Wohl noch nie in ihrer bald 200-jährigen Geschichte standen die Schweizer Salinen derart im Scheinwerferlicht wie in den vergangenen Monaten. Seit mehrere betroffene Landwirte die geplanten Salzbohrungen auf der Rütihard in Muttenz erbittert bekämpfen, sieht sich die AG im Besitz der Kantone mit dem Vorwurf konfrontiert, sie wolle eine grüne Idylle zerstören.

Jetzt haben die Salinen zum Befreiungsschlag angesetzt. Zusammen mit der Bürgergemeinde Muttenz luden sie am Freitag zu einer Begehung eines Gebiets ein, in dem seit Jahrzehnten unterirdisch Salz abgebaut wird. Zweck der Veranstaltung: Den Medienvertretern vor Ort demonstrieren, wie wenig die Salzgewinnung die Landschaft beeinträchtigt. Im Gebiet Sulz/Zinggibrunn wird seit den 1970er-Jahren nach Salz gebohrt. Die Bohrlöcher sind für das ungeschulte Auge kaum zu erkennen. 

Die genau gleichen schonenden Abbaumethoden würden auch bei der nur wenige hundert Meter weiter westlich gelegenen Rütihard zur Anwendung kommen, versicherte Urs Hofmeier bei der Begehung. Der Geschäftsführer der Salinen sagte: «Die Rütihard bleibt die Rütihard.»
Die Salz-Abbaugebiete Sulz/Zinggibrunn und Rütihard gehören der Bürgergemeinde Muttenz. Deren Präsident Hans-Ulrich Studer doppelte während des Rundgangs nach: «Würde hier irgendjemand von einer zerstörten Landschaft sprechen? Ich glaube wirklich nicht.»

Salz aus Muttenz seit 50 Jahren

Gerade für die Bürgergemeinde geht es nicht zuletzt auch um eine hübsche Stange Geld. Die Nutzung des Landes müssen die Schweizer Salinen vergüten, mittels Dienstbarkeiten für die Bohrplätze, Förderschächte und die Durchleitungsrechte.

Die erste Dienstbarkeit mit der Bürgergemeinde Muttenz datiert aus dem Jahr 1968. Jährlich falle für sie ein mittlerer fünfstelliger Betrag an Durchleitungsrechten ab, sagte Studer. «Das Entgelt fliesst zurück in die Pflege von unseren Wegen und Wäldern. Nach dem Abbau werden die Gebiete renaturiert, darauf bestehen wir.»

Die Salinen haben grosses Interesse daran, ab 2025 auf der Rütihard nach Salz bohren zu dürfen. «Das Gebiet eignet sich bestens für den Abbau», sagte Hofmeier. «Die Salzschicht liegt relativ nah an der Oberfläche und wir können bestehende Infrastrukturen nutzen.» Er gab das Versprechen ab, dass das Gebiet immer für alle Nutzer offen bleibe und man versuche, die Einschränkungen und Emissionen so gering wie möglich zu halten. Ohne die Rütihard droht laut Hofmeier ab 2025 eine Versorgungslücke mit Salz. «Andere Bohrfelder sind noch nicht genügend erkundet. Wir haben keinen Plan B.»

Schutzwände schlucken Lärm

Die Gegner der Rütihard-Bohrungen argumentieren, dass es mit dem Salzabbau ab 2025 mit der Ruhe auf der Rütihard für Monate, wenn nicht sogar Jahre vorbei sei. Landwirt Ruedi Brunner sagte im März zur bz, der Boden werde durchlöchert und wegen der Leitungen beeinträchtigt. Nach dem Salzabbau sei das Ackerland nie mehr wie zuvor. Dabei liege das Gebiet in der Landschaftsschutzzone. Die Petition «Rettet die Rütihard» wurde Anfang April von der FDP Muttenz lanciert.

Die Salinen kennen das Argument des Lärms und der Erschütterungen. Deshalb liessen sie am Freitag zu Demonstrationszwecken einen Bohrer samt Lärmschutzwänden aufstellen. «Es gibt keine Schläge oder Erschütterungen», sagte Hofmeier. «Wir bohren langsam und schonend. Die Geräusche sind nur in der unmittelbaren Umgebung zu hören.»

An einem Bohrloch werde jeweils zwischen vier und sechs Wochen gearbeitet, und das in der Regel auch rund um die Uhr. Das sei aus geologischen Gründen notwendig. «Doch wir können an sensiblen Stellen auf Lärmschutzbedürfnisse Rücksicht nehmen», sagte Hofmeier. «Zum Beispiel ist es möglich, die Bohrungen auf das Winterhalbjahr zu verlegen oder Unterbrechungen einzuplanen.»

Gleich nochmals ein Rundgang

Als nächster Schritt will die Bürgergemeinde ihre Mitglieder informieren. Die Versammlung ist am 12. Juni angesetzt. Am kommenden Dienstagabend veranstaltet die Bürgergemeinde zudem einen Informationsanlass im Mittenza.

Die Rütihard fiel 1988 in das Konzessionsgebiet der Salinen, im Abtausch mit dem Gebiet um den Adlertunnel. Nach dem Bau des Tunnels war kein Salzabbau mehr möglich. 2008 verlängerte der Baselbieter Landrat die Konzession letztmals. Sie läuft 2025 ab. Für den Abbau nach 2025 braucht es also auch einen neuen Landratsentscheid. Für die Abbauarbeiten auf der Rütihard benötigen die Salinen jedoch, neben dem OK der Bürgergemeinde, auch eine Bewilligung des Kantons. Für das Baugesuch wird derzeit der obligatorische Umweltverträglichkeitsbericht ausgearbeitet.

Zuvor kommt es zu einer weiteren Begehung im Gebiet Zinggibrunn, wiederum organisiert von der Bürgergemeinde Muttenz und von den Schweizer Salinen. Die eineinhalbstündige Veranstaltung ist öffentlich und für Samstag, 26. Mai, angesetzt (Treffpunkt: 10 Uhr bei der Gärtnerei Dobler).

Die Gegner des Salzabbaus auf der Rütihard mobilisieren bereits auf Facebook. Unter dem Schlagwort «Salz statt Leben: Nein!» Wird zur Teilnahme aufgefordert.
Es heisst: «Setzt mit uns zusammen ein Statement! Dass uns die Rütihard nicht egal ist und nicht Geld die Welt regiert, sondern engagierte Bürger!»