Immer wieder senkt sich die Kranschaufel in den Laderaum des Schiffs und fischt jedes Mal über zwei Tonnen rieselnde Kügelchen heraus. Drei Sorten Dünger, insgesamt 1800 Tonnen, hat die «Pecaro» aus Ludwigshafen gebracht: Rapsdünger, Polyvalent und Triophoska. Der Kran setzt auf seiner Brücke zurück und entleert seine Fracht durchs geöffnete Schiebedach in eines der zehn Silos des Lagers «Landor 1».

160 Tonnen pro Stunde, oder ein Schiff pro Tag, kann der im Muttenzer Auhafen beheimatete, grösste Düngerimporteur der Schweiz Landor so löschen. «Es ist eine logistische Herausforderung, den Dünger so zu bestellen, dass die Schiffe nicht gleichzeitig ankommen und warten und Liegegebühren in Kauf nehmen müssen», erklärt Hansueli Schaufelberger, Landor-Verkaufsleiter für die Deutschschweiz.

Vom Import bis zum Berater

150'000 der jährlich 250'000 Tonnen in der Schweizer Nahrungsproduktion verbrauchten Düngermenge laufen über diese Anlage. «Der Düngermarkt hat sich in den letzten 20 Jahren halbiert», berichtet Schaufelberger. Einerseits wird täglich Landwirtschaftsfläche «zubetoniert», andererseits geht man mit Dünger sparsamer um.

Galt früher das Motto «Im Zweifelsfall ist man mit ein bisschen mehr auf der sicheren Seite», so wird heute aufgrund von Nährstoffbilanzen und Bodenproben gezielt gedüngt. 18 der 44 Landor-Mitarbeiter besuchen deshalb als Düngerberater täglich Bauernhöfe in der ganzen Schweiz.

Das Herz der Düngerlogistik bleibt aber der Auhafen. Nachdem bereits wenige Jahre nach der Gründung Landor 1 zu klein geworden war, konnte man 1990 auf dem daneben liegende Gelände, das bis anhin dem Kohleumschlag diente, Landor 2 bauen. «Ein Jahr nach dem Schweizerhalle-Brand waren die Auflagen verschärft», erinnert sich Schaufelberger. Landor 2 sei in drei durch dicke Brandmauern abgetrennte Abschnitte aufgeteilt.

Vor allem galt es, Auffangbecken für Löschwasser für den Brandfall zu bauen. «Wir mussten die Silos gegen das vom Rhein her eindringende Grundwasser abdichten. Also können wir sie auch als Auffangbecken für Löschwasser nutzen», erklärt Schaufelberger. Und zur Explosionsgefahr ergänzt er: «Ammoniumnitrat wird heute in der Schweiz nicht mehr in einer explosionsfähigen Konzentration eingesetzt.»

Auch sonst werden die Sicherheitsvorschriften aufgrund neuer Erfahrungen laufend überarbeitet: Als im vergangenen Frühling das Förderband, das den Dünger vom Kran in die 14 Silos im Lager Landor 2 befördert, ersetzt werden musste, baute man deutlich schwerere Fundamente – eine Vorschrift, die erst nach dem Sturm Lothar erlassen wurde.

Vom Massengut zur Handelsware

Jährlich 140'000 Tonnen bezieht Landor mit über hundert Schiffen über den Rhein. Je 5000 Tonnen kommen per Blockzug oder Camion von Lieferanten, die keinen Wasseranschluss haben oder beispielsweise in Ostdeutschland zu weit ab liegen. Der Weitertransport erfolgt nur zu einem kleinen Teil per Bahn – etwa jenen Dünger, den Landor an andere Hersteller in der Schweiz liefert.

Der grösste Teil wird aber in eigenen Anlagen in 500-Kilo-Bigbags oder 50-Kilo-Plastiksäcke abgefüllt. Die rund 100 verschiedenen Produkte gehen dann auf Paletten per Camion in die Landi-Genossenschaften.

Dabei laufen auch rund 1000 Tonnen Biodünger – etwa Hühnermist, Hühnerfedern oder Rapsschrot – durch Landor im Auhafen. Der überwiegende Teil aber sind Mineraldünger für die IP-Produktion oder Hors-sol-Gemüseproduzenten: Stickstoff, Phosphor, Kali und Spurenelemente in verschiedenen Kombinationen. Spezialdünger wie etwa für Weihnachtsbäume mixt Landor auf der eigenen Mischanlage.

Der Düngereinsatz ist an die Jahreszeiten gebunden. «Mit Preiskampagnen und Einlagerungsaktionen versuchen wir, die Bauern dazu zu bewegen, den Dünger ausserhalb der Saison zu beziehen», betont Schaufelberger. Sonst wären mit den 26 Mitarbeitern im Auhafen und der vorhandenen Transportkapazität die Spitzen nicht zu bewältigen.