Nicht weniger als vier Jahre dauerte er an, der Rechtsstreit zwischen dem privaten Notfall-Unternehmen Mobile Ärzte AG aus Allschwil und fünf ehemaligen Mitarbeitern. Letztere hatten, unterstützt von der Gewerkschaft Syna, wegen Verstössen gegen das Arbeitsgesetz geklagt und jeweils Nachzahlungen zwischen 30'000 und 40'000 Franken gefordert.

Wie Recherchen der bz zeigen, konnte der Rechtsstreit nun beigelegt und die fünf Einzelverfahren abgeschlossen werden. Die Mobilen Ärzte willigten in einen Vergleich ein und zahlen in jedem einzelnen Fall eine fünfstellige Summe aus. Ob sie genau der geforderten Höhe entspricht, ist unklar.

24-Stunden-Schichten ohne fixe Pause

Auf Anfrage bezeichnet die Gewerkschaft Syna das Ergebnis als Genugtuung: «Es zeigt, dass unsere Forderungen keinesfalls aus der Luft gegriffen, sondern berechtigt waren», sagt Irene Darwich. Mobile-Ärzte-Geschäftsführer und Firmengründer Michael Gloger wurde vorgeworfen, mit seinen Arbeitsbedingungen die gesetzlich erlaubten Maximalarbeitszeiten massiv zu überschreiten. Im Frühjahr 2015 bekam auch die bz Einblick in die Arbeitspläne und stellte fest, dass teilweise drei Schichten zu 36 Stunden am Stück geleistet werden mussten, auch 24-Stunden-Schichten ohne klar fixierte Pausen gab es. Dazu fehlte es teils an genügend Entschädigungen für Nachtarbeit. Auch das Baselbieter Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) hatte zahlreiche Verstösse festgestellt und Auflagen gemacht.


Gloger war gestern nicht erreichbar. Er hatte der bz aber bereits im April 2015 gesagt, dass er die Forderungen zahlen werde, sollten sie sich als gerechtfertigt herausstellen. Denn: «Wir sind keine Abzocker.» Trotzdem artete der Streit zwischen ihm und der Syna 2015 zu einer unschönen Schlammschlacht aus. Dies weil die Sendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens – gestützt auf anonyme Aussagen ehemaliger Mitarbeiter – neben den Vorwürfen zum Arbeitsgesetz auch die Patientensicherheit infrage stellte. So habe die Leitung der Mobilen Ärzte intern die Weisung herausgegeben, auch zu Patienten zu fahren, bei denen absehbar war, dass eigentlich die Sanität gerufen werden müsste. Die Syna griff diese Vorwürfe in einer Mitteilung auf und geriet so ins Fadenkreuz Glogers. Denn anders als die arbeitsrechtlichen Anschuldigungen blieben diese bis heute unbelegt. Dabei schreckte Gloger seinerseits nicht vor fragwürdigen Anschuldigungen zurück. In der «Basler Zeitung» zog er einen im «Kassensturz» anonym aufgetretenen Arzt durch den Schmutz. Später gab er in der bz zu, dass er sich in der Person geirrt habe.

Mittlerweile in acht Kantonen unterwegs

Punkto Arbeitsbedingungen hat sich seither einiges getan bei den Mobilen Ärzten. Im November 2015 teilte die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion auf Anfrage mit, dass das Kiga die Arbeitszeitkontrollen abgeschlossen habe. Es seien Anpassungen vorgenommen worden, mit welchen die Bestimmungen des Arbeitsgesetzes und dessen Verordnungen eingehalten würden. Dank des nun getroffenen Vergleichs kommt auch der Rechtsstreit zu einem versöhnlichen Ende. Die Angst, die teils geschürt wurde, die Mobilen Ärzte könnten am Image-Schaden zugrunde gehen, bewahrheitete sich nicht.

2010 von Gloger in Allschwil gegründet, gehören die Mobilen Ärzte mit ihren weissen Autos und blauem Schriftzug längst zum Alltagsbild auf den Strassen der Region: Neben den beiden Basel sind sie dank vier Aussenstellen mittlerweile auch in den Kantonen Solothurn, Aargau, Zürich, Luzern, Schwyz und Bern unterwegs. Das Geschäftsmodell reagiert auf den Schwund an Hausärzten, die Notfalldienst leisten können. Dabei machte Gloger nie ein Geheimnis daraus, viel von seinen Mitarbeitern zu fordern, dies aber auch entsprechend zu entlöhnen. Für Darwich von der Syna bleibt es aber ein Beispiel dafür, wie «sich manche Arbeitgeber um arbeitsgesetzliche Schutzbestimmungen foutieren». Dagegen werde sich die Syna weiterhin wehren.