Frau Gschwind, Sie möchten gerne neue Baselbieter Bildungsdirektorin werden und in der bisher von Urs Wüthrich (SP) geleiteten Direktion einen Wechsel herbeiführen. Weshalb?

Monica Gschwind: Die Bildungsdirektion ist nun seit 25 Jahren in der Hand der Sozialdemokraten und gleicht einer Grossbaustelle. Die letzte Revision des Bildungsgesetzes aus dem Jahr 2003 ist noch nicht fertig und nun kommt mit Harmos die nächste grosse Revision dazu. Es ist Zeit für einen Wechsel, da die Mehrheit von Landrat, Lehrerschaft und Direktion nicht mehr am selben Strick zieht. Besonders bei den Lehrern spüre ich grosse Unzufriedenheit. Das muss sich ändern. Ferner ist das Bildungswesen mittlerweile der grösste Kostentreiber im Kanton: Seit 2000 sind die Kosten um 40 Prozent gestiegen. Man wird nicht darum herum kommen, hier den Hebel anzusetzen. Einer der Kostentreiber ist die Sonderpädagogik: Baselland weist die höchste Quote an Sonderschülern der ganzen Schweiz aus. Mir konnte bisher niemand schlüssig erklären, warum.

Sie werden im Wahlkampf ausgerechnet von einem Grünen, dem Birsfelder Landrat Jürg Wiedemann, unterstützt. Was nützt Ihnen das?

Ich freue mich natürlich, dass er und das Komitee Starke Schule Baselland mich unterstützen. Man hat mich zum Hearing eingeladen und mich befragt. Wir haben keine 100-prozentige Übereinstimmung in bildungspolitischen Fragen, das weiss das Komitee. Ich stehe aber zu allen Aussagen und buhle keinesfalls um Unterstützung, die nur meinem Wahlkampf dienen soll.

Glauben Sie nicht, dass Ihnen ein Supporter aus dem grünen Lager bürgerliche Stimmen kosten könnte?

Wenn sich jemand mit meiner Politik nicht anfreunden kann, dann wird er mich auch dann nicht wählen, wenn er bürgerlich ist. Ich bin der Meinung, dass es auch im Wahlkampf Inhalte braucht. Ich weiss, dass ich mich mit meiner Kritik an der aktuellen Bildungsdirektion exponiere. Und ich weiss, dass das auch gefährlich sein kann und mich womöglich einige Stimmen kostet.

Welche Ansichten Wiedemanns teilen Sie nicht? Es ist der Eindruck entstanden, dass Sie vollumfänglich hinter seinen Forderungen stehen.

Die Initiative Harmos-Ausstieg habe ich nicht mitunterschrieben. Ich bin der Meinung, dass wir im Baselbiet jetzt innehalten und uns fragen sollten: Was kann man brauchen – was nicht? Erst dann kann man die Frage beantworten, ob ein Ausstieg nötig ist. Gewisse Bereiche sind mit dem Harmos-Konkordat verknüpft, andere weniger.

Wesentlicher Bestandteil der Kritik an Harmos ist der Lehrplan 21. Wie geht es damit weiter, wenn Sie die Bildungsdirektion übernehmen?

Ich würde die Vertreter sämtlicher Parteien einladen und eine Auslegeordnung vornehmen. Es kann nicht sein, dass wir den Lehrplan 21 schon auf das nächste Jahr einführen, obwohl er inhaltlich immer noch umstritten ist. Der Lehrplan 21 ist ein wichtiges Instrument, aber die Zeit eilt nicht. Das Baselbiet darf bei der Einführung des Lehrplans nicht das Versuchskaninchen spielen.

Man hat den Eindruck, dass Sie sich erst seit dem Auftritt der Starken Schule als Bildungsdirektorin positionieren.

Ich habe das Thema Bildung schon von Anfang an als wichtigstes Dossier angeschaut. Die Bisherigen sind in ihren Direktionen sattelfest – bei einer Abwahl würde viel Know-how verloren gehen. Ich muss aber auch festhalten, dass ich mich nicht erst seit August für Bildungsthemen interessiere. Ich setze mich in Hölstein seit 15 Jahren ständig mit der Entwicklung der Primarschule auseinander. Schliesslich habe ich bereits vor vier Jahren die erste Initiative des Komitees Starke Schule Baselland mitgetragen und in der Zwischenzeit weitere mitunterzeichnet.