Bad Bubendorf ohne Roland Tischhauser ist wie ein Galadiner ohne Hauptgang. Ende Jahr gibt er im «Bad», das zu den besten Drei-Sterne-Häusern der Schweiz zählt, die operative Führung ab. Nach 26-jähriger Tätigkeit wechselt Tischhauser zur Balance Familie AG, Miteigentümerin des Bubendörfer Gasthofs. Diese besitzt und betreibt einen Gastrobetrieb sowie weitere vier Hotels, darunter das Bad Ramsach, und beschäftigt insgesamt 400 Mitarbeitende. Jeder einzelne Betrieb ist ein Profitcenter.

Von der Pike auf gelernt

Roland Tischhauser wird Verwaltungsratsmitglied der AG, unterstützt künftig die Geschäftsführer der beiden Häuser im Baselbiet und nimmt strategische Aufgaben wahr. Am meisten werde er den Kontakt zu Gästen und Mitarbeitenden vermissen, blickt der in Lenzerheide aufgewachsene Tischhauser voraus. Er arbeitet gerne an der Front.

Er hat im traditionsreichen Bad Bubendorf, wo der Kanton Baselland seine Anfänge genommen hat, die klassische Karriereleiter erklommen – vom Chef de Réception im beschaulichen Landgasthof über den Betriebsassistenten bis zum Direktor. 1999 kaufte er zusammen mit Felix Suhner das Hotel-Restaurant vom legendären, inzwischen verstorbenen Bubendörfer Unternehmer Rudolf Huber, weitherum bekannt als «Bärtli-Huber». Tischhauser – er ist gelernter Konditor-Confiseur, hat später eine Kochlehre abgebrochen und Wanderjahre in Frankreich und England verbracht – hat mit Suhner die Hotelfachschule absolviert. Der Verwaltungsratspräsident der Balance Familie AG ist enger Weggefährte Roland Tischhausers.

Der 55-Jährige hat das Bad Bubendorf zum «Haus mit Herz» geformt. Als er dort einstieg, betrug der jährliche Umsatz knapp 4,5 Millionen Franken. Heute liegt dieser bei über zehn Millionen, gut ein Viertel davon bringen Seminare und Hotelbetrieb ein. Filetstück ist die Osteria Tre, das seit zehn Jahren bestehende Italien-Restaurant. Küchenchef Flavio Fermi ist hochdekorierter Koch mit Sternen des Guide Michelin und Punkten von Gault Millau. Seine Künste ziehen Leute aus der ganzen Region und aus dem benachbarten Ausland an. Auch Seminarteilnehmer essen mit Vorliebe in der Osteria.

Deren Gäste stammen aus der gehobenen Klasse. Eine Person konsumiert durchschnittlich für 150 Franken. «Von Leuten aus Bubendorf und Liestal allein könnten wir nicht leben», erklärt Roland Tischhauser und ergänzt: «Unser Hotel ist die ideale Ergänzung. So können die Restaurant-Besucher gleich noch bei uns übernachten.» Das Hotel ist an Wochentagen zu über 80 Prozent ausgelastet.

Die Idee eines mediterranen Restaurants im Bad Bubendorf wurde 2004 geboren. Damals nahm Tischhauser ein Time-out und zog sich für ein paar Wochen auf ein Weingut in der Toskana zurück. Dort liess er sich dafür inspirieren – wie immer, wenn er mit seiner Frau auf mehrtägigen Reisen ist und im Ausland in Hotels übernachtet oder in Restaurants einkehrt.

Wie viele Stunden er wöchentlich arbeite, darauf findet Roland Tischhauser nicht gleich eine Antwort: «Ich weiss es nicht. Ich zähle meine Stunden nicht, ich mache es mit Leidenschaft.» Auf Nachfrage lässt er sich dennoch genauere Angaben entlocken: bis zwölf Stunden täglich bei einer Sechs-Tage-Woche. Ist ein solches Engagement kompatibel mit dem Familienleben? «Ja, es funktioniert bestens», meint Tischhauser. Seine Frau Eveline arbeitet im Betrieb mit und ist ihm eine starke Stütze.

Der dunkelhaarige Gastro-Unternehmer sieht entspannt aus. Er scheint belastungsresistent. Und bestätigt gleich, «dass ich bei einem grossen Bankett mit viel Arbeit enorme Freude verspüre und keinen Stress». Eine Eigenschaft, die Roland Tischhauser auch nach aussen ausstrahlt. Er hat eine gewinnende Art. «Ich bin ein offener, sehr fröhlicher Mensch und fast immer guter Laune. Ein Gast will nicht zu mir kommen, um mein Jammern zu hören», betont er. Er will etwas erleben. Tischhauser ist Gastgeber, nicht Gastnehmer.

Im Bad Bubendorf, einem der grössten Gastronomiebetriebe der Nordwestschweiz, geht der FC Basel öfters ein und aus, um sich auf seine Spiele vorzubereiten. Die beiden Parteien pflegen eine enge Partnerschaft. «Einige vom Staff sind nicht mehr nur Gäste, sie sind zu meinen Freunden geworden», erzählt Roland Tischhauser nicht ohne Stolz. Neben viel Lob muss sich das «Bad»-Team manchmal auch mit negativen Reaktionen auseinandersetzen. Dies geschehe konstruktiv, versichert der smarte Gastgeber und weist darauf hin, «dass Bewertungsportale zu Hotels und Restaurants ein zentraler Punkt sind und bedeutender werden als die Sternenklassifikation». Bad Bubendorf hat mit Restaurants, Sälen, Hotel und Catering ein vielseitiges Angebot. In Ratings ist es stets vorne dabei.

Schwierige Zeit

Problematisch in der Region ist die Grenznähe zu Deutschland und Frankreich. Die Frankenstärke führte im Bubendörfer Gastrobetrieb zu Umsatzeinbussen, zuvor hatte er ein jährliches Wachstum zwischen drei und sieben Prozent verzeichnet. «Wir müssen effizienter sein und dies mit den Mitarbeiterkosten abfangen.» Das sei die grosse Herausforderung der Schweizer Hotellerie. Und das meistert Tischhauser gut, er hat die Kosten im Griff.

Die schwierigste Zeit hatte Tischhauser durchzustehen vor seiner Übernahme des Bad Bubendorf mit Felix Suhner. «Die Grossbanken wollten uns zuerst keine Kredite gewähren und spannten uns lange auf die Folter», erinnert er sich. Er befasste sich bereits mit dem Gedanken abzuspringen, als kurz vor Weihnachten 1998 Entwarnung kam. Die Geldinstitute sicherten Fremdkapital zu, um den Kauf zu realisieren. Das Bad Bubendorf war immer erfolgreich, aber damals zu hoch verschuldet, was immense Zinskosten verursachte.

Roland Tischhausers Schwäche ist laut eigener Aussage seine mangelnde Geduld. Wenn er ein Projekt im Kopf habe, müsse es relativ rasch durchgezogen werden. «Sonst werde ich ungeduldig. Deshalb werde ich nie in die Politik einsteigen können», lacht er. Der joviale Mann stellt seine Schaffenskraft auch dem Basler Hotelierverein als Vizepräsident und Baselland Tourismus als Vorstandsmitglied zur Verfügung.

«Macher und umsetzungsstark»

Der Chef von Basel Tourismus, Daniel Egloff, kennt Roland Tischhauser schon lange. «Er ist ein warmherziger, fröhlicher und positiver Gastgeber, der immer ein Lachen auf den Lippen hat», sagt Egloff. Er sei auch ein aufmerksamer Zuhörer und habe eine hohe Sozialkompetenz.

«Herr Tischhauser ist ein Macher und umsetzungsstark.» Er sei auch im Vorstand des Hoteliervereins aktiv und stets präsent. Egloff bedauert zwar Tischhausers Abgang im Bad Bubendorf, hat aber auch Verständnis, dass er eine neue Herausforderung annimmt.

Der Noch-Gastgeber des Bad Bubendorf beschäftigt 93 Mitarbeitende. Tischhauser führt direkt acht Leute. Aber es könnten sich alle Mitarbeitenden mit ihren Anliegen an ihn wenden. Seine Bürotür stehe immer offen. Er setzt alles daran, den ganzen Mitarbeiterstab auf einen Nenner zu bringen. «Wenn die Harmonie nicht stimmt, spürt das der Gast sofort», ist er sich bewusst.

Seine Mitarbeitenden hätten den grössten Anteil am Erfolg, er gebe nur das Ziel vor und habe eine Vorbildfunktion. Tischhausers Nachfolger Tamino Palm, der sich seit April im Bad Bubendorf auf seine neue Aufgabe ab Anfang 2018 vorbereitet, werde einen anderen Führungsstil einbringen.

Roland Tischhauser ist reiselustig, Weinliebhaber und frönt mit seiner Frau wöchentlich dem Tanzen. Für diese Leidenschaften wird er künftig ein wenig mehr Zeit haben. Motto des 55-Jährigen ist: «Das Gute leben.» Dies ist auch das Credo der Balance Familie AG. Bei Tischhauser verschmelzen Arbeit und Freizeit.