Jetzt greift die Baselbieter SP ins Ping-Pong-Spiel zwischen Autobus AG Liestal (AAGL) und Kanton ein; diese schieben sich derzeit den Ball gegenseitig zu, wer Schuld trägt an der massiven Verschlechterung der Anschlüsse des 70er-Busses in Liestal an die Züge ins Mittelland. Ob, wann und mit welchem Resultat dieses triste Spiel endet, steht in den Sternen. Doch darauf will die SP nicht warten und fährt nun mit einem Doppelpaket auf.

Heute Mittwoch lanciert die Partei eine Petition an Regierung und Landrat unter dem Titel «Euse 70er: Wieder bessere Anschlüsse für das Föiflibertal!». Präsidentin des Komitees ist Samira Marti aus Ziefen, die auch Vize-Präsidentin der SP Baselland ist. Sie sagt zur Stossrichtung der Bittschrift: «Der 70er-Bus von Liestal nach Reigoldswil ist mit jährlich 1,3 Millionen Passagieren die meist genutzte Buslinie im Kanton. Wir verlangen, dass die langen Wartezeiten in Liestal möglichst schnell verkürzt und die Einführung eines 20-Minuten-Takts geprüft wird.»

So steigen Leute auf Auto um

Eine solche Taktverdichtung sei die einzige Lösung, wenn die AAGL bei einem Halbstunden-Takt die Anschlüsse in Liestal wegen Verspätungen nicht gewährleisten könne. Müssten die Pendler in Richtung Zürich und Luzern am Morgen und Abend in Liestal bis zu einer halben Stunde warten, sei eine Verlagerung vom öV auf die Strasse absehbar. Denn die Leute würden so per Auto nach Liestal oder gerade ins Mittelland fahren. Marti: «Das ist das Gegenteil von einer Verkehrspolitik, wie wir sie uns vorstellen. Wir müssen den öV attraktiver und nicht unattraktiver machen.»

Etliche Personen aus dem Hinteren Frenkental hätten ihr gegenüber gesagt, dass sie nach dieser Fahrplanänderung die Welt nicht mehr verstünden. Ihnen will die SP nun eine Stimme verleihen. «Die Leute sollen dank der Petition ihren Unmut gegenüber der Politik zum Ausdruck bringen können», sagt Marti. Sie erwartet denn auch viele Unterschriften aus dem Hinteren Frenkental, hofft aber auch, dass die Solidarität wie beim Läufelfingerli regionenübergreifend spielt.

Landrat hellhöriger?

Im Petitionskomitee ist die kantonale SP-Spitze prominent vertreten, so etwa mit Parteipräsident Adil Koller, Fraktionspräsidentin Miriam Locher und Nationalrat Eric Nussbaumer. Mit Rafael Moser und Thomas Noack sitzen neben etlichen andern zudem auch zwei Gemeinderäte aus dem betroffenen «Föiflibertal» im Komitee. Die Petition wird nun aber nicht nur als isolierte Bittschrift lanciert. Sie soll vielmehr gekoppelt werden mit einer Motion, die Landrat Jan Kirchmayr im Namen der SP-Fraktion in den kommenden Tagen im kantonalen Parlament einreicht. Dieser Vorstoss verlangt von der Regierung, dafür zu sorgen, dass der Fahrplan die Anschlüsse vom 70er-Bus auf die Schnellzüge nach Zürich und Luzern sicherstellt. Dabei sei ein 20-Minuten-Takt auf der 70er-Linie auf den Fahrplanwechsel 2019 hin zu prüfen. Dies unter Aufzeigen der finanziellen Auswirkungen auf den Finanzplan und den generellen Leistungsauftrag im öV.

Im gestrigen bz-Interview sprach der kantonale Verkehrsplaner Dominic Wyler von «über den Daumen gepeilten» Mehrkosten von jährlich 600'000 bis 750'000 Franken, wenn auf der 70er-Linie täglich 18 zusätzliche Busse verkehren würden. Ob das stimmt, kann Marti nicht beurteilen: «Darüber soll die Motion Klarheit schaffen.» Sie verweist aber darauf, dass je mehr Unterschriften mit der Petition zusammenkämen, desto weniger könne sich der Landrat hinter der Kostenfrage verstecken. Marti weiter: «Die Läufelfingerli-Abstimmung macht uns Hoffnung, dass der Landrat bei öV-Fragen vermehrt aufs Volk hört.» Die Petition soll deshalb kurz vor der Behandlung der Motion im Landrat eingereicht werden. Marti rechnet damit, dass das im Frühling der Fall sein wird.

Eine Taktänderung kommt – falls überhaupt – also frühestens im Dezember 2019. Das nützt den jetzt vor den Kopf gestossenen Pendlern wenig. Marti meint dazu: «Das ist natürlich sehr schwierig für alle Betroffenen. Der Regierungsrat hat einen fatalen Fehlentscheid getroffen. Es ist nun seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das öV-Angebot wieder angemessen ist. Deswegen erwarten wir vor 2019 Korrekturen beim Fahrplan des 70er-Busses.»