Monica Gschwind hat am Donnerstagmorgen ihren persönlichen Wahlkampf als vierte bürgerliche Regierungsratskandidatin eröffnet. Und die FDP-Gemeindepräsidentin von Hölstein lässt keinen Zweifel daran, wie sie sich positionieren will: als künftige Baselbieter Bildungsdirektorin. Natürlich sei sie «Generalistin», weil ohnehin alle Themen über ihren Gemeindepräsidenten-Tisch gehen würden. Natürlich möchte sie die Gemeindeperspektive grundsätzlich noch stärker in die Regierungsarbeit einbringen. Deshalb sei sie für alle Direktionen geeignet.

Aber gleichzeitig macht die gebürtige Luzernerin klar: Die Finanzmisere im Baselbiet lasse sich nur meistern mit «einer noch klareren bürgerlichen Mehrheit in der Regierung». Sprich: Nur wenn die Bürgerlichen noch eine weitere Direktion im Allgemeinen, und die vom abtretenden SP-Regierungsrat Urs Wüthrich seit Jahren geführte Bildungsdirektion im Speziellen, unter ihre Fittiche kriegen, lasse sich der grosse Kostentreiber «Bildung» in den Griff kriegen. Die Bildung im Baselbiet sei mittlerweile mit einer «ewigen Baustelle» zu vergleichen. Das Bildungsgesetz von 2003 sei noch nicht einmal vollständig umgesetzt, da rolle bereits die nächste Revisionswelle. Das müsse sich dringend ändern.

Harmos überprüfen

Hierfür nimmt die Mutter zweier erwachsener Töchter die beiden Reformprojekte Harmos und Lehrplan 21 ins Visier: Harmos entzweie innerhalb und ausserhalb des Landkantons viel mehr, als es die Bildungslandschaft vereinheitliche. Darum müsse Baselland Harmos nochmals «sehr genau überprüfen». Führe diese Überprüfung nicht zu den erwarteten Resultaten – woran Gschwind aufgrund ihrer Ausführungen kaum einen Zweifel lässt -, dann müsse ein «Marschhalt» eingelegt werden.

Nicht besser sieht es gemäss der FDP-Landrätin beim Lehrplan 21 aus. Dass Bildungsdirektor und Bildungsrat diesen trotz hängiger parlamentarischer Vorstösse auf Primarstufe bereits 2015/16 einführen wollen, taxiert sie als «Geringschätzung» des Landrats. Inhaltlich könne sie ohnehin recht wenig damit anfangen. Der Lehrplan 21 gebe weder konkrete Lernziele vor, noch existierten die dafür geeigneten Lehrmittel. Die Lehrerausbildung halte nicht mit der Einführung Schritt, und bei den Kompetenzen werde aus Sekundarstufe nicht zwischen den bisherigen drei Niveaus A, E und P unterschieden. Darum Monica Gschwinds Fazit: Bildungsfranken direkt in die Schüler investieren und nicht in den Verwaltungsapparat, erfolglose Reformen abbrechen.

Lässt sich nicht in die Karten blicken

Ob sie denn nicht auch finde, dass die SP als eine der stärksten beiden Parteien in der Regierung vertreten sein sollte, wird die «klassische Liberale» zum Schluss des Medienfrühstücks in der Baselbieter Kantonsbibliothek gefragt. Schliesslich gefährde ihre Kandidatur diese Vertretung, auf welche die SVP bei Thomas Webers Wahl ihrerseits so gepocht hatte. Sie möchte keine Wahlergebnisse vorwegnehmen, antwortet Gschwind, schliesslich sei es auch möglich, dass der vierte bürgerliche Sitz auf Kosten des Sicherheitsdirektors Isaac Reber gehe. Eine Kritik am Grünen-Regierungsrat unterlässt sie aber fast vollständig. Auch halte sie nichts von einem «Zick-Zack-Kurs» mit Direktionswechseln, sollten die Bürgerlichen ihre bisherige 3:2-Mehrheit behalten und im Rahmen einer Neuverteilung die Bildungsdirektion besetzen.

Noch in einem weiteren Punkt lässt sich Gschwind nicht in die Karten blicken: Wie gross ihr Budget im von der Wirtschaftskammer-Tochter IWF gemanagten Wahlkampf ist, will sie nicht verraten; ebenso wenig, ob sie sich mit eigenem Geld daran beteilige. Letztere Frage sei ihr zu persönlich. Bekannt ist nur, dass der Baselbieter Wirtschaftsrat 100'000 Franken für den gemeinsamen Wahlkampf-Topf der vier bürgerlichen Kandidaten Sabine Pegoraro (FDP), Thomas Weber (SVP), Anton Lauber (CVP, alle bisher) und Gschwind gesprochen hat.