Gebannt verfolgten die Baselbieter Grünen am Wochenende die Zürcher Wahlen – und mussten ernüchtert feststellen, dass sich die Ereignisse zwei Monate nach den Wahlen im Heimkanton eins zu eins wiederholten: Der Wähleranteil der Zürcher Grünen stürzte am Sonntag um satte 3,4 Prozentpunkte ab; am 8. Februar waren es im Baselbiet 4,1 Prozentpunkte gewesen. Am 29. März tauchten die Grünen ferner im Kanton Luzern. Auch abgesehen von den Grünen liegen die Zürcher Ergebnisse nahe bei jenen im Baselbiet. Das bedeutet grob: starke Gewinne für die FDP, Verluste für die neue Mitte GLP/ BDP. CVP und SP können ihre Anteile halten. Nur bei der SVP divergieren die Ergebnisse: Ein sattes Plus im Baselbiet steht einer Stagnation in Zürich gegenüber.

Die Schlappe der Baselbieter Grünen war also kein Ausrutscher, wie Nationalrätin Maya Graf auf Anfrage indirekt bestätigt: Die Grosswetterlage begünstige die Grünen nicht, die Ökonomie rangiere vor der Ökologie. «Kommt Krisenstimmung auf, dann liegen offenbar vielen Wählerinnen und Wählern bürgerlich-konservative Rezepte näher.» Hier gelte es im bevorstehenden nationalen Wahlkampf anzusetzen.

«Wir sind nicht die Feuerwehr»

Bei Kantonalpräsidentin Florence Brenzikofer herrscht Alarmstimmung: «Das Zürcher Resultat hat nochmals verdeutlicht, dass wir im Wahlkampf der Nationalratswahlen alles in die Waagschale werfen müssen, um den Sitz von Maya Graf zu retten». Ein Anfang sei mit der «stärksten Nationalrats-Siebnerliste der Grünen aller Zeiten» gemacht. Zentral sei, dass die Grünen im Herbst ihre Wähler mobilisieren könnten. Über die Hälfte der am 8. Februar verlorenen Stimmen sind nicht zu einer anderen Partei, sondern ins Lager der Nicht-Wähler gewandert. Das ist im Hinblick auf den 18. Oktober auch eine Chance, zumal die Wahlbeteiligung bei nationalen Wahlen im Baselbiet höher liegt als bei kantonalen. «Eine hohe Wahlbeteiligung hilft uns Grünen», sagt Maya Graf.

Inhaltlich müssten die Grünen noch besser aufzeigen, weshalb grüne Lösungen für die bestehenden Probleme angebracht seien, sagt Graf. Parteipräsidentin Brenzikofer nennt ein Beispiel: In Zeiten der Frankenstärke brauche es die Energiewende und die grüne Wirtschaft erst recht. «Schliesslich schaffen sie Tausende von neuen Arbeitsplätzen in unserem Land», fügt Brenzikofer an. Maya Graf findet, dass die Grünen «unbeirrt» an diesen Themen weiterarbeiten sollten. «Wir sind nicht bloss die Feuerwehr, die man ruft, wenn gerade eine Umweltkatastrophe passiert ist.»

Baselbieter FDP im Hoch

Diametral entgegengesetzt ist die Gefühlslage derzeit bei den Freisinnigen: Nach 3,8 Prozentpunkten am 8. Februar im Baselbiet konnten sie am Wochenende in Zürich gar um 4,4 Prozentpunkte zulegen. Wie schon Maya Graf verweist auch Rolf Richterich, FDP-Fraktionschef im Landrat, auf die politische Grosswetterlage: «Die nationale Politik ist publikumswirksamer und aus Sicht der Wähler transparenter.» Der nationale Zeitgeist sei deshalb auch bei kantonalen Wahlen entscheidend. Richterich erklärt sich die Gewinne der FDP so: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie der aktuellen vertraue der Wähler auf bewährte Kräfte. Das aktuelle Problem der kleinen und neuen Parteien sei, dass ihr Image in der Öffentlichkeit nicht gefestigt sei.

Für FDP-Präsidentin Christine Frey ist die Zusammenarbeit im bürgerlichen Lager einer der Gründe für die jüngsten Erfolge bei kantonalen Wahlen. Eine Zusammenarbeit, die über wahlstrategische Bündnisse hinausgehe. Die Forderung des früheren Parteipräsidenten Franz Steinegger, die FDP müsse sich nach den Gewinnen in Baselland, Luzern und Zürich nun von der SVP abgrenzen, kann Frey nicht nachvollziehen: «Wir politisieren inhaltlich eigenständig genug, daher müssen wir uns auch nicht künstlich distanzieren.» Mit ähnlich gesinnten Parteien arbeite man konsens- und lösungsorientiert zusammen. «Das haben die Wähler offensichtlich goutiert», folgert Frey.