Da ist er also. Blaues Hawaii-Hemd, dunkle Jeans, rote Turnschuhe, Drei-Tage-Bart, die langen grauen Haare nur von der Dächlikappe gebändigt. Schon als er «Oh, hallo!» sagt, lachen einige Zuschauer in der ausverkauften Mittenza-Halle, dann die erste Gag-Salve: «Ich habe eine kleine Bitte: Sollte es einmal vorkommen, dass ihr unbedingt lachen müsst, dann wäre ich froh, wenn ihr euch umdrehen könntet, denn es geht was Übles rum.»

Er fühle sich sowieso schlecht, den ganzen Tag schon, er habe wohl was Falsches gegessen: «Für die erste Reihe könnte es also noch ganz spannend werden heute!» Allen ist klar: Das werden zwei kurze Stunden.

Seit bald vier Jahrzehnten ist Peter Weber, wie er bürgerlich heisst, als Alleinunterhalter unterwegs. «iPeach» ist sein Programm Nummer 15, Muttenz die fünfte Station auf der aktuellen Tournee, die ihn kreuz und quer durch die Deutschschweiz führt.

«So bini halt», heisst der Erstling aus dem Jahr 1980. Seither hat sich wenig verändert im «Piitsch»-Universum, erstaunlich wenig. Es scheint, als habe der Aargauer den Code gefunden, der den helvetischen Lachmuskel knackt, die ultimative «Löli»-Formel. Und wie immer bei Erfolgsrezepten wird dieses kalibriert – die Grundstruktur aber, die wird nicht angerührt. Die ist heilig.

iPeach: So sorgt Peach Weber für Lacher

iPeach: So sorgt Peach Weber für Lacher

Seit über 30 Jahren steht der Aargauer Komiker auf der Bühne und sorgt für lachende Gesichter. Nun ist er mit dem neuen Programm iPeach auf Tournee.

Ein Gag nach dem andern

Die DNA eines Peach-Weber-Abends wie am Mittwoch in Muttenz: Witze, satt aneinandergehängt, aber ohne erkennbaren thematischen Überbau. Dazwischen Lieder, bei denen sich der Sänger selbst begleitet, auf der Gitarre, mit einer Handvoll Akkorde. Abgerundet wird der Auftritt mit Gedichtblöcken – Blödelreime, vorgetragen in einem Sud aus Hoch- und Schweizerdeutsch.

Peach Weber sagte einmal in einem Interview, er checke in den ersten fünf Minuten das Publikum ab und passe dann die Gags an. Das scheint gar nicht nötig, denn Peach kennt sein Publikum und das Publikum kennt Peach: Es weiss, was es kriegt: Eine Pointe nach der anderen – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Etwa diese: Er habe eine uralte Katze, die sei letzthin gestorben. Da habe er sie beerdigen wollen, aber nicht etwa katholisch, denn sie sei «eher so Muus-lim».

Da kocht der Mittenza-Saal. Das Muttenzer Publikum unterscheidet sich kaum von jenem an einem FC-Basel-Match: Leute von 8 bis 88, nur ist der Frauenanteil ausgeglichener. Und es hat etwas mehr Familien.

Meister des Understatements

Eine Konstante im Werk des Mundartkomikers ist Selbstironie. Im jüngsten Programm gibt es besonders viele Anspielungen auf sein Alter. Weber wurde am 14. Oktober 65, erhält nun AHV, oder wie er es ausdrückt: Er sei jetzt AHV positiv, fühle sich aber gut «im Rahmen der natürlichen Verwesung». Und dann sein Gewicht und sein Aussehen, auch das zwei Evergreens: Auf «iPeach» sagt der Neu-Rentner, er sei eigentlich schlank, nur könne man das nicht sehen. Wegen all dem Fett.

Ständig wechselt er auf eine Meta-Ebene, in der er über seine eigenen Jokes sagt, dass man sie eigentlich nicht erzählen könne, die seien so schlecht. So arbeitet er geschickt mit Untertreibungen, mit dem Sich-selber-klein-Machen – und wenn dann der nächste Schenkelklopfer einschlägt, wirkt alles umso komischer.

Das Heikle, den fein gesponnenen, subtilen Humor oder gar das politische Kabarett – das alles schneidet «Piitsch» höchstens an. Dabei könnte er sicher auch anders. Das lassen seine Texte erahnen, die auch in der bz erscheinen. In seinen Kolumnen greift er gerne ernsthafte Themen auf, etwa, wenn er fordert, dass man Massenmörder wie den Norweger Anders Breivik voll zur Verantwortung ziehen müsse, statt deren Taten mit Umständen zu erklären. Und einmal sagte Peach Weber in einer TV-Sendung, Roger Köppel sei intellektuell, gerade deshalb halte er den SVP-Nationalrat für gefährlich: «Weil er nicht dumm ist».

«Ich würde auch jederzeit in einer Talk-Sendung mit  Roger Köppel diskutieren»

«Ich würde auch jederzeit in einer Talk-Sendung mit Roger Köppel diskutieren»

Ausschnitte aus Talk Täglich – Peach Weber spricht über seine Karriere und Politik.

Apropos: Peach Weber machte selber Politik: Er sass zwölf Jahre lang im Einwohnerrat von Wohlen, für seine eigene Partei, politisch nicht ortbar.

Ins Komikersegment sei er nur hineingerutscht, betont er immer wieder. Er arbeitete als Primarlehrer, erst Mitte zwanzig dann der Wechsel: Der Startpunkt war eine Talentshow in Zürich, bei der er Zweiter wurde.

Eigentlich habe man dort etwas vorsingen müssen, erinnerte sich Weber in einem Interview 2009, «aber es war mir peinlich, deshalb habe ich so viel erzählt, und es kam super an.»
Sein einziges Talent bestehe darin, «aus den kleinen Talenten das Optimum rauszuholen». Ein Optimum, das für seine Fans das Maximum an Lustig bedeutet. Für sie ist seine Show zwar ein göttliches Vergnügen, aber wohl trotzdem keine religiöse Erfahrung.
Ginge ja gar nicht, denn Gott ist nicht selbstironisch. Und Hawaii-Hemden trägt er sicher auch nicht.