Die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) hat gestern etwas mehr als die Hälfte ihrer Aktien des französischen Energieunternehmens Direct Energie für 90 Millionen Franken verkauft. Damit reduziere sich die Beteiligung der EBM an Direct Energie auf 4,6 Prozent, teilt sie mit.

Direct Energie ist 2003 gegründet worden und sei heute das drittgrösste Unternehmen im französischen Strom- und Gasgeschäft. Die Firma biete in Frankreich und Belgien über 2,5 Millionen Kunden Elektrizität und Gas sowie Dienstleistungen an und erwirtschafte einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro. Bis Direct Energie im Herbst den Alternativenergie-Produzenten Quadran übernahm, war das Unternehmen vor allem ein Energiehändler mit «viel Know-how im Bereich Marketing», berichtet EBM-CEO Conrad Ammann. Deswegen hatte sich die EBM 2008 im Zusammenhang mit der französischen Marktliberalisierung an Direct Energie beteiligt, denn die EBM – seit gut 100 Jahren im Elsass tätig – wollte die Marktöffnung mit einem national etablierten Player im Rücken angehen.

Wachstum nicht mitgemacht

Der ursprüngliche Anteil von 13 Prozent sei durch das rapide Wachstum von Direct Energie, das jeweils durch Kapitalerhöhungen finanziert wurde, an denen sich die EBM nicht beteiligte, auf unter 10 Prozent gesunken. Dies entspreche nicht mehr dem Charakter einer strategischen Beteiligung. Deshalb habe man sei einiger Zeit darüber diskutiert, den Aktienanteil der EBM an Direct Energie zu reduzieren.

Gemäss den bei «Finanz und Wirtschaft» abrufbaren Marktdaten ist die Direct-Energie-Aktie seit Jahresbeginn um rund 12,5 Prozent gestiegen, innert Jahresfrist sogar um 20,4 Prozent. Doch seit dem Höchstkurs im von 56 Euro im vergangenen Sommer ist sie bis gestern auf 37,30 Euro gefallen.

Allein gestern verlor sie über 7 Prozent, wozu das grosse von der EBM auf den Markt geworfene Volumen beigetragen hat. Dabei haben der Hauptaktionär und der CEO von Direct Energie selbst für 10 Millionen Euro Aktien gekauft. Amman wertet dies als «starkes Signal des Vertrauens, dass Direct Energie weiteres Wachstumspotenzial hat». Die EBM bleibe Direct Energie weiterhin «freundschaftlich verbunden».

Dass EBM ihren Anteil nicht auf dem Kurs-Höhepunkt im Sommer verkaufte, hänge mit den vertraglichen Bindungen als strategischer Schlüsselaktionär zusammen. Ein Aktienverkauf in dieser Grössenordnung müsse durch Absprache mit den anderen Hauptaktionären in Ruhe vorbereitet werden.

Bisher erhielt die EBM aus den Direct-Energie-Aktien eine Dividende von jährlich rund 800'000 Euro, was sich in Zukunft halbiert. Dem stehen die 90 Millionen Franken aus dem Verkaufserlös entgegen, welche die EBM für die «Optimierung ihrer Finanzierungsstruktur» einsetzen will. Sie ist in den letzten Jahren unter anderem durch den Kauf der Avag im Raum
Olten im Inland stark gewachsen.