Die Hochhausgegner hatten kräftig mobilisiert und dann doch verloren. Ihr Antrag, dass Hochhäuser in Muttenz künftig noch maximal 45 Meter hoch werden dürfen, unterlag an der Gemeindeversammlung am Dienstag mit 151 zu 77 Stimmen relativ deutlich. Dies obwohl ein Grossteil der mit 270 Personen ungewöhnlich hohen Anzahl Stimmberechtigter an der Versammlung auf die Betroffenheit der Anwohner des Hagnau-Areals zurückgehen dürfte. Dafür ist momentan ein Quartierplan in Arbeit, der fünf Hochhäuser zwischen 45 und 88 Metern Höhe vorsieht.

Ausschlaggebend für viele Personen, die gegen den Antrag gestimmt hatten, dürfte gewesen sein, was Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP) zum Beginn der Debatte so ausdrückte: "Dieser Antrag hat nicht nur eine Wirkung auf das Hagnau-Areal, sondern auf das ganze Gemeindegebiet." Jeder Quartierplan – jener für die Hagnau voraussichtlich nächsten Sommer – komme vors Volk und könne dann noch immer zurückgewiesen oder abgelehnt werden. Unter anderem deshalb sei es nicht sinnvoll, ein solches «Denkverbot» zu beschliessen. Dieser Haltung schloss sich auch die Gemeindekommission mit 16 Stimmen bei drei Enthaltungen an. 

Kein Schnellschuss

Rolf Deller, der für die Antragsteller das Wort ergriff, gab zu Bedenken, dass die geplanten Hochhäuser die Lebensqualität der Anwohner beeinträchtigen würden. «Ich bitte Sie, daran zu denken, dass wir alle in der gleichen Gemeinde leben und uns die Anliegen einiger Mitbürger nicht gleichgültig sein sollten», appellierte er an die Versammlung.

Jürg Bolliger bekräftigte in seinem Votum, dass er die Bedenken und Ängste der Anwohner verstehe. «Mir geht es heute aber nicht um dieses Projekt», betonte er. Er wisse darüber auch viel zu wenig. «Darüber können wir diskutieren, wenn das Projekt auf dem Tisch liegt.» Solche grundsätzlichen Höhenbeschränkungen würden die Gemeinde in ihrem Handlungsspielraum aber viel zu stark einschränken. Deshalb appellierte er an die besorgten Anwohner: «Kommt mit einer sauberen, ausgegorenen Argumentation – und ich bin sicher, die werdet ihr finden –, wenn das Projekt vorliegt. Aber bitte macht keinen Schnellschuss und behindert damit die Entwicklung der Gemeinde.»

Bevor Planung zu weit fortschreitet

Auch Peter Issler, der die Antragsteller unterstützt hatte, gab zu: «Natürlich ist es unschön, dass diese Beschränkung nun generell gemacht werden soll.» Denn zurzeit werde in Sachen Hagnau noch geplant und der Quartierplan noch vor die Gemeindeversammlung kommen. «Aber bis dann ist vielleicht viel Arbeit investiert worden. Heute ist die Zeit, um grundsätzlich darüber zu reden.»

Dass es den Antragstellern genau nicht um Grundsätzliches gehe, beklagte Jonas Eggmann von der Gemeindekommission. «Für mich ist es enttäuschend, wenn die Antragsteller hier und in der Kommissionsberatung nur über das Hagnau-Areal reden», sagte er. «Mir wurde nie schlüssig erklärt, wieso man einer ganzen Gemeinde verbieten sollte, höher zu bauen.» Die Anwohner hätten das falsche Mittel für ein «sehr berechtigtes Anliegen» gewählt.

Ein Anwohner im Publikum konnte solche Vorwürfe nicht ganz nachvollziehen. Die vielen Mitwirkungsveranstaltungen der Gemeinde seien vorbildlich gewesen, aber dann seien keine Anliegen aus der Bevölkerung in die Planung eingeflossen. «Darum mussten wir auf diese Methode zurückgreifen», erklärte er.

Damit war Jourdan gar nicht einverstanden. Einerseits sei man sehr wohl auf Diskussionen um die Höhe eingegangen, andererseits sei man mit der Planung ja noch nicht am Ende und hätte bald wieder informiert. «Dieser Antrag war nicht das letzte Mittel, sondern der erste Schuss vor den Bug.»