Es war eine beispiellose Solidaritätswelle, die die Familie Halili im Frühling 2005 in Bubendorf auslöste. Bundesbern wollte das Ehepaar mit den beiden kleinen Kindern zurück nach Kosovo schicken. Zahlreiche Bubendörfer sträubten sich dagegen, die Kirchgemeinde genehmigte ihnen Asyl. Die Behörden lenkten 2006 ein und vergaben eine Aufenthaltsbewilligung.

Über zehn Jahre später, am vergangenen 18. Mai, mussten die Halilis feststellen, dass sie in ihrer neuen Heimat doch nicht ganz so willkommen sind. Die Bürgergemeindeversammlung lehnte nämlich ihr Einbürgerungsgesuch knapp ab. «Die Argumente gegen die Einbürgerung waren rein emotional», sagt Bürgerratspräsident Roger Frey. Mit seinen Bürgerratskollegen hatte er die Einbürgerung der Kosovaren empfohlen (der jüngere Sohn hat sein Gesuch wegen Prüfungen sistiert). Die formalen Voraussetzungen wie die Wohnsitzdauer habe der Kanton bestätigt, sagt Frey. Und in Gesprächen habe sich gezeigt, dass die drei die Gepflogenheiten und die Geografie des Dorfs und der Region kennen würden.

Schüchtern oder lernfaul?

Es war das erste Mal, dass die Bubendörfer Bürgergemeindeversammlung eine Einbürgerung ablehnte. Die SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger, als Bubendörfer Gemeinderatin für Einbürgerungen zuständig, geht sonst an jede Bürgergemeindeversammlung. Am 18. Mai aber nicht, weil sie davon ausging, dass kein Traktandum zu reden gebe, auch die Einbürgerungen nicht.

Frey hingegen erwartete, dass es für die Familie «schwierig» werden könne. «Es gab im Vorfeld einige negative Stimmen», sagt er. Wer die Einbürgerung verhindern wollte, darüber will er nicht spekulieren.

Gemäss Einladung zur Bürgergemeindeversammlung arbeitet der Vater als Küchengehilfe, die Mutter als Reinigungskraft. Der Sohn macht eine Lehre als Automobilfachmann und spielt gerne Fussball. Am Wochenende fährt das Ehepaar gerne Velo und joggt.

Einigen Ortsbürgern war das nicht schweizerisch genug. «Sie warfen ihnen vor, sie würden sich nicht so verhalten, wie das ihrer Meinung nach Schweizer tun sollen», sagt Frey. Ein Vorwurf lautete etwa, die drei seien in Trainerhosen durchs Dorf gelaufen anstatt mit Jeans. Weiter wurde bemängelt, der Vater komme nicht damit zurecht, dass seine Vorgesetzte eine Frau sei. Frey lag allerdings ein Zeugnis ebendieser Vorgesetzten vor, wonach der Vater gut mit ihr auskomme. Erwähnt wurde zudem, die Familie grüsse beim Vorbeigehen nicht. An der Bürgergemeindeversammlung standen die drei Einbürgerungswilligen den Bürgern Red und Antwort. «Sie waren eher wortkarg», sagt Frey. Das hätten einige als Schüchternheit interpretiert – andere als Unwillen, Deutsch zu lernen.

Der Kuchen war schon gebacken

«Sie reden alle Deutsch», stellt Gemeindepräsident Erwin Müller klar. Sie brächten alle Voraussetzungen für eine Einbürgerung mit. «Sachlich wüsste ich nicht, was man gegen sie einwenden könnte.» Er und seine Frau hatten sich vor elf Jahren für einen Verbleib der Halilis eingesetzt. Seither sehen sie sie sporadisch und helfen ihr bei Bedarf. Müller betont aber, die Familie habe von sich aus entschieden, sich einbürgern zu lassen. Wer an der Bürgergemeindeversammlung dagegen war, darüber will auch er sich nicht äussern.

Während der Solidaritätswelle vor elf Jahren zeigte sich die Familie oft in der Öffentlichkeit, jetzt scheint sie sie zu scheuen. Vater Halili ist derzeit an seiner Arbeitsstelle krank geschrieben – ob wegen der gescheiterten Einbürgerung, sagt seine Vorgesetzte nicht. In ihrer Wohnung in Bubendorf konnte die bz die Familie gestern nicht auffinden. Ein Nachbar sagt, er habe sie noch vor wenigen Tagen gesehen.

«Sie hatten sich sehr darauf gefreut, Schweizer zu werden», sagt Gemeindepräsident Müller. Die Ablehnung sei «eine rechte Klatsche» für sie. Um die neuen Pässe gebührend zu feiern, hatte Mutter Halili vor der Bürgergemeindeversammlung Kuchen gebacken – rot mit weissen Kreuzen darauf.