Seit knapp acht Monaten ist Jan Pranger Leiter des CABB-Standorts Pratteln. Der gebürtige Holländer trat die Stelle per August 2018 an.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern darf Pranger Good News vermelden: CABB war in den vergangenen Jahren wegen mehrerer Zwischenfällen in den Fokus gerückt. Das Feinchemie-Unternehmen galt als Pannenfirma. Doch CABB gelobte Besserung, gab bereits im vergangenen Jahr Millionen von Franken für die Erhöhung der Sicherheit aus. Gestern verkündete Pranger, dass CABB im laufenden Geschäftsjahr insgesamt 35 Millionen Franken investieren werde. Ein grosser Teil davon – 40 Prozent oder 14 Millionen – sollen in die Anlagen- und Prozesssicherheit fliessen. Teil davon sind Schulungen des Personals.

«Ich muss der Belegschaft ein Kompliment machen», sagte Pranger am Jahres-Pressegespräch in Pratteln. «Die Vergangenheit war turbulent. Jetzt ist Ruhe eingekehrt, die Themen werden fokussiert abgearbeitet.» Die gute Entwicklung sei nicht nur ein Eindruck, sagte der Chemie-Ingenieur, sondern statistisch belegbar.

Tatsächlich ist es seit längerer Zeit nicht mehr zu grösseren Störfällen gekommen in der Chemiefabrik in Schweizerhalle. Fünf Unfälle drangen seit 2010 an die Öffentlichkeit. 2014 explodierte ein Container, ein Mitarbeiter starb an den Folgen. In den vergangenen zwei Jahren wurde es ruhiger rund um CABB, mit Ausnahme von kleineren Zwischenfällen. So drang etwa im Dezember 2018 bei einer Havarie chlorierte Essigsäure aus, verletzt wurde niemand.

102 Jahre in Pratteln ansässig

Statt CABB sorgte in den vergangenen Wochen eine andere Firma aus Pratteln für Schlagzeilen: die Rohner AG. Anfang März wurde bekannt, dass bei der Firma, die Feinchemikalien und Pharmawirkstoffe produziert, beträchtliche Mengen Industrieabwässer ins Grundwasser gelangten. Ursache war ein Leck in einer Leitung.

CABB stellt chemische Zwischen- und Fertigprodukte her und geht auf die 1917 gegründete Säurefarbrik Schweizerhalle zurück. 2003 fasste Clariant sein Acetylgeschäft in der neu gegründeten CABB zusammen. Die vier Buchstaben stehen für «Clariant Acetyl Building Blocks». 2005 verkaufte Clariant die Tochter, seither steht das «C» für «Chlorine». Mehrfach wechselte CABB den Besitzer, heute gehört die Firma zum britischen Private-Equity-Fonds Permira.

Pratteln ist einer von fünf Produktionsstätten in Europa und Asien und spielt innerhalb der CABB Group mit Sitz in Sulzbach am Taunus eine bedeutende Rolle. Das habe auch mit der Nähe zu den Abnehmern – vorwiegend Unternehmen der Agrochemie – zu tun, wie Pranger gestern erläuterte. Von den 35 Millionen Franken wird der Löwenanteil in sogenannte Wachstumsprojekte investiert. «Wir müssen wachsen, das ist die Vorgabe», sagte Pranger. In der Agrochemiesektor sei eine Konsolidierung im Gang. Die immer grösseren Unternehmen würden auch immer grössere Mengen nachfragen. CABB hat in Pratteln auch eine neuartige Abteilung namens «Chem Creations» aufgebaut. Sie berät Kunden bei der Entwicklung neuer Prozesse und Moleküle.

In Pratteln beschäftigt CABB rund 350 Mitarbeitende. Weil der Agrochemiemarkt nach Jahren der Stagnation wieder wachse, spüre das auch CABB, sagte Pranger. Die Firma sei deshalb auf Personalsuche – gefragt sind vor allem Chemiker und Ingenieure.