Muttenz hätte sich ein architektonisches Denkmal setzen können. An der Kreuzung St. Jakobs-Strasse-Birsfelderstrasse steht nämlich an perfekt erschlossener, bestens sichtbarer Lage ein anderthalb Fussballfelder grosses Areal frei. Die Rennbahnklinik und das Möbelhaus Hubacher sind vor einigen Jahren ausgezogen; und die beiden Landeigentümer haben sich nach einigen Schwierigkeiten zusammengerauft und wollen gemeinsam die ganze Fläche beplanen.

Das wären ideale Bedingungen für die Planer, um einen grossen architektonischen Wurf zu wagen. Doch die vom Gemeinderat eingesetzte Jury erlag dieser Versuchung nicht. In einem Studienwettbewerb hat sie sich jetzt für das eher unauffällige Projekt von Kägi Schnabel Architekten entschieden.

Es sieht drei L-förmige Wohnbauten vor, die jeweils zwei unterschiedlich hohe Teile haben. Ein Riegel soll den Lärm der St. Jakobs-Strasse abschirmen, eine Hälfte davon ist acht Stockwerke hoch. Juryleiter Dani Ménard spricht zwar von «Identität für Muttenz», betont aber gleichzeitig: «Es handelt sich nicht um ein richtiges Hochhaus.» Auch Gemeinderat Thomi Jourdan relativiert die geplante Höhe. Das naheliegende Lutzert-Quartier sei mit bis zu zehn Stockwerke höher.

Rund hundert Mietwohnungen sollen insgesamt auf dem Hubacher-Areal Platz finden, von der Studenten- bis zur Familienwohnung, dazu etwas Kleingewerbe. In der Mitte ist ein grüner Platz vorgesehen. Dieser werde öffentlich zugänglich sein, versichert Jourdan.

Städtebauliche Tradition

Die Lage wäre attraktiv gewesen für Grossverteiler. «Dass wir das bewusst nicht wollten, hat nicht alle glücklich gemacht», sagt Jourdan. Das Siegerprojekt ordnet er in eine Geschichte des sorgfältigen, zurückhaltenden Städtebaus ein, der seit Jahrzehnten für hohe Lebensqualität in Muttenz sorge.

«Das Projekt hat etwas Alltägliches, es fügt sich sauber in unsere strukturierte Siedlungsplanung ein.» Das sahen offenbar auch die fünf zum Wettbewerb eingeladenen Planungsteams so. Obwohl sie freie Hand hatten, entschieden sie sich alle für eine Ausnützungsziffer von etwa 1,4 – eine Dichte, die anderen Neuüberbauungen in Muttenz entspricht.

Dem Siegerprojekt weichen soll die ehemalige Rennbahnklinik. Doch dort sind derzeit Studenten einquartiert, noch für mindestens zehn Jahre. Der Quartierplan, der jetzt erarbeitet wird, wird das ganze Areal umfassen, die Umsetzung soll in Etappen geschehen. «Wir wollen möglichst schnell mit dem Bauen anfangen», sagt Jourdan in Hinblick auf die Leerstandsquote in Muttenz, welche die tiefste der Schweiz sei. Bis 2018 soll der Quartierplan vorliegen, über den die Gemeindeversammlung befinden soll.

An einer Informationsveranstaltung kamen rund 200 Interessierte. Sie äusserten Bedenken bezüglich Verkehr und Schattenwurf. Wie die Architektur genau aussehen wird, weiss man allerdings noch nicht.