Autobusgarage, 7.45 Uhr, Liestal: «Vergiss bitte nicht, das Kaffeewasser aufzufüllen!» So tönt es pünktlich zu Arbeitsbeginn in der Bus- und Lastwagenabstellhalle. Der 54-jährige Banker Freddy Bürgin, Verantwortlicher für die Mobile Bank der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB), bereitet mit seiner Arbeitskollegin die «fahrende Bank» für den Tag vor. Die Mobile Bank ist ein Sattelschlepper, der über einen Schalter, eine Besprechungsecke und einen Bankomaten verfügt und in den Farben der BLKB daherkommt.

Der Truck verspricht in grossen Lettern: «Es gibt Banken, die sprechen von Nähe zum Kunden. Und eine, die fährt zu ihnen.» Doch Bürgin weiss: Die Mobile Bank macht viel mehr aus – den persönlichen Kundenkontakt und die herzliche Bedienung. Dabei darf eine Tasse Kaffee, begleitet von einem kurzen Schwatz, nicht fehlen. Freddy Bürgin, den viele seiner Kunden nur Freddy nennen, strahlt. Er freut sich auf den bevorstehen Tag.

Auf dem heutigen Fahrplan stehen Augst und Läufelfingen. Die Bank auf Rädern fährt von Montag bis Donnerstag sechs Baselbieter Gemeinden ab.

8.30 Uhr, Augst: Die erste Kundin trifft ein, und das Innere des Wagens füllt sich mit einem leichten Veilchen-Duft. Alisa Selmovic* (65) möchte ihren Kontostand erfahren und 500 Franken abheben. Selmovic geht es aber nicht nur um ihren Kontostand und den Bargeldbezug. Wie immer hat sie zwei «Schoggistängeli» mitgebracht. Lächelnd tätschelt sie Bürgin auf die Schulter und sagt: «Mein Bruder.»

«Selten komplexe Bankgeschäfte»

Freddy Bürgin erläutert: «Bei der Mobilen Bank werden selten komplexe Bankgeschäfte abgewickelt.» Dabei ist die Kundschaft vielschichtig: von fünfjährigen «Kindergärtlern», denen Bürgin ihr erstes Portemonnaie oder ein «Sparkässeli» schenkt, bis hin zu älteren Semestern, die sich die Funktion des E-Banking oder ihr Smartphone mit der Bank-App erklären lassen. Für Bürgin ist klar: Die meisten Geschäfte der Mobilen Bank könnten mittels elektronischer oder telefonischer Wege abgewickelt werden. Und trotzdem ist das Bedürfnis nach persönlichem Kontakt bei vielen älteren Kunden oder solchen mit Migrationshintergrund vorhanden.

Der Grund für das Angebot der Mobilen Bank liegt rund zehn Jahre zurück. Mit der Schliessung mehrerer Bank-Filialen musste die Kundschaft immer weitere Wege auf sich nehmen, um an einen persönlich betreuten Schalter zu gelangen. «Mit der Mobilen Bank können wir in den Dörfern unserer Kundinnen und Kunden präsent sein, ohne überall eigene Niederlassungen betreiben zu müssen», sagt Yves Allemann, Senior Marketing und Vertriebsmanager bei der BLKB.

17.55 Uhr, Läufelfingen: Der letzte Kunde für diesen Tag betritt den Sattelschlepper. Der 63-jährige Ruedi Haas* hievt sich schweren Schrittes die steilen Treppen ins Lastwageninnere hoch. Ein süsslicher Geruch, unterlegt von einer Note, die nach Leder riecht, breitet sich aus. Haas kommt direkt vom Feld, wo er soeben «Gülle» ausgefahren hat. Dennoch hat er einen kleinen Umweg in Kauf genommen, um für Bürgin eine Cremeschnitte aus der Dorfbäckerei zu erstehen. Aber Zeit für einen Schwatz nach der getätigten Einzahlung hat er keine. Die Kollegen erwarten ihn im Gasthof Rosengarten. Dort gönnt er sich sein Feierabendbier und winkt Bürgin zum Abschied zu, ehe dieser vom Unteren Hauenstein in Richtung Liestal davonrollt.

* Namen geändert