Nein, es sind noch keine Dankesschreiben bei der Liestaler Autobus AG (AAGL) eingegangen. Gestern haben die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) und die AAGL gemeinsam bekannt gegeben, dass sie ab 5. Februar auf der Buslinie 70 jeweils am Morgen und am Abend eine zusätzliche Fahrt vom Bahnhof Liestal in Richtung Bubendorf/Reigoldswil anbieten werden.

Die verpassten Schnellzug- und Busanschlüsse am Bahnhof Liestal im Zuge der Fahrplanumstellung vom 10. Dezember 2017 haben innert Kürze zu über hundert Reklamationen von genervten Pendlerinnen und Pendlern geführt. BUD und AAGL gerieten deswegen unter starken Druck. Mit den beiden Zusatzfahrten hoffen Kanton und öV-Unternehmen nun, dem «Grossteil der Kundenwünsche» entsprechen zu können.

Entsprechende Reaktionen stehen indes noch aus. «Die Zusatzfahrten werden ja auch erst ab 5. Februar angeboten», zeigt sich AAGL-Marketingleiter Simon Dürrenberger verständnisvoll dafür, dass die Kundschaft in der Regel mit Kritik schneller bei der Hand ist als mit Lob.

Bereits jetzt lässt sich dagegen mehr zu den Kosten dieser «punktuellen Massnahme» sagen, wie sie am Donnerstag in der Medienmitteilung bezeichnet worden ist. Dürrenberger bestätigt, dass sich der Kanton und die AAGL die Kosten im Sinne eines Kompromisses auf deren Teilung geeinigt haben. Dabei dürfte es sich um einen mittleren fünfstelligen Betrag handeln.

Kompromiss zwischen Kanton und AAGL

In einem Interview mit der bz hatte der kantonale Verkehrsplaner Dominic Wyler die jährlichen Kosten für einen zusätzlichen Bus pro Stunde auf der Linie 70, also 18 zusätzliche Fahrten pro Tag, auf «bis zu 750'000 Franken» beziffert. Dividiert auf die angekündigten beiden Zusatzfahrten ergäbe dies Mehrkosten von über 80'000 Franken im Jahr. «Das ist zu hoch», erwidert Dürrenberger; auch deshalb, weil der Zusatzkurs am Morgen vom Liestaler Bahnhof nur bis Bubendorf führen wird. Über die genauen Kosten haben Kanton und AAGL Stillschweigen vereinbart.

In einem anderen Punkt bestätigt hingegen der AAGL-Marketingchef frühere Aussagen des Baselbieter Verkehrsplaners. Eine Rückkehr zum alten Fahrplan wird es nicht geben. Ebenso wenig seien weitere unmittelbare Korrekturen geplant. Das wird insbesondere die Baselbieter SP nicht gerne hören, die seit Mittwoch Unterschriften für eine Petition zur Einführung des 20-Minuten-Taktes auf der Linie 70 sammelt. 

Mit jährlich 1,3 Millionen beförderten Personen ist die Linie 70 eine der wichtigsten Busverbindung im Baselbiet.