Frau Gschwind, Baselland zahlt ab 2022 9,6 Millionen Franken pro Jahr an Basel-Stadt zur Abgeltung der Zentrumslasten. Weshalb exakt 9,6 Millionen – und nicht «nur» 8 oder aber 15 Millionen?

Monica Gschwind: Ziel der vorliegenden Lösung ist, die 17 Basler Kulturbetriebe, die mit dem heutigen Vertrag unterstützt werden, langfristig in ihrer Existenz zu sichern. Dazu war die Zusicherung nötig, dass Baselland auch künftig die Mittel zur Verfügung stellt, damit alle Institutionen in der ersten Förderperiode dieselben Mittel erhalten. Damit muss Basel-Stadt keine Kompensationszahlungen leisten.

Das heisst: Die Baselbieter Zahlungen an die Basler Kultur werden auf heutigem Niveau eingefroren. Das können Sie als Verhandlungserfolg verbuchen – aus städtischer Sicht hätte man gerne höhere Baselbieter Beiträge gesehen.

Ich bin überzeugt, dass für beide Kantone eine sehr gute und zukunftsfähige Lösung auf dem Tisch liegt. Klar ist aber auch, dass Beiträge an die städtische Kultur im Zusammenhang mit den Kantonsfinanzen und den damit verbundenen Verteilkämpfen stehen. Übrigens: Völlig eingefroren werden die Beiträge nicht. Im neuen Vertrag ist ein Teuerungsausgleich enthalten. Das Modell ist durchaus dynamisch.

Noch im Juni 2017 kündigte die Baselbieter Regierung an, die Kultur-Zahlungen an Basel auf fünf Millionen halbieren zu wollen. Nun ist alles anders. Warum dieser Sinneswandel?

Die Ausgangslage hat sich stark verändert. Die erwähnte Vereinbarung mit der Basler Regierung stand im Zeichen der 2015 beschlossenen Finanzstrategie 2016 bis 2019, die Sparmassnahmen in der Höhe von fast 200 Millionen Franken vorsah. In der Zwischenzeit hat sich die finanzielle Lage des Kantons Baselland verbessert. Allerdings wäre es falsch, nun in Euphorie zu verfallen. Was wir anstreben, ist ein moderates Ausgabenwachstum. Vor diesem Hintergrund ist das vorgestellte Ergebnis zur Kulturpartnerschaft sehr positiv zu werten.

Künftig fliessen die Beiträge nicht mehr einzeln an 17 Kulturbetriebe, sondern an den Kanton Basel-Stadt. Dieser wird das «Baselbieter Geld» an jene drei Institutionen mit den höchsten Besucherzahlen aus dem Baselbiet weitergeben. Warum?

Wir sind der Bevölkerung Rechenschaft schuldig, was mit den 9,6 Millionen Franken genau passiert. Indem dieses Geld an die drei Institutionen mit den höchsten Besucherzahlen aus dem Baselbiet ausbezahlt wird, schaffen wir ein transparentes und nachvollziehbares System. Zugrunde liegen Besucherumfragen, die alle vier Jahre erhoben werden. Bei den unterstützten Betrieben und der Beitragshöhe sind also markante Verschiebungen möglich.

Neben dem Vertrag mit Basel steckt Baselland 1,35 Millionen Franken zusätzlich in die Förderung von Betrieben und Projekten im Kanton. Welche Überlegung steckt dahinter?

Mir ist wichtig, dass wir im Baselbiet in der Kulturförderung Impulse verleihen können. Die erwähnten Beträge betreffen die zeitgenössische Kunst und Kultur in drei Bereichen. Wir übernehmen erstens zwei Institutionen aus dem Kulturvertrag – das Haus für elektronische Künste und den RFV Basel – wir erhöhen zweitens die Mittel bei den Institutionen im Kanton (etwa fürs Roxy) und stärken drittens die partnerschaftlichen und Baselbieter Förderkredite.

Parallel haben wir Strukturen geschaffen für eine einheitlichere Kulturförderung und bessere Zusammenarbeit zwischen Kanton und Gemeinden. Endlich sehen wir in einem Überblick über den Kanton, welche Institutionen es gibt und welche Förderung sie nötig haben.

Sie wollen die lebendigen Traditionen stärken. Was ist damit konkret gemeint?

Im Zusammenhang mit dem Eidgenössischen Schwingfest 2022 wollen wir Traditionen wie Jodeln, Volksmusik, Chöre und Musikvereine oder die Kunst der Trachtenschneiderei in den Mittelpunkt stellen. Der Kanton will im Juni 2019 den ersten Tag der lebendigen Traditionen durchführen.

Hier gehts also nicht um Geld, sondern darum, dass der Kanton eine Plattform bereitstellt?

Ja. Wir möchten künftig den Tag der lebendigen Traditionen jedes Jahr mit wechselndem Schwerpunkt durchführen. An diesem Tag sollen Vereine, Kulturschaffende und Vertreter der Behörden ins Gespräch kommen. Damit wird das Bewusstsein geschärft, was wir tun können, um solche Traditionen zu bewahren.