«Dorfkirche aus dem Jahr 1698 mit ihrer spätbarocken Ausstattung», so beschreibt Wikipedia die Dorfkirche St. Peter und Paul im Allschwiler Ortskern. Der Turm soll sogar aus dem 13. Jahrhundert stammen.

Jetzt muss der Bau saniert werden, doch das wird ein finanzieller Kraftakt. Denn die Kirche gehört seit fast 150 Jahren den Christkatholiken. Diese haben sich in den 1870er-Jahren von der Römisch-katholischen Kirche abgespaltet, weil sie die Unfehlbarkeit des Papstes nicht anerkannten.

Seither bilden sie die kleinste der drei staatlich anerkannten Landeskirchen im Baselbiet. In Allschwil haben sie knapp 250 Mitglieder. Alleine können sie die Sanierung der Dorfkirche nie finanzieren, zumal das Vorhaben unter einem schlechten Stern zu stehen scheint.

Überraschend 300'000 Franken mehr

Ursprünglich bezifferte der Architekt die Sanierungskosten auf 1,1 Millionen Franken. Eine von der Kirchgemeinde eingesetzte Baukommission machte sich auf die Suche nach Einsparmöglichkeiten – und bewirkte genau das Gegenteil. Sie stellte nämlich bald fest, dass der Innenverputz nicht gereinigt, sondern ersetzt werden muss. Damit wird die Sanierung 1,4 Millionen Franken kosten.

Und einen weiteren Rückschlag musste die christkatholische Kirchgemeinde einstecken: Der Allschwiler Gemeinderat hat zwar 100 000 Franken gesprochen. Dies geschieht im Rahmen des Dorfkernreglements, das genau vorsieht, wie viel die Gemeinde für den Erhalt historischer Bausubstanz zahlt.

Die Christkatholiken hätten von der Gemeinde aber gerne das Doppelte erhalten. Sie argumentierten, sie würden die Dorfkirche und deren Vorplatz der breiten Bevölkerung zur Verfügung stellen, unabhängig von der Konfession. «Wir dachten, die Gemeinde würde uns dafür etwas zurückgeben», sagt Frei. Doch vor einem Monat verweigerte der Einwohnerrat die zusätzlichen 100 000 Franken. Man dürfe keine Organisation bevorzugen, hiess es.

Gelder aus Bern

Dazu meint Kirchenratspräsident Reno Frei: «Es ist ein Nachteil für uns, dass die Einwohnergemeinde nichts zusätzlich gibt. Es hätte dem Bund gezeigt, dass unser Projekt von der Bevölkerung getragen wird.» Aus Bern wird höchstwahrscheinlich Geld fliessen, schliesslich hat der Bund die Dorfkirche als schützenswert klassifiziert. Auch die Baselbieter Denkmalpflege dürfte etwas beitragen, allenfalls der Swisslos-Fonds. Doch wie viel aus diesen Quellen fliesst, ist noch unklar. Sicher ist: Auch mit den Beiträgen der öffentlichen Hand sind die 1,4 Millionen Franken nicht zu erreichen.

Die Christkatholiken wollen deshalb einen Spendenaufruf an die breite Bevölkerung lancieren, ebenso ans lokale Gewerbe. «Wie viel das einbringt, ist schwer einzuschätzen», sagt Kirchenratsmitglied Kathrin Gürtler.

Und nicht zuletzt sollen die Christkatholiken aus Allschwil und der ganzen Schweiz Geld geben. Erfahrungsgemäss, sagt Gürtler, würden zahlungskräftige Gemeindemitglieder namhafte Beiträge spenden. Hoffnung setzt man zudem in diverse Stiftungen.

Solidaritätsvorbild Laufen

In den 1990ern finanzierten die Allschwiler Christkatholiken Bauarbeiten mit einem Volksfest. Doch das kommt jetzt nicht mehr infrage, wie Gürtler klar macht. Denn das Fest, mit dem man vor einigen Jahren die Sanierung der Treppe stemmen wollte, lieferte eine schwarze Null. Allenfalls, sagt Frei, werde man Künstler für Benefizanlässe gewinnen können. Denn die Dorfkirche ist beliebt für Konzerte.

Trotz aller Schwierigkeiten: Gürtler und Frei sind zuversichtlich, die sanierte Kirche wie geplant an Weihnachten 2020 festlich einweihen zu können. Sie blicken dabei nach Laufen, wo 2016 das Dach der St. Katharinenkirche einzustürzen drohte. Dank viel Solidarität kriegten die 120 Laufner Christkatholiken die benötigten 1,4 Millionen Franken zusammen.

Und wenn das in Allschwil nicht klappt? Dann werden die Christkatholiken das Sanierungsprojekt reduzieren müssen, wie Gürtler und Frei einhellig sagen. Das Vorhaben aufzuschieben, sei auch keine Lösung, sagt Frei: «Im Dach sind morsche Balken. Die Sanierung ist mehr als nur ‹nice to have›.»