Im Kanton Baselland gibt es bald ein Sonderzüglein weniger: Muttenz schafft den eigenen Schulpsychologischen Dienst (SPD) ab. Der Kanton ist ab Mitte 2015 für die Problemschüler zuständig - so wie das bereits heute fast überall im Baselbiet der Fall ist. Damit spart Muttenz rund 180'000 Franken pro Jahr.

«Wir sollten dem Drängen des Kantons nicht nachgeben», sagte Edith Lüdin am Dienstag an der Gemeindeversammlung kurz vor der Abstimmung. Damit wollte die Präsidentin des Muttenzer Kindergarten- und Primarschulrats die Stimmbürger davon überzeugen, den Dienst nicht zu beerdigen. Doch es fruchtete nicht: Eine grosse Mehrheit im Mittenza-Saal entschied sich für eine Kündigung des Leistungsvereinbarung per Juli 2015. Ab diesem Datum werden sich Eltern und Schulkinder bei Problemen in der Schule an den kantonalen Dienst wenden müssen.

Die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) übernimmt aber nicht nur die Beratungen, sondern auch alle Kosten. Damit spart Muttenz 182'000 Franken pro Jahr. Gegenwärtig kostet der Dienst jährlich rund 274'000 Franken. Der Kanton beteiligte sich mit einer Pauschale von 92'000 Franken.

Angst vor Leistungsabbau

Doch die Diskussion vor der Abstimmung drehte sich nicht nur ums Geld. Vielmehr führten die Gegner der Auslagerung Ängste vor einem Leistungsabbau ins Feld. «Die Probleme in der Schule werden in Zukunft sicher nicht abnehmen», sagte Lüdin. Gegenwärtig behandelt der Muttenzer Schulpsychologe Walter Baumann auf Mandatsbasis rund 250 Fälle im Jahr, was beinahe ein Vollzeitpensum beansprucht.

«Mit dem eigenen Dienst hatten wir eine Anlaufstelle vor Ort, die unbürokratische Lösungen anbietet», weibelte Lüdin weiter. Ohne SPD würden die eingesparten Kosten einfach an anderen Stellen anfallen.

«Nicht mehr schwierige Kinder»

Gegen dieses Argument brachte Gemeinderätin Franziska Stadelmann (CVP) hervor, dass ihr von Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP) 90 bis 100 Stellenprozente zugesichert worden seien. Ausserdem plane der Kanton eine Muttenzer Zweigstelle. Gegenwärtig betreibt die BKSD Büros in Liestal, Binningen und Laufen. Marianne Burkhardt (Grüne) von der Gemeindekommission ergänzte, dass es in Muttenz «sicher nicht mehr schwierige Kinder» gebe als in anderen Gemeinden. Die Abschaffung sei vertretbar.

Als Hauptargument für die Kündigung brachte der Gemeinderat aber einen ganz anderen Grund geltend: Die fehlende rechtliche Grundlage. Das 2003 in Kraft getretene Bildungsgesetz halte fest, dass der Dienst ausschliesslich Sache des Kantons sei. Deswegen könne er nicht von Dritten erbracht werden, so der Gemeinderat. Neben Muttenz unterhält nur Allschwil eine eigene Lösung. Auch dort ist eine Auslagerung absehbar, wie die BKSD gegenüber der bz bestätigt.

Mit der Aufhebung endet eine Tradition: Seit den frühen 80er-Jahren betreibt die Gemeinde einen eigenen Schulpsychologischen Dienst. Ob die Sonderlösung mit einem besonders hohen Anteil an schwierigen Kindern zu tun hat, das konnte an der Versammlung niemand belegen.