Ein Anhänger mit Heuballen war die Bühne, das Törli und die Liestaler Altstadt die Kulisse, zwei Dutzend Journalisten, Politiker und Passanten das Publikum: Um zehn Uhr startete das Komitee "Probaselbiet" den Abstimmungskampf gegen die Fusion der beiden Basel.

Drei alt Regierungsräte im Publikum

Die Protagonisten waren Musicalsänger Florian Schneider ("Das Phantom der Oper") und Adam Taubitz an der Violine. Das Duo spielte zum ersten Mal das "Rotstablied" (siehe Video-Ausschnitt). Der Refrain und die sechs Strophen besingen mit reichlich Pathos das Baselbiet und seine besonderen Bewohner ("mäng chnorzige Chnab") - und: der Text wendet sich dezidiert gegen die Fusion. Die Initiativen dazu sollen Anfang 2014 in den beiden Kantonsparlamenten zur Abstimmung gelangen.

Musical-Star Florian Schneider singt ein neues Baselbieter Lied

Musical-Star Florian Schneider singt ein neues Baselbieter Lied

Drei alt Regierungsräte konnte Oskar Kämpfer, Co-Präsident des Komitees "Pro Baselbiet" und Präsident der SVP-Baselland, präsentieren: Erich Straumann, Jörg Krähenbühl und Adrian Ballmer. Daneben waren unter anderem auch die Komitee-Mitglieder und SVP-Landräte Marco Born (Sissach) und Caroline Mall (Reinach) zugegen.

"Kultur gegen Wiedervereinigung"

Im Anschluss an die musikalische Darbietung lud das Komitee ins Hotel Engel. Dort erläuterte Kämpfer die Gründe für den Event, der unter dem etwas schwerfälligen Namen "Kultur gegen die Wiedervereinigung, gegen den Anschluss an Basel" angekündigt worden war.

"Wir wollen das Gefühl der Leute ansprechen", sagte Kämpfer. Neben Kulturellem stellte er auch in Aussicht, die Rechtsgültigkeit der Initiative nochmals zu prüfen und falls notwendig mit einem Rechtsgutachten anzufechten.

Die paritätische Verteilung von je 60 Verfassungsräten pro Kanton sei nicht angemessen, monierte der SVP-Landrat. Gemessen an seiner Bevölkerungszahl werde das Baselbiet überstimmt. "Es geht uns nicht darum, die Initiative schon im Voraus rechtlich zu bekämpfen", beschwichtige Kämpfer, "sondern darum, abzuklären, ob der Initiativtext mögliche Schwächen aufweist."

Lied soll Heimatliebe wecken

Schneider sagte, er habe das Lied nicht extra für das Komitee verfasst. "Ich wollte ursprünglich ein Liestaler Lied komponieren, etwa für den Banntag. Dann habe ich gemerkt, dass es einfach passt zu diesem Anlass."

Er habe bewusst die Emotionen ansprechen wollen, so der Sänger, der in Basel geboren wurde und heute in Eptingen lebt, weiter: "Ein Volkslied kann genau das wiederspiegeln, was sich in den Herzen von vielen Menschen im Baselbiet abspielt: Sie wollen ihre Heimat nicht aufgeben."

Schon als Schulbueb gegen Fusion

Er sehe sich in einer Tradition stehend, so Schneider weiter. Schon sein Grossvater habe als Dorfdichter von Frenkendorf die Fusion 1969 bekämpft, er selber habe damals als Schulbub Kleber verteilt.

Und Schneider wird wahrscheinlich auch nicht so rasch aufhören mit seinem Anti-Fusions-Engagement. Dazu die dramatische letzte Strophe:

Und schlot denn au mir mol my letschti Stund,
no mach mer e Bett dört im schönscht Mattegrund
und syg so guet, leg mer in my chalti Hand
der Rotstab vo Lieschtel und vo Baselland

Hier kann man das «Rotstablied» herunterladen

Melodie ist nicht neu

Die Melodie des Refrains des Rotstablieds ist übrigens so neu nicht: Sie ähnelt stark einem alten Kirchenlied zu Ehren Marias. Dieses bildet wiederum die Basis für das bekannte österreichische Weihnachtslied «Es wird schon gleich dunkel» aus dem Jahr 1884:

(Quelle: youtube.ch/BochumerAnatol)

Florian Schneiders «Rotstablied» ist von einem Kirchenlied abgekupfert