Nachdem Frenkendorf vergangenen Sommer von heftigen Hochwassern heimgesucht worden ist, liegt nun der Bericht des Ingenieurbüros Jauslin Stebler AG zu Hergang und Umfang der Ereignisse vor. Die Gemeinde hatte diese Untersuchung in Auftrag gegeben, um einen «umfassenden Überblick über die Situation zu erhalten, bevor überstürzt Massnahmen ergriffen werden», wie Gemeindepräsident Roger Gradl an der Gemeindeversammlung letzten Mittwoch ausdrückte, als der Bericht zur Kenntnisnahme vorgelegt wurde. Gradl betonte die Wichtigkeit einer solchen Handlungsbasis für das weitere Vorgehen. «Jetzt können wir vorwärtsmachen», verspricht er den zur Eile drängenden Betroffenen.

Hochwasser des Jahrhunderts

Die Besorgnis der Bevölkerung ist nach dem Ausmass des Hochwassers wenig verwunderlich. Beim Ereignis vom 8. Juni gingen in drei Stunden 75 Liter Regenwasser pro Quadratmeter nieder, was der Wahrscheinlichkeit nach nur alle 100 bis 300 Jahre vorkommt. Erschwerend hinzu kam die Tatsache, dass die Böden der Region durch die ungewöhnlich starken Regenfälle von April bis Juni 2016 bereits gesättigt waren und nur eine kleine Menge Regenwasser aufnehmen konnten. So drang abfliessendes Oberflächen- und Hangwasser in Gebäude ein.

Beim zweiten Ereignis in der Nacht vom 27. auf den 28. August waren die Böden wieder aufnahmefähiger, was Schäden durch Oberflächenabfluss verringerte. «Hingegen erschwerten die durch den Wind zu Boden gefallenen Blätter und der Hagel den einwandfreien Ablauf in die Einlaufschächte», erläutert die Jauslin Stebler AG in ihrem Bericht. Das Ingenieurbüro konnte durch Besprechungen mit Gemeinde und Anwohnern, Begehungen von 85 betroffenen Liegenschaften, Ereignisanalysen und Gefahrenkarten die Ursachen für das Hochwasser klären, Schadenklassifizierungen vornehmen und Lösungsansätze vorschlagen.

Eine grosse Schwachstelle bildet die Bachdole, die gemäss Bericht über ungenügende Kapazität verfügt, wenn mehr als drei Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfliessen müssen. So kam es im Juni direkt oberhalb der Dole zu einem Rückstau des Weiherbachs, der dann zahlreiche Keller sowie den Schmitteplatz flutete. Auch eine Tiefgarage füllte sich mit 1600 Kubikmeter Wasser. Eine Vergrösserung der Dole wird als mögliche Hochwasserschutzmassnahme in Betracht gezogen.

Auch die Kapazität der Kanalisation reicht stellenweise nicht aus, weshalb es im Sommer auch dort zum Rückstau kam. Im Gegensatz zur Bachdole käme bei der Vergrösserung der Kanalisation gemäss Bericht eine Schwierigkeit hinzu: «In Bereichen mit geringem Gefälle sind (zu) grosse Querschnitte deshalb nicht erwünscht, weil bei geringem Abfluss die Transportkapazität der festen Stoffe abnimmt und sich diese absetzen. Dies kann zu Geruchsbelästigungen führen.»

Verantwortung der Eigentümer

Eine weitere Schwachstelle sind bauliche Mängel an betroffenen Gebäuden. Dabei ist die Weisung der Gemeinde eindeutig: «In den betroffenen Fällen sind ausschliesslich die Eigentümer zuständig für die Sanierung ihrer Gebäude.» Das Abtreten der Verantwortung für diese Schadenfälle an die Eigentümer erregte in der Gemeindeversammlung einigen Widerwillen. Es wurde die Forderung laut, dass Baugesuche vor der Bewilligung sorgfältiger geprüft werden müssten, was nicht Sache der Eigentümer sei. Diese Kritik nahm Gemeinderat Urs Kaufmann auf und beteuerte, dass solche Bestrebungen zurzeit auch im Landrat diskutiert würden. Es sei unbestritten, dass generelle Massnahmen notwendig seien und nicht nur Individuallösungen.

Nach der Grundlagenbeschaffung und der Ereignisanalyse durch die Jauslin Stebler AG wird die Gemeinde Frenkendorf in einem dritten Schritt die Prüfung möglicher Massnahmen in Auftrag geben. «Ich habe Verständnis für die Sorgen und Unsicherheiten der Betroffenen. Der Handlungsbedarf ist unbestritten. Der Hochwasserschutz ist unsere oberste Priorität», versichert Gemeindepräsident Roger Gradl.