Vor etwas mehr als zwei Jahren kam es in Reigoldswil zu einem bisher einmaligen Knall – zum ersten Mal barst in der Schweiz eine Erdgasleitung und hinterliess einen grösseren Krater. Dies wenige Meter unterhalb der Deponie Eichenkeller, in der nach einer kantonalen Erweiterungsbewilligung seit 2012 wieder Aushubmaterial abgelagert wurde. Seither ist das Leitungsstück des Gasverbunds Mittelland zwischen Seewen und Oberbuchsiten unterbrochen, die Deponie ist mit einem Ablagerungsstopp belegt und es wurden etliche Messungen am Hang vorgenommen. Denn klar ist, dass dieser in verstärkter Bewegung ist und den Leitungsbruch verursacht hat.

Wer hat nun welche Konsequenzen dieses trotz der immensen Wucht glimpflich abgelaufenen Unfalls zu tragen? Der Gasverbund Mittelland baut mittlerweile an einem neuen Leitungsstück, das den Rutschhang grossräumig umgeht und mehr oder weniger parallel zur wesentlich grösseren, ebenfalls über Reigoldswil führenden Leitung der Transitgas verläuft. Wegen der starken Regenfälle in der letzten Zeit ist der Gasverbund derzeit sechs Wochen in Verzug. Doch Kurt Schmidlin, Mediensprecher des Gasverbunds Mittelland, hofft trotzdem, dass die neue Leitung im Oktober in Betrieb gehen kann. Die Kosten dieses neuen, 1,5 Kilometer langen Leitungsstücks kann Schmidlin im Moment noch nicht beziffern. In Luft aufgelöst hat sich dafür der auf eine halbe Million Franken geschätzte Mehraufwand für Umleitung und Abbestellung des Erdgases. Dies dank positiv verlaufenen Verhandlungen mit den Vorlieferanten, wie Schmidlin sagt. Und auf eine entsprechende Frage fügt er bei: «Wir stellen keine Regressforderungen, sondern wollen die Kostenfrage im gegenseitigen Einvernehmen diskutieren und weiterhin mit allen Frieden halten.» Grund dafür sei, dass der Leitungsbruch Folge «eines Naturereignisses» sei.

Zukunft der Deponie bald klar

Kosten von über 100'000 Franken haben auch die beiden Eigentümer der Deponie, die Bürgergemeinde Reigoldswil und ein Landwirt, zu tragen. Dies für wiederholte Messungen des sogenannten Hangkriechens. Erste Messungen kurz nach dem Leitungsbruch haben ergeben, dass sich der Hang seit 2013 um acht bis zehn Zentimeter pro Jahr bewegt, während es früher ein Zentimeter war. In den nächsten Wochen steht nun die Messung an, die für die Zukunft der Deponie entscheidend ist: Die beiden beauftragten Ingenieurbüros werden nochmals an insgesamt 100 Messpunkten von der Oberfläche bis zu einer Tiefe von knapp 30 Metern die Bewegung des Hangs eruieren.

Sobald die Resultate dieser neusten Messrunde vorliegen, wollen die beiden Deponieeigentümer zusammen mit dem Deponiebetreiber, dem Baugeschäft Tozzo, beim Kanton einen Antrag zur Zukunft der Deponie stellen. Dabei sei eigentlich alles von einer Schliessung bis zu einer Weiterführung denkbar, sagt Sabine Schaffner. Dass sie, die seit Anfang Juli alt Gemeinderätin ist, offizielle Auskunftsperson der Gemeinde Reigoldswil ist, hat damit zu tun, dass sie das Geschäft nebst dem ferienabwesenden Gemeindepräsidenten Urs Casagrande am besten kennt.

Aber dann schränkt Schaffner den Fächer der Möglichkeiten doch etwas ein: «So wie ursprünglich geplant, kann die Deponie wahrscheinlich nicht aufgefüllt werden. Dies bräuchte eine intensive Überwachung, was das Ganze sehr kostenaufwendig machen würde.» Die Deponie war für 300'000 Kubikmeter Aushubmaterial vorgesehen, knapp ein Drittel davon wurde vor dem Gasleitungsbruch aufgefüllt.

Zur Zukunft der Deponie will sich Roland Bono von der kantonalen Bau- und Umweltschutzdirektion derzeit nicht äussern. Der Kanton werde im Herbst entscheiden, wenn der Antrag vorliege. Möglich sei alles, sagt auch er. Eine allfällige Schliessung des «Eichenkellers» habe aber keine gravierenden Auswirkungen auf die Entsorgungssituation im Kanton. Und doch eher überraschend: Während Schmidlin vom Gasverbund und Schaffner von der Gemeinde Reigoldswil deckungsgleich sagen, dass kein Kausalzusammenhang von Deponie und Hangbewegung nachgewiesen werden könne, hält Bono fest: «Diese Frage war nicht Gegenstand der Überwachung des Hanges.»