«Man bekommt hier das Gefühl, es handle sich um eine Glaubensfrage. Aber dem ist nicht so. Es ist vielmehr eine Einstellungsfrage.» Die Worte von Andres Linder verhallten am Ende nicht. Mit überraschend deutlicher Mehrheit erklärte die Muttenzer Gemeindeversammlung den Antrag zur Einführung einer Kunststoffsammlung für erheblich. Der Gemeinderat muss nun eine Vorlage erarbeiten, wie er den Antrag umsetzen will.

Vorbild wird wahrscheinlich Allschwil sein, wo die Gemeinde seit vier Jahren eine Kunststoffsammlung betreibt. Verantwortlich dafür war in Allschwil damals auch Andres Linder als Hauptabteilungsleiter Tiefbau- und Umwelt. Zusammen mit Peter Hartmann (Grüne) und Abfallexpertin Ursina Rüegg forderte er nun erfolgreich eine analoge Einführung in Muttenz.

Der Gemeinderat lehnte das Begehren ab. Roger Boerlin (SP) betonte mehrfach die Bedeutung und Qualität der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in Basel, zu der auch der Kehricht von Muttenz geliefert wird. Die KVA sei effizient und versorge Private und Industrie mit Strom, Wärme und Dampf, erklärte Boerlin. Bei einer Kunststoffsammlung könne nur rund 60 Prozent verwertet werden, der Rest werde von einer privaten Verbrennungsanlage ohne hohe Auflagen verbrannt.

Peter Hartmann liess das Argument der effizienten KVA Basel nicht gelten. «Tun wir wirklich etwas Gutes, wenn wir diese mit Erdöl-Produkten füttern?» Es sei nicht Aufgabe der Gemeinden, die KVA auszulasten. Für Marianne Burkhardt (Grüne) muss es sogar das Ziel sein, dass es die KVA irgendwann nicht mehr braucht. Die Initianten rechnen nach dem Vorbild Allschwil mit einer gesamten Recyclingquote von 72 Prozent, was der Glassammlung entspreche.

Der Kunststoff würde zu Granulat verwertet, der in der Industrie zum Einsatz käme. Unterstützung erhielten die Initianten von der Gemeindekommission, die mit elf gegen vier Stimmen dem Antrag zustimmte.

Hauptstrasse wird saniert

Ebenfalls am Dienstagabend entschied die GV, dass die Hauptstrasse durch das Dorf zwischen Lux Guyer-Kreisel und Dorfplatz für 4,1 Millionen Franken saniert wird. Strassenbau, Wasserleitungen und die Strassenbeleuchtung werden erneuert und die Bushaltekanten behindertengerecht gemacht. Gleich zu Beginn seiner Erläuterungen stellte Gemeinderat Joachim Hausammann (Grüne) klar, dass es sich um eine Sanierung im Bestand und nicht um eine Umgestaltung handle.

Die Bäume am Strassenrand sowie sämtliche Parkplätze bleiben erhalten. Baustart soll bereits im Mai sein. Der Gemeinderat rechnet mit einer Bauzeit von gut zwei Jahren. Die Bauarbeiten werden bei laufendem Verkehr durchgeführt. Das Geschäft war unbestritten. Knapp abgelehnt wurde ein Zusatzantrag von Peter Issler (FDP), der auf einem kurzen Abschnitt aus Sicherheitsgründen zur Fahrbahn abgewinkelte statt wie bisher Parkplätze im rechten Winkel forderte.