wie vor vier Jahren gegen Weirich gerichteten Teilrückweisungsantrag zu folgen. CVP/BDP-Fraktionschef Felix Keller (Allschwil) auch nicht, während SP-Sprecherin Regula Meschberger (Birsfelden) diesen erneuten Angriff aufs eigene Personal als des Kantons unwürdiges Schauspiel geisselte. Folglich hatte der SVP-Antrag auf Teilrückweisung keine Chance und wurde mit 29:51 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgelehnt.

Unversöhnliche Lager

Wieso blieb dann Kirchmayrs Appell, die Wahl nicht zum «Scherbengericht über die Staatsanwaltschaft» verkommen zu lassen, ebenso ungehört wie die Aufforderung von Sicherheitsdirektor Isaac Reber, mit einem «würdigen Resultat die unschönen Auseinandersetzungen rund um die Stawa heute abzuschliessen»? Weil die Fronten im Landrat in dieser Frage verhärtet sind: Die Weirich-Kritiker und Stawa-Verteidiger trennt ein tiefer Graben. Allerdings konnte sich die SVP auch gestern nicht vom Verdacht freimachen, dass die jahrelange Unzufriedenheit mit der Leitung der Staatsanwaltschaft, so SVP-Fraktionschef Dominik Straumann, ebenso gut politisch motiviert sein könnte und im Grunde dem einzig übrig gebliebenen Linken im Regierungsrat, dem Grünen Isaac Reber gilt.

Statt Kirchmayr mit neuen Erkenntnissen zu widerlegen, zogen SVP-Kantonalpräsident Oskar Kämpfer (Therwil) und Fraktionskollege Hans-Jürgen Ringgenberg (Therwil) den Vergleich zur Privatwirtschaft, wo ein Chef mit einer solchen, in acht Jahren angesammelten Mängelliste längstens untragbar geworden wäre. Für sie, wie für die überzeugten Weirich-Gegner Rahel Bänziger (Grüne, Binningen) und GU-Landrat Jürg Wiedemann (Birsfelden) böten die Untersuchungsberichte der Fachkommission «genügend Fakten».

Den Schaden trägt nun die Erste Staatsanwältin, die sich trotz des erneut giftigen Misstrauensvotums für weitere vier Jahre im Job behaupten muss. Wenigstens kann sie so ihre Zähigkeit unter Beweis stellen. Wer nach solchen öffentlichen Anfeindungen noch immer nicht die Flinte ins Korn geworfen hat und in die lukrativere Privatwirtschaft wechselt, hat entweder einen Sprung in der Schüssel oder verfügt über eine Charakterfestigkeit, die beinahe schon übermenschlich anmutet. Zumindest die Weirich-Unterstützer tippen auf Letzteres.