Mitte Oktober treffen sich Vertreter der Gemeinde Allschwil und des für die Sanierung verantwortlichen Verbunds der Pharma- und Chemiekonzerne Novartis, BASF und Syngenta (GI DRB) zu einer Begehung vor Ort. Dies bestätigt der Allschwiler Umweltbeauftragte Andreas Dill gegenüber der bz. Dann dürfte klar werden, wie gut die Kontroll- und Sicherheitsmassnahmen wirklich sind, die den Abfluss von giftigen Substanzen in den Allschwiler Mülibach via Roemislochbach verhindern sollen.

Denn bis jetzt widersprechen sich die beiden Seiten konsequent. Während die GI DRB betont, dass der Roemislochbach bereits vor den Sanierungsarbeiten belastet war und dank der Arbeiten die Wasserqualität «wesentlich verbessert» wurde, stützt sich Allschwil auf eigene Untersuchungen. Diese ergaben, dass im Sickerwasser und im gefilterten Abflusswasser eine hohe Schadstoffbelastung herrscht (die bz berichtete).

Gegenseitige Beschuldigungen

«Die Begehung wird die Wahrheit ans Licht bringen», ist Dill überzeugt. Nur so lasse sich überprüfen, ob neben Sickerschacht, Pumpe und Aktivkohlefilter tatsächlich auch eine Folie ins Erdreich installiert wurde, die den ungewollten Abfluss verhindert. «Die französische Umweltbehörde Dreal sagt, dies im August getan zu haben, doch unsere Messungen widersprechen dem», sagt Dill.

«Selbstverständlich haben wir die Folie installiert», entgegnet Hans-Jürg Reinhart. Der Projektleiter der GI DRB vermutet eher, dass Allschwil am falschen Ort gemessen hat. Überhaupt interpretiert die GI DRB die Messresultate «völlig anders». Reinhart wird deutlich: «Allschwil hat wohl gar nicht im Detail verstanden, wie unsere Schutzmassnahmen funktionieren.» Auch er begrüsst deshalb den Augenschein, um Missverständnisse ein für alle Mal aus der Welt zu räumen. So werde ein unabhängiges Institut unter den wachsamen Augen beider Parteien neue Messungen im Roemislochbach vornehmen. Möglich machte dies Béatrice Lagarde, Sous-Préfet von Mulhouse. Sie versammelte die Parteien vergangenen Mittwoch im Rahmen der regelmässig stattfindenden Sitzung der Commission d’Informations et de Concertation in Neuwiller zur Aussprache und schlug den Augenschein vor.

Unabhängiger Experte umstritten

Glaubt man Dill, folgte Lagarde zudem dem Wunsch Allschwils und sagte zu, demnächst einen unabhängigen Experten einzusetzen, der sämtliche Sanierungsarbeiten überprüfen soll. «Das ist ein erster Schritt hin zu mehr Transparenz und Vertrauen», freut sich Dill. Ganz anders sieht dies Reinhart: «Der zusätzliche Experte ist noch nicht beschlossene Sache. Lagarde hat lediglich einen Antrag entgegengenommen.» Er halte dies auch nicht für notwendig, da es bereits genug Prüfungsstellen gebe. Und in Sachen Transparenz wisse er sich nichts vorzuwerfen.

Auch wenn die Fronten nach wie vor verhärtet scheinen, zeichnet sich ein erster Lichtblick ab: Aktuelle Messungen des Baselbieter Amts für Umweltschutz und Energie (AUE) im Mülibach zeigen bessere Werte als noch vor einem Monat. Und Reinhart vermeldet stolz, dass just gestern der Hauptaushub abgeschlossen wurde. Bis Ende Jahr soll die Sanierung beendet sein.