Heute eröffnet die neue Foyer-Ausstellung des Museum.BL «Gesichter. Ein Blick hinter die Fassade». Vom Schädelknochen bis zur kleinsten Lachfalte wird untersucht, was Gesichter aussagen, wie sie berühren und verführen, werben oder erzählen. Der künstlerisch tätige Sekundarlehrer Peter Marti und die wissenschaftlich bewanderte Biologin Ila Geigenfeind präsentieren die gemeinsam kuratierte Ausstellung.

Verheissungsvolle Fassaden

Im Foyer fallen zunächst aufgereihte Stellwände ins Auge. Der Blick hinter die Fassade ist vielversprechend. Angefangen wird bei einer Reihe verschiedener menschlicher Schädel, die ethnische und geschlechtliche Differenzen in der Gesichtsanatomie sichtbar machen. Anfassen erlaubt! Mit den Gesichtsmuskeln kommt dann «Fleisch an den Knochen», wie Geigenfeind schmunzelnd erklärt. Ein Mimik-Spiel lädt dazu ein, bestimmte Gesichtsausdrücke hinzubekommen. Und für eitle Besucher wartet eine besondere Herausforderung: eine App, die einen altern lässt. Auch Politiker grinsen in den Ausstellungsraum – jedoch in schwarz-weiss und ohne Namen oder Parteizuordnung. Mit welchem von ihnen würden Sie am liebsten fünf Stunden im Lift stecken bleiben? Humorvolle Wahlzettel laden zur Wahl der etwas anderen Kriterien ein.

Nebst einem fotografischen Kunstwerk sind auch Gesichter zu sehen, die perfekt dem Schönheitsideal entsprechen. Und den Abschluss bilden eigens in Druck gegebene, thematisch gruppierte Fotobücher. Man kann die Gesichtsausdrücke von Tieren betrachten oder die Lebensgeschichten lesen, welche alten Menschen ins Gesicht geschrieben stehen.

Kunst und Wissenschaft

In der Ausstellung wird die souverän ineinandergreifende Zusammenarbeit zwischen Marti, Geigenfeind und Gestalter Reto Kurth spürbar. Humanbiologische Fakten und künstlerische Werke sind ästhetisch ansprechend und sinnvoll präsentiert. Marti liefert mit diesem Projekt seine Abschlussarbeit im Rahmen einer museumspraktischen Ausbildung der ICOM (Schweizer Verband der Museumsfachleute) ab. Seine Faszination mit Gesichtern stammt aus seiner Lehrtätigkeit. Im dauernden Kontakt mit Menschen erfährt er täglich die wichtige Rolle von Gesichtern und Mimik in sozialer Interaktion. «Gesichter sagen so viel aus», betont er. Die Wichtigkeit eines Gesichts für die Attraktivität einer Person sei ebenfalls deutlich. Besonders in Zeiten von Selfiestick und Social Media nehme der Druck zu, einem bestimmten Aussehen zu entsprechen, ergänzt Geigenfeind.

Der kommunikative Aspekt von Gesichtern, der biologischen Ursprung hat, zeigt sich deutlich, wenn schriftliche Nachrichten mit Emojis ergänzt werden oder wenn plötzlich Tiere und sogar Gegenstände einen bestimmten Charakter erhalten, weil wir einen Gesichtsausdruck zu erkennen glauben. Die Verbindung von Kunst und Wissenschaft liefert eindrückliche Ergebnisse und schafft einen sehr persönlichen Bezug zum Thema.

Die Ausstellung ist anschaulich und interaktiv gestaltet, was zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Besonders reizvoll ist, dass die Besucher auf clevere Art mit ihren eigenen Vorurteilen und Konzepten konfrontiert werden. Geigenfeind erklärt: «Es sind kleine Appetithäppchen, die neugierig machen sollen.»