Der Schulrat der Primarschule Zwingen hat nach wochenlangen Kontroversen die Reissleine gezogen. Am Freitag teilte er in einem Brief den Lehrern und den Eltern mit, sich per sofort von Schulleiter Erich Rubitschung zu trennen. Der 64-Jährige hatte kürzlich bereits die operative Führung abgegeben und kehrt nicht mehr an die Schule zurück.

Erich Rubitschung stand in den vergangenen Wochen stark in der Kritik. Unter seiner Leitung waren an der Primarschule Zwingen über längere Zeit anthroposophische Lehrmethoden angewandt worden. Im Fokus stehen zwei Lehrerinnen, die sich der Pädagogik von Rudolf Steiner verschrieben haben. Gegen die umstrittenen Methoden reichte der Lehrerverein Baselland eine aufsichtsrechtliche Beschwerde ein. Der Kanton Baselland sprach vor wenigen Tagen ein Machtwort und befahl: «Es ist sicherzustellen, dass stundenplankonforme Fächer verwendet werden und keine einseitigen Methoden zur Anwendung kommen. Religiöse oder sektiererisch anmutende Ausprägungen sind zu unterlassen.»

Die Baselbieter Bildungs-, Kultur und Sportdirektion hat den Stundenplan analysiert und dabei festgestellt: An der Zwingner Primarschule wurde Eurythmie unterrichtet und die Schüler sagten morgens jeweils «stehend, mit hängenden Armen» ein Gedicht von Rudolf Steiner auf. Zudem unterrichtete eine der beiden Lehrerinnen vollständig in Epochen. Dabei wird für einen gewissen Zeitraum – eine sogenannte Epoche – das Nebeneinander der Fächer aufgehoben, um konzentrierter bei einem Gegenstand zu verweilen. Diese Form der Unterrichtsgestaltung ist meist an Steiner-Schulen anzutreffen.

Der Kanton ordnete ein Ende der anthroposophischen Lehrmethoden in Zwingen an. Eurythmie, Epochenunterricht und Morgenspruch müssen aus der Primarschule in der Laufentaler Gemeinde verschwinden.

Zukunft der Lehrerinnen ungewiss

«Die schon erwähnten Verfehlungen im Ablauf des schulischen Alltags haben uns dazu veranlasst, uns von unserem Schulleiter Herrn Rubitschung mit sofortiger Wirkung zu trennen», lässt der Schulrat die Lehrer und Eltern nun wissen. Der Schulrat stelle die Stellvertretung und die Nachfolge schnellstmöglich sicher.

Bis zu den Sommerferien werde Shirin Mahler interimistisch die Schulleitung übernehmen. Es sei dem Schulrat ein grosses Anliegen, baldmöglichst wieder Ruhe in den Schulalltag zu bringen. Man tue dies mit grosser Sorgfalt. Weitere Auskünfte wollte Schulrat Harald Schmidlin auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende» nicht geben. Ob die beiden Lehrerinnen auch im nächsten Schuljahr in Zwingen unterrichten werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar.

Misstrauensvotum gegen Schulrat

Für eine betroffene Mutter ist die Freistellung des Schulleiters ein Schritt in die richtige Richtung. Sie verlangt aber mehr: «Die Entlassung von Erich Rubitschung ist für uns ein erster Sieg», erklärt sie. In einem kürzlich verfassten Schreiben fordern sie und andere Zwingner Eltern vom Kanton eine Abberufung des gesamten Schulrats und Neuwahlen des Gremiums. Das «Misstrauensvotum gegenüber dem Schulrat der Primarschule Zwingen» schickten sie unter anderem an die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind und an Ermando Imondi, Gemeindepräsident von Zwingen.

Im Schreiben sprechen sich die Eltern auch dafür aus, die Lehrerin Marianne Lander wieder einzustellen. Sie und ihre Kollegin Jessica Bauk hatten wegen der anthroposophischen Lehrmethoden und Meinungsverschiedenheiten mit Rubitschung gekündigt. Mit ihrer Kündigung Anfang Mai und einer anschliessenden Solidaritätsbekundung der Schülerschaft nahm die Geschichte ihren Anfang. Die Stellungnahme des Kantons zum Misstrauensvotum steht noch aus. Es wird spannend zu beobachten sein, wer nach den Sommerferien in Zwingen unterrichtet und wer nicht.