Auch Sabine Pegoraro, die höchste Baselbieter Berufspendlerin, steckt regelmässig im Stau. Pech für die frustrierte Laufentaler Verkehrslobby ist, dass die Baudirektorin auf der Heimfahrt von Liestal nach Pfeffingen schon vor dem Angensteiner Nadelöhr abbiegt. Sonst würde sie nicht nach der geplatzten Vignettenpreiserhöhung nur die Umfahrung Liestal, den Anschluss Aesch und die Entlastung Allschwil zu den drei nächsten kantonalen Top-Strassenprojekten ernennen. So begibt sich Pegoraro (trotz Dauerstau) mit Vollgas auf Crash-Kurs zum Laufental. Dieses fordert schon seit Jahrzehnten die Umfahrung Zwingen und den Muggenberg-Tunnel und sieht mit der gescheiterten Kantonsstrassenübernahme durch den Bund alle Hoffnungen auf Verflüssigung der täglichen Blechlawinen am Eggflue begraben.

Das mit Pfeffingen ist natürlich nur eine böswillige Unterstellung. Die Logik gebietet, dass die Baudirektion zuerst die Engpässe mit den grössten Frequenzen angeht. Was nichts daran ändert, dass Pegoraros Prioritätensetzung den nächsten Aufschrei programmiert hat. Dabei kocht die Laufentaler Volksseele bereits aus einem anderen Grund. Die Heimatschützer aus der bezirkseigenen Classe politique können sich schlicht nicht damit abfinden, dass im Spital Laufen die schlecht ausgelastete Geburtsabteilung einem Ausbau der Akutgeriatrie Platz machen soll. Wie immer, wenn es um ihr Spital geht, wedeln sie beschwörend mit dem Laufentalvertrag.

Der Spitalprotest hat das Zeug zum Volksaufstand. Am Samstagnachmittag ist in Laufen eine Grosskundgebung des Komitees «Pro Geburtsstation» angesagt, die durchaus scharenweise Empörte anlocken könnte. Überrascht von dieser Protestdynamik macht das Spital Baselland das einzig Richtige: Es spielt den Ball zurück. Wenn schon die Politik ständig in die Strategieentscheide der Unternehmensleitung pfuscht, dann soll das Parlament auch die Suppe auslöffeln.

Darum ist die Spitalleitung gemäss letzten Informationen dazu bereit, die Gynäkologie in Laufen zu belassen – sofern der Landrat die gemeinwirtschaftlichen Leistungszahlungen erhöht. Wieder einmal muss also mit Steuergeld der partikularinteressengesteuerte Volkszorn besänftigt werden. Dabei läge doch der Kompromiss auf der Hand: Baut für 1,1 (also schliesslich für 2) Milliarden Franken den Muggenberg-Tunnel und die Umfahrung Zwingen, damit die schwangeren Laufentalerinnen zügig auf das Bruderholz gefahren werden können. Dann kann man auch ruhigen Gewissens die Geburtsabteilung in Laufen dicht machen und 1,4 Millionen im Jahr sparen.

Zugegeben, eine nicht ganz ernst gemeinte Idee. Aber vielleicht sollte das Laufental doch lieber etwas gelassener mit 87 künftig auswärts geborenen Babys umgehen – und dafür seine Energie dort einsetzen, wo es wirklich wichtig ist. Zum Beispiel, das schleckt keine Geiss weg, beim Stau auf Strasse und Schiene.