«Es ist schon unglaublich, wie so ein kurzes Stück Strasse so viele Leute über so viele Jahre hinweg beschäftigen kann», grummelte Einwohnerrat Peter Heiz (FDP) am Montag im Binninger Parlament. Er sei sich bewusst, dass man es bei diesem Geschäft nicht allen recht machen könne. Denselben Satz sprach auch Andrea Alt (CVP) aus, und fügte an, es sei dabei nicht am Binninger Einwohnerrat, eine gute Lösung für Bottmingen zu finden.

Der Zankapfel Benkenstrasse ist uralt, die Strasse soll nach einem Versprechen aus dem Jahr 1975 auch als Zu- und Abfahrt für den Bottminger Bertschenacker dienen. Nachdem Bottmingen ein einseitig verhängtes Fahrverbot mit Hilfe des Kantonsgerichtes erfolgreich bekämpft hatte, schlug der Binninger Gemeinderat nun in Abstimmung mit Bottmingen einen pragmatischen Kompromiss vor: Ein allgemeines Fahrverbot in beiden Richtungen, allerdings mit erlaubtem Zubringerdienst von und nach Bertschenacker.

Der Testbetrieb für zwei Jahre

Zwei Jahre sollte diese Variante getestet und mit genauen Messungen auch analysiert werden. Bottmingen hatte zugestimmt, das Fahrverbot auf der anderen Seite auch entsprechend durchzusetzen. Am Montag sprachen sich die Sozialdemokraten sowie die Grünen für diesen Kompromiss aus, blieben dabei aber in der Minderheit. «Wir gewichten die Interessen der Anwohner höher als die Anderer, möglichst schnell von A nach B zu kommen und unterstützen deshalb den Kompromiss», sagte Stephan Appenzeller (SP).

Urs Brunner von der SVP bevorzugte aber die Variante der beidseitigen Öffnung ohne Einschränkungen. «Sollte sich aber nach der Testphase zeigen, dass das Aufkommen zunimmt, muss der Gemeinderat das Fahrverbot durchsetzen», so Brunner. Später ergänzte er, bei einer «Verzehnfachung» des Verkehrs wäre er für das Fahrverbot. Peter Heiz sagte dazu, man dürfe nicht vergessen, dass die Hohe Strasse ja für den Durchgangsverkehr geschlossen bleibe.

Gegen den Widerstand von SP und Grünen sprachen sich die Bürgerlichen mit 21 zu 15 Stimmen für die Öffnung der Benkenstrasse aus. Allerdings ist dies lediglich eine Empfehlung, denn Fahrverbote und ähnliche Anordnungen liegen allein in der Kompetenz des Gemeinderates. Dieser muss jetzt zusammen mit Bottmingen das genaue Vorgehen abstimmen und die Änderung publizieren, die Anwohner der IG Benkenstrasse dürften daraufhin wohl Beschwerde gegen den Entscheid einreichen.

Messungen ergaben im Oktober 2016 insgesamt 570 Fahrten pro Tag im obersten Abschnitt der Benkenstrasse. Allerdings sorgte alleine die Buslinie Linie 61 schon für 100 Fahrten pro Tag.