Es war nicht so richtig viel aus ihr herauszukriegen. Manchmal warf sie einen unsicheren Blick zum Verteidiger, und er versicherte ihr jeweils, dass sie nichts sagen müsse, wenn sie sich dabei nicht wohlfühle. Und wohl fühlte sie sich am Donnerstag im Gerichtssaal offensichtlich nicht.

«Sie hat mich während der Pause gefragt, was der Unterschied zwischen einem Staatsanwalt und mir ist. Das zeigt, wie wenig sie von diesem Verfahren versteht», erklärte Verteidiger Andreas Noll.

Die Vorwürfe drehen sich nicht um Bagatellen: An einem Freitag im Mai 2014 brannte im Coop in Dornach eine Kartonschachtel eines Parfums, am selben Tag loderte es auch aus ein Abfalleimer in der Bahnhofstoilette. Praktisch gleichzeitig brannten im Migros Arlesheim Kinderkleider, in einer Boutique um die Ecke einige Schals und ebenfalls am selben Tag wurden nur wenige Meter entfernt in einem Sportgeschäft Kleider und Regale ein Raub der Flammen. Mit rund einer Million Franken war hier der Sachschaden besonders gross. Am nächsten Tag ging die Serie mit zwei Bränden im Basler Einkaufszentrum Gundelitor weiter, einen Tag später brannte in der Migrol-Tankstelle im Reinacher Kägen plötzlich eine Packung Pommes-Chips. Verletzt wurde bei allen Bränden niemand.

Videos zeigen die Frau, aber keine Brandstiftungen

Die Spur führte rasch zu der 46-jährigen Frau aus Reinach: Auf drei Videoüberwachungen war eindeutig zu erkennen, dass sie zum Zeitpunkt der Brände in den Läden zumindest anwesend war. Sie sass damals einen Tag in Untersuchungshaft und hatte gegenüber der Staatsanwaltschaft einzelne Zündeleien zugegeben, insbesondere aber jegliche Beteiligung im Basler Gundelitor bestritten. Offenbar sagte sie damals auch, sie habe die Brände nicht absichtlich gelegt. Gerichtspräsident Beat Schmidli wollte die Frau gestern auch zu diesen Äusserungen befragen, erhielt aber keine Antworten.

Der Gutachter konnte auch nicht viel sagen: Eine psychische Störung habe er bei ihr jedenfalls nicht festgestellt. Möglich wäre eine hirnorganische Störung, die Frau litt als Kleinkind an Sauerstoffmangel. Klar ist einzig eine Störung der Sprachentwicklung.

«Für sie ist es der einfachste Weg, zu allem Ja und Amen zu sagen. Deshalb können wir nicht einfach auf ihre Geständnisse aus der Voruntersuchung abstellen», warnte der Verteidiger. Es sei auf keinem der Videos zu erkennen, dass sie Feuer gelegt habe. Deshalb müsse man sie freisprechen.

Die Frau putzt für 25 Franken pro Stunde und verdient sich so ihren Lebensunterhalt. Sie kommt jeweils auf rund 2000 Franken im Monat, deshalb lebt sie auch noch zuhause bei ihren Eltern. «Es geht nicht anders», sagte sie dazu vor Gericht lachend.

Staatsanwältin Stephanie Münger beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten: Das sei vertretbar, zumal die Frau sei drei Jahren nicht mehr delinquiert habe.

Vier Monate nach den Bränden soll die Frau in Reinach ein Auto zerkratzt haben, allerdings hat hier die Staatsanwaltschaft keine sogenannte Konfrontationseinvernahme durchgeführt: Der Autobesitzer wird nun erneut vorgeladen, das Verfahren so lange sistiert. In einigen Monaten wird in einer neuen Hauptverhandlung über Schuld und Strafe entschieden.