Das Prattler Komitee hatte es in diesem Jahr nicht leicht, ein Sujet zu finden. So viel Ungeheuerliches spielte sich in den letzten Monaten in der Gemeinde ab – und das ist wörtlich zu verstehen.

Da war einmal die Kobra, die einen Mitarbeiter des Werkhofs angespuckt haben soll. Kobra, oder besser gesagt «The Cobra», ist auch der Kampfname von Box-Profi Arnold Gjergjaj, der vor drei Wochen in Pratteln sein eigenes Gym eröffnet hat.

Und dann ist der Gemeinderat noch immer daran, Parkplätze neu anzuordnen und den Verkehr zu beruhigen. In einem Fall liess er gleich einen ganzen Platz gelb anpinseln. «Me schlänglet sich duure»: So verknüpfte das Komitee Schlange und Parkplatz-Suche.

Frech: D'Süess-Winkel-Strizzi machten Pratteln als Appenzeller Bauern unsicher.

Frech: D'Süess-Winkel-Strizzi machten Pratteln als Appenzeller Bauern unsicher.

Die über 400 Aktiven, die bei der 51. Ausgabe der Prattler Fasnacht am Sonntagnachmittag im Dorf unterwegs waren, nahmen das Motto dankend auf.

So etwa die Dürrenmatt Tüfel, die sich auf ihrem Zeedel über den erwähnten gelben Platz zu Pratteln im Gehrenacker-Quartier ausliessen:

«D Gmein git uns wieder viel z lache
händ si doch e Landebahn
im Gehrenacker lo mache
»

Der Zufall wollte es, dass gestern auch Valentinstag war. Über diese Terminkollision freute sich ein Liebespaar, das ein Herz mit sich trug, auf dem stand:


«Valentina und Valentin
Er liebt sie – und sie liebt ihn
aber numme hüt, am 14. Hornig
ab em 15. isch wieder Ornig»
 

Neben dem speziellen Datum und der bis heute nicht mehr wieder aufgetauchten Speikobra beschäftigte auch ein anderes Tier die Aktiven: Esel Nilo.

Er plumpste mit den Hinterläufen in einen Schacht. Das war zwar schon im November 2014, doch einige Fasnächtler konnten das Bild des Tollpatsches, wie er verdutzt aus dem Loch guckt, nicht vergessen. Die gerührten Sogge Schlysser kamen darob ins Reimen:


«Dr Esel Nilo isch grettet
das isch woor
vor mehr als emene ganze Joor.
E Huffe anderi Esle gits,
i würde wette
wo mir nüme würde rette.»

Gemeint sind damit nicht nur die Oberen der Gemeinde, sondern auch Sepp Blatter. Der gesperrte Präsident des Weltfussball-Verbands Fifa beschäftigte die Dorfplatzrueche Prattele so sehr, dass sie ihre Verse gleich zweisprachig auf ihre Zeedel druckten: auf Prattlerdütsch und Walliserdiitsch. Wie verwenden zuerst die Variante, die unserer Leserschaft wohl geläufiger ist:


«Mi Mercedes muess nümm
an e Tankstell fahre
Ich tank dehei vorem Huus mi Chaare
Ha e eigeni Pipeline, das isch klar
zu mir ins Wallis direkt vo Katar»

Und hier die Walliser Übersetzung:

«Minä Mercedäs müäss nimä
an d Tankställ fahru
ich tanku minä Charru
tuheimu vorum Hischi
Han än eigunu Pipeliniu,
das isch doch klarvo miär im Wallis dirätk usum Katar.»

Den auffälligsten, da lautesten Auftritt der fast 40 Gruppierungen hatte eine Wagenclique. Die Süess-Winkel-Strizzi fuhren zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum mit Quads auf – als Appenzeller Bauern:

«Mir schlängle eus
mit Quads und Biberli,
Als Appezeller Buure, durch d Fasnacht 2016 duure.»