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Der geplante Gedenkanlass wurde am Dienstagabend, 30.1.18, abgesagt. Der Gemeinderat bittet um Verständnis. Zum Artikel

«Wir wollen an die Hinterbliebenen denken», so Pfarrerin Regina Degen-Ballmer. In der Rünenberger Turnhalle findet am Mittwochabend ein Gedenkanlass statt. Diesen hat der Gemeinderat initiiert, wie Peter Grieder, Vizepräsident des Rünenberger Gemeinderats, bestätigt. Zettel dafür werden heute per Post in alle Haushalte verschickt. Grieder, der sowohl Täter wie Opfer gekannt hat, fühlt sich «nicht so gut». Wenn so etwas passiere im Dorf, sei das sicher nicht angenehm.

Am Sonntag wurde der bekannte Anwalt Martin Wagner (57†) in seinem Haus von einem Nachbarn (39†) erschossen. Anschliessend richtete sich der Täter selbst. Die Polizei ortet die Tat im privaten Umfeld. Martin Wagner hinterlässt drei Kinder, die Ehefrau ist vor wenigen Monaten an einer schweren Krankheit gestorben. Der Täter hinterlässt Frau und ebenfalls drei Kinder. 

Das Pfarr-Ehepaar Regina und Stephan Degen-Ballmer von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Kilchberg-Rünenberg-Zeglingen greift derzeit nicht in das Geschehen rund um die Opferfamilien ein. Die Notfallseelsorge kümmert sich um die Familien. Regina Degen-Ballmer sagt: «Wir sollen nicht von uns aus aktiv werden. Wir warten ab, ob sich von den betroffenen Familien jemanden meldet.»

Die Pfarrerin spricht vom «‹Worst Case›, wenn zwei Familienväter zu Tode kommen. Und da sind die Kinder der beiden Familien, die zu mir in den Religionsunterricht kommen», gibt sie zu bedenken.

Für Stephan Degen-Ballmer ist es «total ungewöhnlich, dass so was bei uns hier oben geschieht. Wäre das in Basel passiert, wäre das etwas anderes. Aber hier in Rünenberg, hier hat man das Gefühl, man werde von solchen Sachen verschont.» Und plötzlich schlage es auch bei ihnen ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Rünenberg BL: Medienanwalt Martin Wagner erschossen

Rünenberg BL: Medienanwalt Martin Wagner erschossen

  

Am Gedenkanlass vom Mittwoch in Rünenberg wird das Pfarr-Ehepaar mitwirken, es wurde vom Gemeinderat kontaktiert. Die Idee sei, zusammenzustehen und zusammenzuhalten. «Wir wollen an die Hinterbliebenen denken, beider Familien», meint Regina Degen-Ballmer.

Die schreckliche Tat beschäftige die Leute in Rünenberg enorm. Stephan und Regina Degen-Ballmer hatten bis Montag keine Anrufe von besorgten Einwohnerinnen und Einwohnern. Sie haben jedoch Telefonate und E-Mails von Pfarrkollegen erhalten, die ihre Betroffenheit ausgedrückt und ihnen Hilfe angeboten haben.

Die Pfarrleute kannten Martin Wagner und den mutmasslichen Täter nicht persönlich. «Die meisten Leute in Rünenberg kannten jedoch beide, das macht es noch schwieriger», meint Stephan Degen-Ballmer.