«Generationenprojekt», «eine ganz tolle Chance für unser Dorf», «modern und attraktiv»: Der Oberwiler Gemeinderat Christian Pestalozzi (SP) spart nicht mit lobenden Worten, wenn er «Eisweiher Plus» beschreibt, das Umgestaltungsprojekt für die Oberwiler Talsohle. Zumindest was die Fläche angeht, sind Superlative angebracht. Die Areale Eisweiher nördlich und Langmannwerk südlich der Schulanlagen am Marbach sind ungefähr sechs Fussballfelder gross. Sobald wie geplant die heutigen Sportplätze zur Entenwuhr verlegt sind, werden sie beide frei.

Selten wird in der Agglomeration an so zentraler Lage so viel Platz frei – und der Gemeinderat möchte dort eine Art zweites Dorfzentrum bauen. «Wir wollen nicht das bestehende Zentrum im Dorfkern ersetzen», sagt Gemeinderat Hanspeter Ryser (SVP). «Wir wollen es aber erweitern.»

Durchlässige Räume

Das vom Planungsbüro Cabane erstellte Leitbild für Eisweiher Plus befindet sich derzeit in der Vernehmlassung. Als «Herzstück» ist an der Spitze zwischen Marbach und Birsig ein öffentlicher Park vorgesehen, etwa 15 000 Quadratmeter gross. Die Planer reden von einem «nutzungsneutralen» Platz, Ryser schwebt dort eine Art Dorfplatz vor, für Konzerte, Märkte und Feste.

Im südlich daran angrenzenden Areal (26 500 Quadratmeter) soll ein «Mehrgenerationenquartier» entstehen, mit einem Zentrumsgebäude für medizinische und soziale Dienstleistungen. Auch die Jugend soll Flächen erhalten, etwa in Form selbstverwalteter Räume oder einer Skate-Anlage. Die Flächen zwischen den Gebäuden will man gezielt öffentlich durchlässig lassen. Das alles soll «das Quartier für ganz Oberwil attraktiv machen», heisst es im Leitbild.

Das Gebiet Langmannwerk (15 000 Quadratmeter) auf der anderen Seite der Schulen hingegen soll eine familienfreundliche Siedlung werden, mit «kleinteiligen Strukturen». Die öffentlichen Aussenräume beschränken sich auf Spielflächen. Auch stilles Gewerbe soll dort Platz finden.
Das Land gehört auf beiden Arealen der Gemeinde. Sie will es im Eisweiher im Baurecht abgeben, im Langmannwerk eher verkaufen. Die Erlöse dienen der Infrastruktur, die die Gemeinde zur Verfügung stellen muss.

Das Land wird in kleine Einheiten unterteilt, für die die Gemeinde «sorgfältig» Investoren sucht. Und möglichst lange soll der Planungsprozess unter der Kontrolle der Gemeinde stehen. Deshalb soll ein Planungsbüro im Auftrag der Gemeinde die Planung koordinieren und zum Beispiel Architekturwettbewerbe organisieren. Dieses Vorgehen soll Vielfalt garantieren, etwa punkto Altersstruktur der Bewohner und der Höhe der Mietzinse. «Wir wollen kein Laisser-faire», meint Ryser.

Die Gemeindeversammlung wird mehrmals ihr Wort zur Planung abgeben können, zuletzt zu (vermutlich zwei) Quartierplänen, bereits im kommenden März zum Leitbild.

Noch Überzeugungsarbeit nötig

Dieses ist noch abstrakt. Konkrete Details wie Gebäudehöhen und die exakte Erschliessung findet man darin nicht. Gemeinderat und Planungsbüro haben aber schon viele Ideen, das wurde an der Informationsveranstaltung für die Bevölkerung deutlich.

Die Anwohner hingegen äusserten konkrete Befürchtungen, vor allem betreffend Verkehr vor ihrer Haustüre. «Ja, wenn wir Wohnungen bauen, wird das auch einen gewissen Verkehr anziehen», räumte Gemeinderat Pestalozzi ein. Andere fragten sich, warum Oberwil wachsen müsse. «Wir könnten doch einfach nichts bauen, dann bleiben wir so, wir sind», meinte ein jüngerer Mann. Der Grundtenor unter den rund 50 Interessierten im Saal war eindeutig negativ. «Man findet immer etwas Kleines oder Grosses, um dagegen zu sein», lautete eine der wenigen positiven Stimmen. «Wichtig ist jetzt, dass wir vorwärts machen mit der Planung.»

Planer Philippe Cabane und Pestalozzi waren sich danach einig, dass man den Aspekt des Nutzens für alle mehr werde betonen müssen, um bei der Bevölkerung Wohlwollen zu schaffen.