Gross war der Jubel im Landrat Mitte Dezember, als eine Mehrheit 300 000 Franken zusätzlich sprach, um in Baselland 2019 nichteinheimische, sich stark ausbreitende Pflanzen – sogenannte Neophyten – zu bekämpfen. Damit können mit derselben Intensität wie dieses Jahr der japanische Staudenknöterich oder das drüsige Riesenspringkraut aus Naturschutzgebieten und von Flussufern entfernt werden.

Denn schon für 2018 hatte der Landrat im Rahmen der Budgetdebatte vor einem Jahr denselben Betrag gesprochen, der von der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) neben der halben Million Franken für ordentliche Unterhaltsarbeiten gezielt eingesetzt werden konnte.
«Ich freue mich sehr, dass mein Antrag durchgekommen ist», sagt SP-Landrätin Désirée Jaun.

Verfangen habe wohl vor allem das Argument, dass Baselland langfristig weitaus mehr investieren müsste, hätte man ein Jahr ausgesetzt und auf den Start der kantonalen Neobiota-Strategie 2020 gewartet. Denn Fakt ist: Neobiota, also invasive Pflanzen (Neophyten) und Tiere (Neozoen), breiten sich exponentiell aus. Bekämpft man sie nicht frühzeitig – und wiederholt am selben Ort –, sind sie kaum mehr aufzuhalten. «Ohne die neuerlichen 300 000 Franken wäre das Geld von 2018 in den Wind geschossen gewesen», sagt Gabriel Stebler vom zuständigen BUD-Amt, dem Sicherheitsinspektorat.

Die Tigermücke könnte ein Thema werden

Allerdings ist unklar, ob 2019 wirklich alle Massnahmen von 2018 wiederholt werden können. Der Budgetantrag von Jaun ist nämlich nicht identisch formuliert wie jener von SP-Landrätin Mirjam Würth aus dem Vorjahr. Während Würth allgemein die «Bekämpfung der ungehinderten Ausbreitung invasiver Neobiota» in den Titel nahm, fokussiert Jaun explizit auf «finanzielle Mittel für die Neophytenbekämpfung».

Von der bz darauf hingewiesen, sagt Stebler: «Ich muss Anfang Jahr zusammen mit dem Bereichsleiter abklären, ob wir mit dem neuen Geld auch wieder Neozoen bekämpfen dürfen.» 2018 seien rund zehn Prozent des Betrags in Massnahmen gegen Grundeln, Signalkrebse und die Tigermücke geflossen.

«Ich persönlich hoffe nicht, dass wir uns auf Neophyten beschränken müssen. Das wäre schade», sagt Stebler. Gerade die Tigermücke könnte 2019 nämlich auch im Baselbiet verstärkt zum Thema werden. Bereits bekannt ist, dass Basel-Stadt seine Bemühungen gegen die asiatische Mücke verstärken wird, die sich vor allem im grenznahen Frankreich ausgebreitet hat und tropische Krankheitserreger wie das Dengue-, Chikungya- oder Zikavirus übertragen kann.

Andere Projekte müssen aufgeschoben werden

Bei einem Landratsentscheid kommt es darauf an, unter welcher Annahme das Parlament einem Begehren zugestimmt hat. In der Debatte Mitte Dezember drehte sich praktisch alles um invasive Pflanzen. Der einzige Bezug zum Überbegriff Neobiota war jener zur in Ausarbeitung befindlichen Strategie. «Ich habe den Fokus auf Neophyten bewusst gewählt», sagt auch Jaun.

Die Energieregion Birsstadt engagiere sich aktiv gegen die Pflanzen und als Birsfelder Gemeinderätin sehe sie, was für einen Aufwand die Bekämpfung bedeute. Allerdings werde sie nun das Gespräch zu Stebler und der BUD suchen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. «Es ist nicht meine Absicht, Neozoen freien Lauf zu lassen. Würden erneut nur rund zehn Prozent für diesen Zweck verwendet, so wäre das sicher nicht gegen den Willen des Landrates», ist Jaun überzeugt.

Bei Stebler löst der positive Landratsentscheid noch aus einem anderen Grund gemischte Gefühle aus: «Für uns als kleine Fachstelle mit vier Mitarbeitern bedeutet das natürlich auch mehr Arbeit. Der Landrat spricht zusätzliches Geld, aber keine zusätzlichen personellen Ressourcen. Diese gibt es erst mit der Neobiota-Strategie 2020.» Das Sicherheitsinspektorat müsse deshalb andere Projekte aufschieben.

Stebler betont aber, dass nichts Sicherheitsrelevantes posteriorisiert werde. Schon jetzt stapeln sich im bisher eigenständigen Amt, das 2019 neu ins Amt für Umweltschutz und Energie integriert wird, offenbar die Pendenzen. «Das war auch der Grund, weshalb unser Jahresbericht zur Neobiota-Strategie erst kurz vor der Budgetdebatte vorlag. Das nehm ich auf meine Kappe», sagt Stebler.

Den Zusatzaufwand nimmt er aber letztlich gern in Kauf. Auch um zu verhindern, dass die erst gerade ausgerissenen japanischen Staudenknöteriche wieder zu wuchern beginnen.