Wie weiter mit dem Kantonsspital Baselland? Das ist nach dem Eklat vergangene Woche, der in der Entlassung von CEO Heinz Schneider und Rücktrittsankündigung von Verwaltungsratspräsident Dieter Völlmin gipfelte, eine der wichtigsten politischen Fragen der Region Basel. Ratlosigkeit herrscht: Welche Massnahmen geeignet seien, um das krisengeschüttelte Spital in die Zukunft zu führen, könne er derzeit kaum abschätzen, sagt etwa SP-Gesundheitspolitiker und Gewerkschafter Andreas Giger und zuckt mit der Schulter. «Eines aber ist klar: Momentan darf es in der Diskussion keine Tabus geben.»

Tauwetter nach frostigen Jahren

Keine Tabus. Das könnte heissen, verworfene Ideen nochmals aufs Tapet zu bringen. Wie jene für ein gemeinsames Universitätsspital beider Basel. Erinnern wir uns: Der Basler Gesundheitsdirektor Carlo Conti (CVP) hatte vor der Auslagerung der öffentlichen Spitäler eine gemeinsame Trägerschaft für das führende Gesundheitszentrum der Region ins Spiel gebracht – Contis Idee wurde von der Baselbieter Regierung zurückgewiesen.

Zwar mag Conti seine alte Vision nicht gleich neu lancieren. Dennoch ist unübersehbar: In der Spitalpolitik setzt zwischen Basel und Liestal nach einigen frostigen Jahren das Tauwetter ein. «Thomas Weber und ich werden nun die Köpfe zusammenstecken und über die gemeinsame Entwicklung der Gesundheitsregion diskutieren», sagt Conti zur bz. Ein Wurf in der Zusammenarbeit von Stadt und Land – damit würde sich der Basler Gesundheitsdirektor, der wegen falsch abgerechneter Spesen Ende Juli abtritt, den Abschied versüssen.

«Win-win-Lösung auf Augenhöhe»

Positive Signale kommen auch aus dem Baselbiet: Die Gelegenheit sei günstig, zusammen mit Basel-Stadt «ergebnisoffene Gespräche» zu führen sagt Contis Amtskollege Thomas Weber (SVP). Dies mit dem Ziel, den gemeinsamen Wirtschafts- und Gesundheitsraum zu stärken. «Wir suchen im Sinne einer vertieften Partnerschaft Win-win-Lösungen auf Augenhöhe», betont Weber.

Ein gemeinsames Unispital – oder zumindest eine stärkere Kooperation mit den Baselbieter Spitälern – brächte für beide Partner Vorteile: aus Baselbieter Sicht eine Anbindung an ein starkes Basler Gesundheitszentrum, dessen mögliche Expansion im Landkanton sowohl versorgungstechnisch als auch wirtschaftlich Perspektiven eröffnen würde. Aber auch aus städtischer Sicht birgt die Idee Reize: Höhere Fallzahlen und verstärktes Know-how würden in der Spitzenmedizin Basels Stellung im interkantonalen Wettbewerb verbessern. «Durch eine gemeinsame Trägerschaft wird vermieden, dass die Kantone und Spitäler divergierende Ziele anstreben», heisst es dazu in einem Grundsatzpapier der Vereinigung für eine Starke Region Basel / Nordwestschweiz.

Das Universitätsspital Basel (USB) tritt in der Grundversorgung als Konkurrent des Kantonsspitals Baselland (KSBL) in Erscheinung; in Spezialdisziplinen sind die beiden aber Partner, wie der Rahmenvertrag vom September 2013 unterstreicht. Im Bereich der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie arbeiten die Spitäler seit dem 1. Januar zusammen. Am 1. April tritt zudem das Abkommen zur Kooperation in der Wirbelsäulenchirurgie in Kraft.

Neues Krebszentrum im Baselbiet

Die jüngsten Geschehnisse am KSBL nehme man mit Betroffenheit zur Kenntnis. «Wir haben sicher kein Interesse daran, dass einer unserer Kooperationspartner schwächelt», sagt USB-Direktor Werner Kübler. Man hoffe, dass in naher Zukunft weitere Kooperationen abgeschlossen werden können. «Der Rahmenvertrag stellt eine gute Basis dar, um auch über grosse Würfe nachzudenken«, sagt Kübler.

Klaus Kirchmayr, Fraktionschef der Grünen im Baselbieter Landrat, fordert vom Verwaltungsrat und von Regierungsrat Weber, jetzt die Strategie von Externen überprüfen zu lassen. «Und dies ohne Scheuklappen.» Ein von beiden Basel betriebenes Disziplinen-Spital mit dem Status einer Universitätsklinik wäre Kirchmayrs «Wunschlösung». Gerne bringt er seine bereits 2010 (mit dem heutigen Regierungsrat Isaac Reber) geäusserte Idee eines nationalen Krebszentrums zurück ins Spiel. Damit könnten die regionalen Kompetenzen in der Onkologie gebündelt werden.

Allerdings: Die Spitäler würden sich im Gegensatz zur Situation vor der Auslagerung nicht mehr auf Augenhöhe begegnen, sagt Kirchmayr. Zudem befürchtet er, dass die Basler Spitäler ihre Munition für andere Investitionen vorgesehen haben. «Sie verfügen wohl über keine zusätzlichen Ressourcen, um jetzt noch ein Kooperationsprojekt voranzutreiben.»