Es war nichts weniger als eine Drohung. Im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» emanzipierte sich Brigitte Müller-Kaderli, Präsidentin der CVP Baselland, von ihren bürgerlichen Partnern SVP und FDP und betonte das eigenständige Profil als Mittepartei. Im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen der Regierung im Frühjahr 2019 kündigte sie zwar an, wie vier Jahre zuvor eine bürgerliche Allianz anzustreben. Sie stellte aber auch klar: «Für uns ist ein bürgerliches Fünfer-Ticket mit je zwei SVP- und FDP-Kandidaten sowie Anton Lauber ausgeschlossen. Bleiben die anderen bei dieser Zielsetzung, dann sind wir weg.»

Das sass. Schliesslich hatte FDP-Präsident Paul Hofer bis jetzt immer vollmundig das Halten der zwei eigenen Regierungssitze gefordert und die SVP wurde ihrerseits nicht müde, mit Verweis auf ihren Wähleranteil von fast 30 Prozent ein zweites Mandat zu verlangen.

SVP: «CVP ist Slalom-Partei»

Die SVP ist es, der Müller-Kaderlis Ansage besonders aufstösst: «Dass die CVP derart vorprescht ist bedauerlich und erstaunt mich schon», sagt Dominik Straumann zur bz. Der SVP-Fraktionschef im Landrat nimmt in Abwesenheit von Parteipräsident Oskar Kämpfer Stellung, der im Ausland weilt. Laut Straumann hätten SVP, FDP und CVP eigentlich vereinbart, Anfang Februar zusammenzusitzen und sich auf eine Strategie für 2019 zu einigen. «Diese Drohung kann für die CVP auch zum Schuss ins eigene Knie werden», sagt er, denn so sicher sei es nicht, dass Lauber auch als Einzelkandidat genügend Stimmen hole.

Dem Fraktionschef missfällt offensichtlich das neue Selbstbewusstsein der CVP, die bei den Nationalratswahlen 2015 bloss acht Prozent machte. Die CVP mache einen Spagat, wenn sie für die Regierungs- und Ständeratswahlen mit den Bürgerlichen, für Land- und Nationalratswahlen aber mit der Mitte gehen möchte. Wobei Straumann der von der CVP umworbenen EVP, seit sie eine Fraktion mit den Grünen bildet, kaum mehr das Prädikat «Mitte» zugesteht. «Die CVP tanzt auf zwei Hochzeiten, ist letztlich eine Slalom-Partei. Auf lange Sicht geht das nicht. Sie soll sich zu einem Flügel bekennen.»

Wer nachgibt, tritt fürs Stöckli an

Zurückhaltender klingt es auf Seite der Freisinnigen. Paul Hofer sagt, er habe mit Müller-Kaderli eine kurze Aussprache gehabt: «Ich verstehe, dass jede Partei ihre Position festigen will. Das hat die CVP getan.» Der Oberwiler, der wie Müller-Kaderli erst vergangenes Jahr Parteipräsident wurde und in den eigenen Reihen selbst einigen frischen Wind verbreitet, stützt die Absage ans Fünfer-Ticket. «Ich bin erwachsen genug, um zu wissen, dass das 2019 nicht der Weg zum Erfolg sein kann.» Und er kündigt an: «Wir streben ein bürgerliches Vierer-Ticket an.»

Heisst das, die FDP überlässt ihren zweiten Regierungssitz der SVP? So weit will Hofer noch nicht gehen. Für ihn sind zwei Szenarien denkbar: Entweder die FDP oder die SVP begnügt sich 2019 mit einer Einer-Kandidatur für die Regierung, stellt dafür aber im Herbst den gemeinsamen bürgerlichen Ständeratskandidaten. «Welchen Weg wir wählen, hängt von den weiteren Gesprächen ab. Bis Ende Februar muss Klarheit bestehen.»

Hofer lässt bereits durchblicken, dass der Wähleranteil allein für ihn als Argument nicht genüge: «Die Wählbarkeit spielt auch eine sehr grosse Rolle.» Diese Verknüpfung von Regierungs- und Ständeratswahl ist für Straumann denkbar. Das heisst aber: Wie 2015 wird es nicht mehr laufen, als die SVP erst Sabine Pegoraro und Monica Gschwind unterstützte und beim Ständerat der FDP dann mit Christoph Buser auch noch den Votritt überliess. Straumann: «Im Vergleich zu vor den letzten Wahlen sind wir jetzt noch stärker. Unsere Basis verknüpft damit aber auch klare Erwartungen. Und am Ende entscheidet sie.»