Die für den kommenden Herbst geplante Neuauflage der Gewerbeausstellung Münchenstein (GAM) musste vom Gewerbeverein mangels Anmeldungen abgesagt werden. Jürg Bühler, OK-Mitglied und zuständig für die Kommunikation, ist ernüchtert. Von den rund 180 Vereinsmitgliedern sind bescheidene 34 Anmeldungen eingegangen. Definitiv zu wenig, um eine Gewerbeausstellung auf die Beine stellen zu können. So bleibt die GAM-Ausgabe 2006 im Kultur- und Sportzentrum weiterhin die letzte Gewerbeschau in Münchenstein. Damals lockten 71 Aussteller die Besucher ins Kuspo.

Während das OK in Münchenstein bereits die harten Konsequenzen aus dem fehlenden Interesse der Gewerbetreibenden gezogen hat, kämpft man in Dornach noch um die Durchführung der Gewerbeausstellung GAD. Für die vom 14. bis 16. Oktober 2011 geplante Leistungsschau fehlen momentan noch rund 15 Anmeldungen, damit diese mit gutem Gewissen durchgeführt werden kann. Ob die angestrebte Teilnehmerzahl bis zum Stichdatum Ende März 2011 erreicht werden kann, ist fraglich. «Momentan haben wir erst rund 30 mündliche Zusagen», sagt OK-Präsident Johannes Cueni. Bestimmte Grundkosten für Infrastruktur und Unterhalt müssen unter den Ausstellern aufgeteilt werden.

Somit gilt die Regel: Je weniger Teilnehmer, desto höher die Kosten für die einzelnen Aussteller. Abgesehen vom steigenden Quadratmeterpreis käme die geringere Frequentierung der Festbeizen und Bars und damit verbunden das sinkende Interesse von Hauptsponsoren, die ihre Zahlungen nach den zu erwartenden Gästen berechnen, erschwerend hinzu. Rund 50 bis 60 Aussteller würde sich Cueni wünschen, ist aber wenig zuversichtlich. Optimistischer sieht Felicitas Schneider, Präsidentin des Gewerbevereins Dornach, dem Anmeldeschluss entgegen: «Ich hoffe, dass wir an unserer Generalversammlung noch weitere Gewerbler überzeugen können.»

Regionale Kooperation?

Um noch weitere Aussteller zu gewinnen, könnte sich Johannes Cueni vorstellen, dass bis zu einem Drittel der Teilnehmenden von benachbarten Gewerbevereinen in Solothurn mitmachen könnten. Auch Jürg Bühler aus Münchenstein sieht in einer Kooperation der regionalen Gewerbevereine mit dem Ziel einer gemeinsamen Ausstellung durchaus einen gangbaren Weg. «Das müsste wirklich einmal regional angegangen werden. Doch ich sehe Widerstände wegen des ‹Gärtchendenkens› auf uns zukommen», relativiert Bühler.

Tatsächlich stösst die Idee einer «Gewerbeausstellung Birseck» in den Nachbargemeinden auf vorsichtige Zurückhaltung. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine regionale Gewerbeausstellung in gleichem Masse Publikum anzieht wie eine lokale», glaubt Valentin Hänggi, Präsident des Arlesheimer Gewerbe- und Industrievereins (AGIV). Falls ein gutes Konzept vorliege, würde der AGIV, der im nächsten Jahr wieder einen Gewerbetag organisiert, die Idee sicherlich diskutieren.

Arlesheim, Reinach, Aesch

Zumindest Gesprächsbereitschaft – aber auch nicht mehr – signalisiert Reinach. «Es wäre an und für sich sinnvoll, Synergien für eine grosse regionale Ausstellung zu nutzen», sagt Ute Gasser, Präsidentin von KMU Reinach. «Falls entsprechende Pläne bestehen, sind wir sicherlich bereit, darüber zu diskutieren.» Der Gewerbeverein der grössten Birsecker Gemeinde kennt die Rekrutierungsprobleme von Münchenstein und Dornach nicht. Mit rund 150 Ausstellern gehörte die AGIR 2007 zu den grössten überhaupt im Baselland. Für die anstehende Leistungsschau im kommenden Jahr ist nicht mit einem Einbruch der Anmeldungen zu rechnen.

Ebenfalls für 2012 ist die nächste Gewerbeausstellung in Aesch (IGEA) anberaumt. Roland Hohl, Präsident des lokalen Gewerbe- und Industrievereins, sieht in der Gleichzeitigkeit mit Reinach kein Problem: «Gewerbeausstellungen in Aesch sind immer auch ein Volksfest für alle. Da Aesch alle vier Jahre und Reinach alle fünf Jahre eine Ausstellung organisieren, kommt es alle 20 Jahre zu einer Überschneidung. Beide Ausstellungen sind aber so beliebt, dass dies dem Besucherandrang keinen Abbruch tut.» Aus diesem Grund sieht Hohl keinen Anlass für eine grosse Ausstellung im Birseck. Er könnte sich aber durchaus vorstellen, dass sich auswärtige Aussteller an «fremden» Gewerbeausstellungen präsentieren könnten.