Er habe eine «Neubeurteilung» vorgenommen, so begründet der Muttenzer Gemeinderat seinen Rückzug. Ende Juni hatte er nämlich beschlossen, die Eigentalstrasse zwischen der Sulzkopf-Hütte und der Kantonsgrenze zu sperren. Doch jetzt macht der Gemeinderat seien Beschluss rückgängig. Man wird also weiterhin mit dem Auto von Muttenz nach Gempen fahren dürfen.

Die offizielle Absicht hinter der Strassensperrung war, auf der engen Strasse quer durch den Wald mehr Sicherheit zu schaffen. Gemeindeverwalter Aldo Grünblatt räumt aber ein, man habe auch den zunehmenden Pendlerverkehr aus Gempen unterbinden wollen.

Doch die geplante Sperrung löste eine Welle der Kritik und drei Beschwerden an den Baselbieter Regierungsrat aus. So befürchtete die Beizerin des Restaurant Schönmatt in Gempen einen Umsatzverlust. 40 Prozent ihrer Gäste kämen über die Eigentalstrasse zu ihr, so liess sie sich in der «Schweiz am Sonntag» zitieren. Sie werde notfalls Unterschriften sammeln gegen das Vorhaben der Muttenzer. Der Gempner Gemeinderat opponierte ebenfalls und beschloss kurzerhand, die Wasserlieferungs- und Abwasserentsorgungsverträge für die Sulzkopfhütte nicht zu verlängern. Das wiederum brachte die Hüttenbesitzerin, die Bürgergemeinde Muttenz, dazu, ebenfalls gegen die Sperrung eine Beschwerde einzureichen.

Bereits politisch beschlossen

Gegen diesen geballten Widerstand sah der Muttenzer Gemeinderat keine Möglichkeit, sich rechtlich durchzusetzen. Grünblatt verweist auf einen Gerichtsentscheid aus den 1990er-Jahren. Damals sperrte Muttenz die zu jener Zeit noch existierende zweite Strassenverbindung nach Gempen. Die Gemeinde Gempen zog dies bis vor Bundesgericht weiter – und unterlag. Die Begründung lautete, es gebe ja noch die Eigentalstrasse, um von Gempen nach Muttenz zu gelangen. «Diese Begründung war uns jetzt nicht mehr bewusst», sagt Grünblatt. Nun auch noch die letzte Verbindung zu sperren, halte vor Gericht nicht stand. «Wir haben absolut kein Interesse an einem Rechtsstreit.»

Vor dem Beschluss, die Strasse zu sperren, sprach der Muttenzer Gemeinderat gar nicht erst mit seinen Gempner Kollegen. Denn eine Eigentalstrasse ohne Durchgangsverkehr ist eine beschlossene Sache, nämlich als Bestandteil des Zonenplan Landschaft, den die Gemeindeversammlung 2009 verabschiedet hat. Dass dies jetzt nicht umgesetzt wird, kommentiert Grünblatt so: «Planung und Umsetzung sind zwei verschiedene Dinge.»

Gegenüber Gempen bemüht er sich sichtlich um Deeskalation, auch was die Kappung der Wasserversorgung zur Waldhütte angeht. «Das hat nichts mit der Sperrung der Strasse zu tun», sagt er diplomatisch. «Das Verhältnis zu Gempen ist keinesfalls angespannt.» Für die Zukunft bleibt er optimistisch, wenn er sagt: «Vielleicht werden die Muttenzer und Gempner Gemeinderäte eines Tages zusammensitzen, wenn der Pendlerverkehr zugenommen hat. Es könnte auch im Interesse Gempens sein, etwas dagegen zu unternehmen.»