Dieses Mal war er zu weit gegangen. Das sah Christian Ruetz offensichtlich auch selber ein. Der Serienpleitier stimmte vor dem Arbeitsgericht in Rheinfelden einem Vergleich zu. Ruetz bezahlt der früheren Filialleiterin «seines» gescheiterten Zoofachgeschäfts in Liestal eine Entschädigung von 6000 Franken für nicht bezahlte Löhne und Sozialleistungen.

Damit neigt sich für Franziska Zürcher ein langer Konflikt langsam dem Ende zu. Er hatte bereits begonnen, als sie noch im Laden stand. Die Muttenzerin war im Sommer 2016 von Ruetz für das Geschäft namens Anirama in Liestal angeworben worden. Im Dezember begann sie für das «Unternehmen» zu arbeiten, im Januar 2017 eröffnete der Laden – bereits im März machte er wieder dicht. Bis dahin hatte Zürcher nur einen Bruchteil der Saläre gesehen, die ihr zustanden.

Zürchers Chef jedoch, Christian Ruetz, sah sich selber als Opfer. Mehrfach forderte sie in dazu auf, die Ausstände zu begleichen. Alle Fristen verstrichen ungenutzt. Ruetz argumentierte stets, er sei gar nicht ihr Vorgesetzter gewesen, sondern auch nur ein ganz normaler Angestellter. Darum könne man ihn nicht für nicht bezahlte Löhne verantwortlich machen.

Dumm nur: Zürcher hatte Belege, auf denen Ruetz für Anirama unterschreibt und sich als Geschäftsführer gebärdet. Einfach greifbar war er trotzdem nicht. Er gab vor, die Anirama AG gründen zu wollen – was aber nie geschah.

Behörden liessen sich blenden

Ruetz ist sich Konkurse gewöhnt. Der PR-Berater aus Rheinfelden war alleine in den vergangenen zwölf Jahren bei mindestens fünf Firmen involviert, die Pleite gingen. Bei der letzten – neben Anirama – war er Geschäftsführer. Es ist die com-il-faut AG Liestal. Der Verlag mit rund 15 Angestellten wurde im Mai 2017 liquidiert.

Der Konkurs war auch für die regionale Arbeitsvermittlungszentren peinlich – sie hatten mit Ruetz zusammengearbeitet und Stellensuchende ins Verderben geschickt.

Die com-il-faut AG spielte im Arbeitskonflikt mit Zürcher eine entscheidende Rolle. Ruetz ging dreist vor. Er stellte die gelernte Zoofachhändlerin unter der com-il-faut AG ein, rechtfertigte diesen Schritt damit, die Anirama AG befinde sich erst noch in Gründung. Später werde er die Arbeitsverträge ändern.

Als Franziska Zürcher sich im Juli dazu entschloss, zu klagen, musste sie feststellen: Die Anirama AG, ihre vermeintliche Arbeitgeberin, hatte rechtlich nie existiert. So blieb ihr nichts anders übrig, als Ruetz als Privatperson zu betreiben.

Viele andere warten auf ihr Geld

Da kam das nächste Problem. Die Baselbieter Behörden erklärten sich als nicht zuständig – Ruetz sei Aargauer. Auch das Betreibungsamt Rheinfelden wollte das Betreibungsbegehren wieder einstellen. Doch Zürcher focht den Entscheid an, mit Erfolg. So kam es am vergangenen Donnerstag zum Wiedersehen vor dem Arbeitsgericht Rheinfelden.

Vier Stunden dauerte die Verhandlung. Ruetz verpflichtet sich mit dem Vergleich, Franziska Zürcher bis November insgesamt 6000 Franken zu überweisen, in zwei Tranchen. Laut Vereinbarung erklärt die Klägerin alle Ansprüche als beglichen.

Ganz abschliessen kann Ruetz mit Anirama aber nicht. Offen sind Ansprüche der öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland. Und im Zuge der beiden Fiaskos mit Anirama und com-il-faut sind dutzende weitere Betroffene auf ihren Forderungen sitzen geblieben – Angestellte, Lieferanten, Vermieter. Die Summe der Ausstände dürfte sich im sechsstelligen Bereich bewegen. So rasch wird Ruetz wohl keine neuen Firmen mehr gründen.